Gratis-Spiele für Abonnenten : Amazon wertet Prime-Abo auf

Erst Filme, Serien und Musik, nun Spiele. Amazon baut Abo-Dienst Prime weiter aus. Und verfolgt damit ein klares Ziel.

Amazon hat die Spiele-Plattform Twitch 2014 für fast eine Milliarde Dollar gekauft. Amazon-Prime-Kunden haben zugleich ein Konto bei Twitch Prime und erhalten darüber nun monatlich fünf Gratis-Spiele.
Amazon hat die Spiele-Plattform Twitch 2014 für fast eine Milliarde Dollar gekauft. Amazon-Prime-Kunden haben zugleich ein Konto...Screenshot: Tsp

Im Wettbewerb der Streamingdienste kämpft Amazon mit allen Mitteln, um seinen Abodienst Prime attraktiver zu machen. Die jüngste Neuerung dürfte besonders die Freunde von Computerspielen erfreuen. Sie erhalten nun jeden Monat fünf Games als Gratis-Zugabe. Als Abonnenten von Amazon Prime verfügen sie zugleich über ein Konto beim Spieledienst Twitch, der seit 2014 zu Amazon gehört. Zu den Games, die im März ohne Zusatzkosten angeboten werden, gehören das Mystery-Adventure „Oxenfree“ sowie das Echtzeitstrategiespiel „Shadow Tactis“, für das andernorts 40 Euro gezahlt werden muss. Anders als bei den über Amazon Prime angebotenen Filmen und Serien können die Spiele auch dann noch genutzt werden, wenn das Abo nicht mehr besteht.

Die Gratisspiele sind nicht die erste Aufwertung des Prime-Abos. Zum Gesamtpaket gehört zugleich Prime Music mit rund zwei Millionen Songs. Ein weiteres Extra ist Prime Photo. Prime-Abonnenten können darüber ihr komplettes Fotoarchiv in bester Auflösung in die Amazon-Cloud hochladen und von überall darauf zugreifen.
Die Kernstrategie von Amazon Prime zielt allerdings in eine andere Richtung, wie ein internes Dokument zeigt, aus dem Reuters zitiert.

Geheimes Strategiepapier geleaked

Das übergeordnete Ziel insbesondere von Prime Video besteht demnach darin, mittels attraktiver Filme und Serien möglichst viele Käufer für die Amazon-Shops zu generieren. Das geleakte Papier hat 19 Amazon-Originals untersucht, um Kosten, Zuschauerzahlen und die daraus resultierenden Amazon-Käufer in Relation zu setzen. Das Ergebnis: Gut ein Viertel der Anmeldungen beim Lieferdienst Prime basierte in den Jahren 2014 bis 2017 auf den von Amazon selbst produzierten Serien und Filmen.

Die Strategie scheint auch finanziell aufzugehen, zumindest mit Blick auf besonders erfolgreiche Serien wie „The Man In The High Castle“. Demnach gewann Amazon allein durch diese Serie, in der Nazi-Deutschland und Japan den Krieg gewannen und die USA unter sich aufteilten, rund 1,2 Millionen neue Prime-Abonnenten. Pro Neu-Abonnent entstanden dadurch Amazon Kosten von 63 Dollar, deutlich weniger als der jährliche Abo-Preis von 99 Dollar. Ob die Gratisspiele einen vergleichbaren Effekt haben, sei dahingestellt. Sie könnten jedoch ebenfalls helfen, die Abonnenten dauerhaft zu binden. Kurt Sagatz