Huber schaltet sich ein : Die Talkshows, einfach abschaffen

Erst die "Goldene Kartoffel", jetzt die Forderung, die Talks abzuschaffen, weil sie die Demokratie gefährden. Was nicht stimmt. Ein Kommentar.

Und wieder wird am Sonntag bei Anne Will (Mitte) getalkt. Und zwar darüber, ob CDU und SPD noch wissen, wo sie hinwollen.
Und wieder wird am Sonntag bei Anne Will (Mitte) getalkt. Und zwar darüber, ob CDU und SPD noch wissen, wo sie hinwollen.Foto: ARD

Erst bekommen die vier politischen Talkshows in ARD und ZDF die „Goldene Kartoffel 2019“ verliehen, weil „hier Rassismus behandelt wird wie jeder andere Standpunkt auch“. Und am Freitag langt die „Welt“-Autorin Cigdem Toprak richtig hin: „Schafft die Talkshows ab!“ Sie würden „unser Miteinander vergiften und die Demokratie gefährden, weil sie nur noch zu Extremen neigen“, heißt es in dem „Plädoyer dafür, ein gefährliches Fernsehformat zu beenden“.

Nicht die Talkshow ist gefährlich, diese Einlassungen und Forderungen sind brandgefährlich. Es ist, zunächst, bequem, etwas wie diese Art Fernsehen abschaffen zu wollen, wenn es einem nicht gefällt. Fernsehen ist ein Angebot für viele Millionen, da ist der Geschmack des Einzelnen nur das Urteil eines Einzelnen. Man/frau muss schon ertragen, was andere nur zu gerne ertragen wollen.
Treiben die Talkshows die Menschen auseinander, befördern sie das Auseinanderfallen der Gesellschaft? Gesprächsfernsehen ist keine Konsensveranstaltung. Strittige Themen, gegenteilige Positionen müssen auf den Tisch, eine Überzeugung sich an der anderen reiben – nichts verkehrter, als wenn Konflikte beschwichtigt, ja beschwiegen werden. Und allemal besser fürs gesellschaftliche Klima, wenn im Studio die verbale Auseinandersetzung gesucht wird, als vor der Studiotür die gewalthaltige. Die Talkshow ist ein telegener Akt der Zivilgesellschaft.

Wozu dann Fernsehen?

Soll man keiner glauben, er würde über andere Fernsehformate schlüssiger erfahren, was er hier erfährt. Gewiss kann eine Dokumentation, sofern gelungen, über ein Thema tiefgründiger informieren, zugleich ist das Studiogespräch in diesem personalisierten Für und Wider, ja selbst auf dem Sowohl-als-auch-Niveau ein direkter Transport der Problematik ins Publikum – und eine Aufforderung, eigenes Wissen und eigene Überzeugungen stante pede zu überprüfen.
Die politischen Talkshows sind nicht das Forum der Extremen und nicht der Sieg des Populismus, sie sind ein Abbild der Gesellschaft, die zu Teilen auch extrem und populistisch ist. Wenn darüber nicht im Fernsehen geredet und gestritten werden kann, wozu dann Fernsehen?