Ex-"Spiegel"-Reporter Claas Relotius : Aus den Annalen des Reporter-Preises getilgt

Auf Drängen der "Süddeutschen Zeitung": Reporter-Forum entfernt Texte von Claas Relotius aus Liste der Preisträger.

Ex-"Spiegel"-Reporter Claas Relotius.
Ex-"Spiegel"-Reporter Claas Relotius.Foto: Ursula Düren/dpa

Einen Tag, nachdem der „Spiegel“ die Fälschungen seines ehemaligen Reporters Claas Relotius öffentlich gemacht hatte, gab der zuvor mehrfach mit Medienpreisen ausgezeichnete Journalist seine vier Reporter-Preise zurück. Dazu zählte auch der „Spiegel“-Beitrag „Nummer 440“ über einen vermeintlichen Gefangenen im US-Straflager Guantanamo. Doch während das Nachrichtenmagazin den inkriminierten Beitrag über jenen Jemeniten, der nach Relotius’ Schilderung über Jahre isoliert und gefoltert wurde, weiterhin in seinem Online-Archiv zum Nachlesen vorhält – mit einem entsprechenden Hinweis versehen, dass sich der Text nach einer Prüfung in weiten Teilen als gefälscht herausgestellt hat – hat das Reporter-Forum nun alle RelTexte von ihrer Internetseite genommen. Und zwar sowohl die vier ausgezeichneten als auch die nominierten.

"Nur Leihnehmer der Texte"

Neben „Nummer 440“ in 2018 hatte Relotius 2013, 2015 und 2018 weitere Preise erhalten. In anderen Jahren war er für einen Reporter-Preis nominiert worden, auch für Texte in der „Süddeutschen Zeitung“, die an das Reporter-Forum die „dringende Aufforderung“ geschickt hat, die nominierten Beiträge von der Seite zu nehmen. „Wir sind ja nur Leihnehmer der Texte, nicht die Eigentümer, darum sind wir der Aufforderung nachgekommen – und zwar pauschal für alle Texte von Relotius“, begründete Cordt Schnibben, einer der Leiter des Reporter-Forums, die Entscheidung. Von der Webseite des „SZ-Magazins“ wurden die Texte ebenso entfernt.

Zugleich erinnerte Schnibben daran, dass die Preise in zwölf Kategorien vergeben werden, für Lokalreportagen genauso wie für Datenprojekte, und somit in Kategorien, in denen ein solcher Betrug kaum möglich ist. Das diesjährige Reporter-Forum wird von Mai auf März vorgezogen, um möglichst bald über die Konsequenzen aus dem Fall Relotius zu diskutieren. Die nächsten Reporter-Preise werden im Dezember vergeben. sag

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