Intendantenwahl beim SWR : Spannung in Südwest

Die Gremien des Südwestrundfunks wollen am Donnerstag eine neue Senderspitze wählen - Stefanie Schneider oder Kai Gniffke.

Stefanie Schneider ist Landessenderdirektorin Baden-Württemberg beim Südwestrundfunk.
Stefanie Schneider ist Landessenderdirektorin Baden-Württemberg beim Südwestrundfunk.Foto: SWR/Monika Maier

Das Faktum muss immer wieder in Erinnerung gerufen werden. Der Südwestrundfunk (SWR) ist nach dem WDR die zweitgrößte ARD-Anstalt, größer als der Norddeutsche oder der Bayerische Rundfunk. Aber der SWR macht davon wenig Aufhebens, was auch dem Naturell des scheidenden Intendanten Peter Boudgoust widerspräche. Alles andere als ein Lautprecher, hat er die Zweiländeranstalt für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in den Jahren seiner Intendanz seit 2007 mit Umsicht wie Weitsicht geführt.

Mit dieser seriösen „Langeweile“ im Sender war es an dem Tag vorbei, als der 64-jährige Boudgoust im Dezember 2018 ankündigte, seinen Posten Mitte 2019 vorzeitig aufzugeben. Eine Arbeitsgruppe aus dem Wahlgremium von Rundfunk- und Verwaltungsrat hatte die breite Schar der Bewerberinnen und Bewerber, darunter NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz oder der Leiter der SWR-Abteilung Multimediale Aktivität, Clemens Bratzler, auf zwei Namen heruntergedimmt: Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, und SWR-Landessenderdirektorin Stefanie Schneider stellen sich am Donnerstag den 90 Mitgliedern der beiden Aufsichtsgremien vor.

Beobachter des Senders halten es für möglich, dass die Kritiker der kurzen Bewerberliste – so hatte der Boudgoust-Vorgänger Peter Voß das Wahlverfahren als „ein Armutszeugnis für die Gremien des Senders“ bezeichnet – das vorgeschriebene Procedere als Hebel für eine Neukonfiguration nutzen könnten. Am Donnerstag sind laut SWR-Staatsvertrag nur zwei Wahlgänge möglich; dazu kommt, dass ein Kandidat außer der Mehrheit im Wahlgremium auch die Hälfte der Stimmen jeweils aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz braucht. Wenn diese Voraussetzungen bei der Wahl nicht erfüllt werden, können der Rundfunk- und der Verwaltungsrat der Ferien wegen erst am 27. September einen neuen Anlauf nehmen. Diese Aussicht gilt als unbeliebt. Bei diesem dritten Wahlgang reichen dann ein Drittel der Stimmen aus jedem Land. Noch-Intendant Boudgoust hat zugesagt, bis zur Wahl im Amt bleiben zu wollen.

Kai Gniffke arbeitet als Chefredakteur ARD-aktuell in Hamburg, wo "Tagesschau" und "Tagesthemen" produziert werden.
Kai Gniffke arbeitet als Chefredakteur ARD-aktuell in Hamburg, wo "Tagesschau" und "Tagesthemen" produziert werden.Foto: SWR/NDR/Sker Freist

Die Wahlfrauen und -männer haben am Donnerstag eine echte Alternative. Stefanie Schneider, 57, ist ein SWR-„Gewächs“. Geboren 1961 in Sindelfingen, begann sie 1991 im Landesstudio Tübingen des damaligen Südwestfunks zu arbeiten (der Südwestrundfunk entstand 1998 durch die Fusion von SWF und Süddeutschem Rundfunk). Schneiders Arbeitsmotto „Unser Thema ist Baden-Württemberg in allen Facetten“ ist durch die verschiedenen Karrierestationen im SWR beglaubigt.

Es ist aber eine Spekulation, dass die SWR-Intendantenwahl entlang der Heimatschiene entschieden wird. Auch Kai Gniffke begann seine Laufbahn im öffentlich-rechtlichen Südwestrundfunk. Für den 58-jährigen Journalisten spricht, dass er als Chefredakteur von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ nicht nur mit allen ARD-Wassern gewaschen, sondern eine bekannte Größe bei den Rundfunk-Entscheidern allüberall ist. Mit Gniffke wäre der SWR auf der Deutschlandkarte.

Das Rennen zwischen Kai Gniffke und Stefanie Schneider gilt als offen. Gniffke ist SPD-Mitglied, Schneider steht dem Vernehmen nach den Grünen nahe. Ob das einem der beiden Bewerber hilft? Die Spitzenwahl im SWR gilt als nicht parteipolitisch geprägt, auch sind mit den Kandidaten keine Personalpakete verknüpft.

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