Formel-1-Start im Fernsehen : Wie Sky, RTL und F1 TV in die neue Saison gehen

Wenn die Formel 1 am Wochenende in die neue Saison startet, ist das Fernsehen diesmal noch dichter dabei. Was sich Sky, RTL und F1 TV vorgenommen haben.

Männer mit Mützen: Die Formel 1 hofft auf die jungen Wilden. Einer von ihnen ist der Ferrari-Pilot Charles Leclerc.
Männer mit Mützen: Die Formel 1 hofft auf die jungen Wilden. Einer von ihnen ist der Ferrari-Pilot Charles Leclerc.Foto: Davies/dpa

So viele TV-Optionen für die Formel 1 gab es noch nie: In der Saison 2018 war RTL in Deutschland der einzige praktikable Sender, weil Sky sich wegen zu wenig Exklusivität zunächst zurückgezogen hatte und der Formel-1-Streamingdienst F1 TV noch ohne eigene deutsche Kommentierung auskommen und sich statt dessen mit der Tonspur von RTL behelfen musste. In der neuen Saison kann der Zuschauer nun wieder entscheiden, ob er die 21 Rennen lieber mit Werbung im Free TV oder als Abonnent ohne Werbeunterbrechungen beim Pay-TV-Sender Sky verfolgen will. Dort wird ihm zudem noch eine zweite Kameraperspektive angeboten. Noch mehr Perspektiven und eine Re-Live-Funktion bietet die F1-TV-App, wobei die Formel 1 für die deutschen Zuschauer in diesem Jahr auf die Sky-Kommentare von Ralf Schumacher und Sascha Roos zurückgreift.

Das Engagement des Ex-Rennfahrers und Bruders von Michael Schumachers ist zugleich die wichtigste Änderung nach dem Neustart der Formel 1 bei Sky. Wer als weiterer Experte dazu stößt, soll erst nach dem Rennen in Australien bekannt gegeben werden. Sky-Sportchef Roman Steuer bestätigte dem Tagesspiegel, dass es sich ebenfalls um einen ehemaligen Fahrer handeln wird. „Sky ist es wichtig, auf die Expertise von Kollegen zugreifen zu können, die noch nicht so lange aus dem aktiven Renngeschehen heraus sind. Wir werden jetzt eine gute Mischung kriegen, gerade was die Erfahrung als erfolgreiche Formel 1-Fahrer betrifft. Darüber hinaus wird das europäische Sky Sport F1 Team mit insgesamt rund 50 Personen an den Rennstrecken vor Ort sein und unseren Zuschauern das beste Fernseherlebnis der Königsklasse des Motorsports bieten.“

Nennenswerte Abo-Kündigungen hatte es nach dem Sky-Ausstieg 2018 zwar nicht gegeben, aber in den Sky-Umfragen darüber, was den Kunden besonders fehlte, war die Formel 1 eines der Top-Themen. In der Rangfolge der beliebtesten Sportarten bei Sky liegt der Fußball wie zu erwarten vorn, aber auch die Formel 1 erfreut sich großen Zuspruchs, ähnlich wie Tennis, Handball oder Golf.

Nach wie vor die attraktivste Rennserie

„Für die vielen deutschen Motorsportfreunde ist die Formel 1 immer noch die mit Abstand attraktivste Serie, solange noch ein Deutscher mitfährt“, sagte Steuer. Für 2019 erwartet er eine spannende Saison: „Wenn Sebastians Vettels Auto hält, was die ersten Tests versprechen, könnte er stark in die neue Saison starten. Hinzu kommt der Kampf der starken Marken mit Ferrari, Mercedes und Alfa Romeo.“ Durch die Regeländerungen gebe es zudem mehr Überholvorgänge, es entscheide also nicht allein, wer den Start gewinnt und den besten Reifenwechsel hinbekommt.

Mit der Rückkehr zur Formel 1 hat sich Sky zunächst die Rechte für diese und die kommende Saison gesichert. Wie es danach weitergeht, darüber entscheidet auch, wie die kommende Rechteausschreibung ausschauen wird. „Aber jetzt freuen wir uns erst einmal auf die am Wochenende startende Saison.“

Das klingt bei RTL nicht viel anders: „Stand jetzt sind wir uns alle sicher, dass wir eine der spannendsten Saisons der letzten Jahre erleben werden. So eng waren die Topteams noch nie zusammen und das lässt hoffen“, meint RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer auf die Frage, mit welcher Quote der Sender nach dem Sky-Wiedereinstieg rechnet. Zuletzt lag RTL bei gut vier Millionen Zuschauern. „Alles, was on top ist, hängt ganz maßgeblich von der Spannungskurve der Rennen und des gesamten Saisonverlaufs ab.“ Die Werbekunden können sich auf „reichweitenstarke Platzierungen zu stabilen Preisen“, einstellen, so Bolhöfer.

RTL mit unverändertem Setting

Beim Setting für die neue Saison setzen die Kölner auf Bewährtes, inklusive der beiden Experten Nico Rosberg und Timo Glock. „RTL war, ist und bleibt – ob mit oder ohne Pay-TV-Konkurrenz – die erste Adresse für alle Motorsportfans. Wir vertrauen ganz in unser Top-Personal und das inhaltliche Erfolgskonzept. Das on air-Team ist mit seinem Mix aus Insider-Wissen, junger Ansprache und Erfahrung konkurrenzlos“, gibt sich RTL-Sprecher Bolhöfer selbstbewusst.

Die Formel 1 ist jedoch nicht nur bei RTL, Sky und F1 TV ein spannendes Thema: Die Netflix-Dokuserie „Drive to survive“ über die Formel-1-Saison 2018 hat gezeigt, dass die Geschehnisse in der Königsklasse des Motorsports auch anders erzählt werden können. Weniger ergebnisorientiert, dafür mehr auf die Dynamik zwischen den Fahrern in einem Team blickend. Oder mit Blick auf die finanziellen Ungleichgewichte zwischen den Teams. Könnte dies auch eine Option für etablierte Formel-1-Sender wie Sky sein? „Ideen dazu gibt es definitiv“, sagt Steuer, „aber derzeit konzentriert sich Sky vor allem auf die Sessions und die Rennen“. Im Laufe der Saison werde dann überlegt, was zusätzlich angeboten werden könne. „Konkret gibt es jedoch keine Planungen im Bereich Dokumentation.“ Spannende Themen wie die jungen Wilden unter den Fahrern und die Reglementänderungen wird es im regulären Programm aber immer geben.

RTL bleibt inhaltlich in der Vor- und Nachberichterstattung stets ganz nah dran an den Piloten und den Teams - „die Zuschauer sind unmittelbar vor dem Rennen mitten in der Startaufstellung“, verspricht der Sender. Zudem versuche man wir immer wieder, ungewöhnliche und auch unterhaltsame Zugänge zu abseitigen Themen zu bekommen, andere Erzählperspektiven einzunehmen und immer mal wieder komplizierte Technikthemen verständlich aufzubereiten. Nicht nur auf der Rennstrecke könnte es also spannend werden, wer das Rennen macht. Kurt Sagatz
„Formel 1 – Großer Preis von Australien“, 1. u. 2. Freies Training, Freitag ab zwei Uhr und ab sechs Uhr. Sky, n-tv, F1 TV, Qualifying, Samstag, Sky, RTL, F1 TV ab sieben Uhr, das Rennen startet am Sonntag um sechs Uhr bei Sky, RTL und F1 TV.

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