Erst "Bunte", jetzt FDP : Patricia Riekel will rein in die Politik

Patricia Riekel wechselt die Branche, von der Publizistik geht es in die Politik. Am Mittwoch wird die frühere "Bunte"-Chefredakteurin 70.

Die frühere "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel will für die FDP in den Münchner Stadtrat einziehen
Die frühere "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel will für die FDP in den Münchner Stadtrat einziehenFoto: dpa

Was ein Helmut Markwort kann, das kann eine Patricia Riekel schon lange. Der frühere, heute 82-jährige „Focus“-Herausgeber, zog für die FDP in den bayerischen Landtag ein und wurde dessen Alterspräsident. Die frühere „Bunte“-Chefredakteurin möchte im kommenden Jahr für die FDP in den Münchner Stadtrat einziehen, Ortsvorsitzende der Liberalen in ihrem Stadtteil Bogenhausen ist sie schon. Geboren wurde sie in den Niederlanden, groß geworden ist sie am Starnberger See. Politische Erfahrung kann Riekel nicht vorweisen, politische Nähe zu den Liberalen nur bedingt, sie ist bekennender Merkel-Fan.

Was Riekel vorweisen kann: Sie lebt seit 50 Jahren in München, da lernt man die Probleme einer Stadt sehr wohl kennen. Und dann hat sie – gleich ihrem Lebensgefährten Markwort – publizistische Prominenz, die ihr bei einer Wahl, wo beileibe nicht alle Kandidaten dem Wahlvolk bekannt sind, Stimmen zutreiben kann: Patricia Riekel arbeitete von 1997 bis 2016 als „Bunte“-Chefredakteurin.

Ärger mit Franz Müntefering

Klatsch war jahrelang ihr Geschäft: Gekrönte Häupter, Promis und Politiker, Reiche, Schöne und Mächtige. „Ein People-Magazin ist kein Streichelzoo“, sagt sie im dpa-Interview. „Neben schönen Geschichten über Hochzeiten, Taufen und neue Lieben berichtet ,Bunte’ auch über Skandale, über Prominente, die abstürzen.“ Sie habe allerdings eine Regel gehabt: „Wenn du über eine prominente Person etwas schreibst, versetze dich in ihre Lage. Überlege, was die Geschichte für dich, deine Freunde, deine Familie, für deinen Arbeitgeber bedeuten würde.“

Trotzdem gab es Ärger. So warfen Kritiker der Chefredakteurin Spitzelmethoden bei Recherchen zum Privatleben des SPD-Politikers Franz Müntefering vor. Der war deshalb vor den Presserat gezogen. „Wir sind Berichter, nicht Richter. Aber natürlich haben wir sicher auch das eine oder andere Mal Grenzen überschritten und Menschen verletzt“, sagt Patricia Riekel. Am Mittwoch wird sie 70 Jahre alt. Joachim Huber