Große RBB-Chronik Berlins : 30 Jahre Stadtgeschichte in Bildern

Der RBB schaut auf Berlins Schicksalsjahre. In 30 Folgen mit Spielfilmlänge wird ab heute an die Jahre 1961 bis 1990 erinnert. Auch das Radio macht mit.

Mit dem Jahr 1961 und dem Mauerbau beginnt die umfang- und abwechslungsreiche Chronik Berlins, das Jahr der Wiedervereinigung bildet den vorläufigen Schlusspunkt.
Mit dem Jahr 1961 und dem Mauerbau beginnt die umfang- und abwechslungsreiche Chronik Berlins, das Jahr der Wiedervereinigung...Foto: dpa

Es hatte ein paar Tage gedauert, bis der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer nach dem Bau der Mauer nach Berlin kam. Genauer gesagt schaute er sich erst neun Tage nach dem 13. August 1961 die Monstrosität am Brandenburger Tor an, zusammen mit Berlins Regierendem Bürgermeister Willy Brandt. Die ostdeutsche Seite hatte sich auf den Kanzlerbesuch vorbereitet und große Lautsprecher aufgebaut. „Wir haben gehandelt, wir waren so frei“, dröhnte es über die Sektorengrenze, „in diesem Sinne eine gute Heimfahrt, Herr Adenauer“. Anders als John F. Kennedys „Ich bin ein Berliner“ schlummerte diese Szene lange im Archiv. Dem Fernsehpublikum wird sie am Samstagabend präsentiert, wenn der Rundfunk Berlin-Brandenburg die große TV-Chronik „Berlin – Schicksalsjahr einer Stadt“ startet.

In 30 Folgen, jeweils anderthalb Stunden lang, dokumentiert der Sender die Geschichte der Stadt in den bewegten Jahren zwischen 1961 und 1990 zur besten Sendezeit. Politische Großereignisse werden ebenso ins Bild gerückt wie dagegen unwichtig erscheinende Begebenheiten. Über die Erhöhung der Schrippenpreise um einen Pfennig wurde 1961 ebenso berichtet wie über die „Busen-Berlinale“ mit Jayne Mansfield oder die Begeisterung der Berliner für Juri Gagarins Erdumkreisung, Täve Schurs Friedensfahrt oder den Ost-Schlager „Erster Kuss, erste Liebe“ von Bärbel Wachholz. Der Fundus an Material aus den Archiven der SFB-„Abendschau“ und des DDR-Fernsehens ist immens und reicht für 30 „Kessel Buntes“. Die Off-Kommentare werden von Katharina Thalbach gesprochen.

„Nach ,24 Stunden Berlin‘ setzt der RBB die Hauptstadt erneut in bisher ungekannter Form in Szene, diesmal nicht nur im Fernsehen, sondern auch im Radio. So fügen wir der Echtzeit-Dokumentation des vereinigten Berlins nun die Chronik der Teilung hinzu“, freut sich RBB-Intendantin Patricia Schlesinger. Das Inforadio begleitet die TV-Chronik mit 15-minütigen Folgen zur Berliner Geschichte dieser drei Jahrzehnte.

Bevor die Mammutaufgabe begonnen wurde, wurde zunächst über eine Pilotfolge getestet, ob die spielfilmlangen Chroniken auch in jenen Jahren ohne Mauerbau oder Studentenunruhen funktionieren. Autorin Gabriele Denecke wurde auf das Jahr 1973 angesetzt, das in Ost-Berlin von der neuen, vorübergehenden Freiheit im Zuge der Weltjugend-Festspiele geprägt war.

Eine Besonderheit der Chronik ist die Dramaturgie: „Wir gehen also nicht so vor, dass wir die verschiedenen historischen Ereignisse oder Themen bebildern, sondern wir schauen zuerst in das Material und erzählen das jeweilige Jahr jeweils aus den Bildern heraus. Insofern sind die ,Schicksalsjahre‘ Zeitgeschichte im Spiegel des Mediums Fernsehen“, erklärt Redaktionsleiter Johannes Unger.

Etwas mehr West als Ost im Bild

Beim Material gibt es ein leichtes Übergewicht West. Im Gegensatz zur „Abendschau“ hatte das DDR-Fernsehen keine eigene Sendung für die Lokalberichterstattung. Bei den Zeitzeugen hingegen – je Folge gibt es zwischen acht und zehn – ist das Verhältnis ausgewogen, mitunter kommt sogar ein Protagonist mit ostdeutscher Biografie mehr zu Wort. Bei den Zeitzeugen handelt es sich nicht nur um bekannte Berliner Fernsehgesichter wie der ehemalige „Abenschau“-Moderator Alexander Kulpok, überwiegend sind es ganz normale Berliner, die von ihren Erlebnissen berichten, zu denen Republikflucht ebenso gehört wie Twist-Tanzen in einem Rolf-Eden-Lokal.

Doch wie geht man mit der ideologischen Einfärbung der Berichte um, die es sowohl in Ost und West gab? Die Beiträge wurden im Original belassen, mitsamt der typischen Diktion, wenn beispielsweise Karl-Eduard von Schnitzler den Bau der Mau als „unsensationelle Maßnahme“ bezeichnet und den Grenzgängern Richtung West empfiehlt, sich nun eine „anständige Arbeit“ zu suchen. Zur Einordnung wird Schnitzlers Funktion als Chefkommentator des DDR-Fernsehens erwähnt. Aber auch Matthias Walden und Sebastian Haffner hatten ihre (West-)Positionen.

Wenn am Sonnabend die erste Episode ausgestrahlt wird, läuft die Arbeit an den übrigen Folgen weiter: Bei den 1960er Jahren wird am Feinschliff gearbeitet, die Hauptarbeit liegt jedoch aktuell bei den 70er Jahren. Die Redaktion könnte sich weitere zehn Folgen vorstellen, die dann die Jahre 1990 bis 1999 umfassen. Darüber entscheidet nicht zuletzt, wie gut die Zuschauer die 30 ersten Folgen annehmen.

Mehr zum Thema

„Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt“, RBB-Fernsehen, ab Samstag, jeweils 20 Uhr 15, sowie im Inforadio. Sämtliche Beiträge werden zudem in die Sender-Mediathek gestellt.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar