Es gibt ein paar einfache Dinge, die wir ändern können

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Internet und Großunternehmen : Kommt zurück in die Blogs!

Ich trete an dieser Stelle mal kurz auf die Bremse und gebe zu, dass ich fast alle der genannten Dienste aus dem gleichen Grund wie die meisten anderen nutze: Ich bin faul. Einen Gedanken per Twitter via Smartphone zu verschicken dauert nur Sekunden, ein Eintrag auf meinem Blog „Spreeblick“ würde mich mindestens einige Minuten kosten, denn ein gut funktionierender mobiler Zugriff auf WordPress ist mir nicht bekannt. Ich mag es, in den Kommentaren bei Facebook nachsehen zu können, wer hinter einem klugen Satz steht. Und Instagram und Pinterest machen mir einfach Spaß. Trotzdem ärgert es mich, dass das Web immer mehr in die Hände von wenigen Unternehmern gerät – und damit deren Willkür ausgesetzt wird.

Wenn ich früher einen Artikel wie diesen hier auf Spreeblick veröffentlichte, stießen nach und nach ein paar andere Blogger darauf, verlinkten ihn vielleicht, und im besten Fall gab es eine Diskussion, die man auch Jahre später noch nachlesen konnte, direkt unter dem Artikel. Veröffentliche ich heute etwas, stoßen die meisten Leserinnen und Leser erst dann darauf, wenn ich den Link per Twitter und Facebook weitergebe, wo der Inhalt auch oft diskutiert wird. Die Debatte aber – die Kommentare zu einem Artikel und meine Antworten darauf – teilt sich auf die diversen Kanäle auf, sie zerfasert und verschwindet schnell im Nirwana der sozialen Netzwerke. Noch schlimmer: Wenn auf einen Tweet verschiedene interessante Antworten folgen, sind diese nach kurzer Zeit verloren, eine Dokumentation ist beinahe unmöglich. Und das ist Mist.

Das Web sammelt Wissen und dokumentiert Menschheitskultur. Es ist für jeden zugänglich, der einen Internetanschluss hat. Wenn dieses Wissen und diese Dokumentation jedoch immer mehr hinter verschlossenen Türen stattfindet, in Räumen, die von wenigen kontrolliert werden, die nur diejenigen eintreten lassen, die zunächst ihre Daten hinterlassen und ihre Rechte abgeben, dann wird das Web verkümmern. Es wird zu einem obskuren Nerd-Spielplatz werden oder ganz sterben.

Es lässt sich jedoch eine Menge tun, um das zu verhindern. Wir können (und das geht zuallererst an mich selbst) wieder mehr bloggen, auch wenn es sich nur um einen kleinen Link handelt, den man postet. Wir können (und auch das geht zuallererst an mich selbst) wieder mehr Blogs verlinken und wieder mehr auf Blogs kommentieren. Und wir können (und das geht zuallererst an diejenigen, die programmieren können) uns kommerzielle Dienste ansehen und von ihnen lernen: mobile Apps, die uns die Arbeit erleichtern; Blog-Designs, die klar verständlich auch für Erstbesucher sind; Tools, welche die Vernetzung unter Blogs weiter verbessern; Werkzeuge zum Abonnieren von Blogs, die keine Auseinandersetzung mit RSS-Readern brauchen (Mail-Abos zum Beispiel dürften für die meisten Nutzer einfacher sein); vielleicht sogar Bewertungssysteme ähnlich dem „Like-Button“, die systemübergreifend funktionieren. Mir und den Leserinnen und Lesern dieser Zeilen fällt sicher noch viel mehr ein, das man tun könnte, um das offene und nicht von Großunternehmen bestimmte Web weiter voranzutreiben.

Johnny Haeusler betreibt das Blog „Spreeblick“. Dort ist auch dieser Text zuerst erschienen. Er ist Mitorganisator der Web-2.0-Konferenz „Republica“. Er lebt in Berlin.

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