Interview mit Laura Karasek : „Es gibt da so viele Vorurteile“

Laura Karasek über prominente Väter, ihre neue Talkshow, schlagende Argumente und die Zeit ohne Böhmermann.

Marlene Dietrich am Telefon. Laura Karasek, 37, Tochter des 2015 verstorbenen Literatur- und Kinokritikers Hellmuth Karasek. Jura-Studium, Arbeit als Rechtsanwältin. Mit dem Liebesroman „Verspielte Jahre“ 2012 Debüt als Schriftstellerin. Heute startet ihr Talk „Zart am Limit“ (ZDFneo, 22 Uhr 15), am Dienstag das Format „7 Töchter“ (Vox, 20 Uhr 15).Foto: ZDF
Marlene Dietrich am Telefon. Laura Karasek, 37, Tochter des 2015 verstorbenen Literatur- und Kinokritikers Hellmuth Karasek....Foto: ZDF und Klaus Weddig

Frau Karasek, zunächst zur Klärung: Ihre Talkshow „Zart am Limit“, die am Donnerstag startet, wurde als Sommervertretung vom „Neo Magazin Royale“ angekündigt. Nun habe ich gehört, das könnte doch mehr werden.

Ich bin jedenfalls nicht der „Ersatz“ von Jan Böhmermann. Im Herbst 2018 hatte ich einen Piloten gedreht. Dass das dann als Staffel auf den Böhmermann-Platz geht, war nicht klar. Aber besser so, als wenn „Zart am Limit“ am Donnerstagvormittag läuft. Es sind jetzt erst mal sechs Folgen geplant.

Noch eine Unterhaltungs-Talkshow also. Was wollen Sie denn anders machen als Lanz, Böhmermann, Bauerfeind, Böttinger, Hayali & Co.?
Ach, man fragt ja auch nicht: Warum schreiben Sie noch ein Buch, es gibt ja schon welche? Das ist kein schlagendes Argument.

Versuchen wir’s anders: Wenn ich zu Ihnen in die Show komme, erwartet mich da eher der gepflegte Gesprächsansatz à la Lanz oder die Provokation à la Böhmermann?
Ich sehe mich da genau in der Mitte, bin quasi der Lanzermann. Wir werden mehr Bar-Atmosphäre haben, Richtung „Inas Nacht“. Trinken, Spiele spielen, reden. Es soll um das gehen, was mich und meine Generation wirklich beschäftigt. Das geht los mit dem unerfüllten Kinderwunsch, den Themen Sexismus, moderner Feminismus, Nacktheit im Internet. Oder mit der Frage: Wie krank macht Social Media?

Wer antwortet denn darauf?
Experten, Wissenschaftler, auch Leute mit Geschichten. Eben nicht nur Promis, wobei ich nichts gegen einen Harald Schmidt, Michel Houellebecq oder Hape Kerkeling hätte. Wir haben schon den Anspruch, dass das nicht nur reines Entertainment wird.

Eine Show-Idee von Laura Karasek?
Im Grunde ja. Ich war bei der Entwicklung immer involviert. Hätte ich allerdings gewusst, wie viele Leute bei so einer TV-Produktion mitreden … Das ist ja wie bei Gerichtsverfahren.

Damit kennen Sie sich ja aus, dazu gleich mehr. Der Juli wird ein Laura-Karasek-Monat im Fernsehen. Am kommenden Dienstag startet ein zweites Format mit Ihnen als Gastgeberin, bei Vox: „7 Töchter“.
Das Ding ist schon fertig und wirklich schön geworden, berührend. Über Töchter prominenter Väter, da gibt es so viele Vorurteile. Carolin Bosbach oder Lilith Becker erzählen bei mir in der Sendung, wie es wirklich ist, illustre Namen. Ich bin damit ja auch aufgewachsen, mit diesen Vorhaltungen: „Du hast das ja nur, weil …“ Das steckt einen sofort in eine Schublade, in die man vielleicht gar nicht hinein möchte.

Ihr Vater Hellmuth Karasek, Literaturkritiker, zusammen mit Marcel Reich-Ranicki TV-Literatur-Papst im „Literarischen Quartett“.
Genau. Wie finden Sie denn das neue „Literarische Quartett“?

Ganz gut, unterhaltsam, auch klug, ohne an die Fulminanz der Alphatiere Karasek und Reich-Ranicki heranzureichen. Gefällt es Ihnen?
Ich muss das noch schauen, habe mich erst mal gefreut, dass das Format noch existiert. Das „Literarische Quartett“ war ja sehr geprägt durch diese beiden Köpfe. Ich kann es mir anders gar nicht vorstellen. Meine Mutter schaut es ab und zu und hat es mir ans Herz gelegt. Ich weiß noch, bei der allerersten Sendung 2015 war mein Vater eingeladen, ein Stuhl wurde für ihn freigehalten. Da lag er schon im Sterben.

War der Name Karasek jemals ein Problem für Sie, beruflich oder privat?
Problem nicht, ich habe ihn ja sehr geliebt. Gut, er war manchmal auch zu laut, aber ich fand meinen Papa toll. Die rosarote Brille: dein Vater, the one and only. Ich habe mich in meiner Jugend mit anderen Jungs gelangweilt, fand’s zu Hause spannender. Nur: Die Vergötterung, die ich von meinem Vater erfuhr, hatte mit der Realität draußen leider nichts zu tun.

Das dürfte aber auch Töchtern nicht-prominenter Väter so ergehen.
Natürlich hat mir der Name genützt. Es war ja auch schön als Teenie, meinen Vater beim Echo oder Bambi begleiten zu können. Ich habe ihn benutzt, um Take That kennenzulernen. Oder Benjamin von Stuckrad-Barre, der bei uns zu Hause auf dem Sofa saß. Oder Billy Wilder. Unvergleichliche Momente. Das habe ich als Kind ja gar nicht gecheckt, Marlene Dietrich am Telefon zu haben.

Aber irgendwie abgegrenzt haben Sie sich von Ihrem Vater später doch. Und erst mal Jura studiert.
Und sechs Jahre als Anwältin in einer Kanzlei gearbeitet. Ich wusste, da bin ich eine Nummer auf dem Staatsexamen. Da steht weder, dass ich eine Frau und blond bin, noch dass ich Karasek heiße. Das war für mich ein Test, ob ich's auch so schaffe. Ich glaube, den habe ich bestanden. Ich wollte mir selbst vielleicht auch etwas beweisen. Man weiß ja nie, wem man eigentlich etwas beweisen will …

Um dann 2018 komplett in den Medien zu landen: Romane, Magazin-Kolumnen, nun die TV-Formate.
Das musste wohl so kommen. Jetzt spiegelt sich in meinem Berufsleben, was mir meine Eltern vorgelebt haben. Aber wissen Sie, das wirft man einem Zahnarztsohn ja auch nicht vor. Und das Thema lässt mich nicht los: In meinem nächsten Roman, der im Herbst erscheint, geht es um Väter und Töchter. Ich hätte mal Riesenlust, darüber eine Fernsehserie zu schreiben.

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Denken Sie heute manchmal bei Entscheidungen, was wohl Papa jetzt dazu sagen würde?
Ja. Ich bin nicht gläubig, leider, habe als Vierjährige schon viel über den Tod nachgedacht. Aber ich gucke schon öfters in den Himmel und frage ihn, ob ihm das gefällt, was ich mache. Ob er stolz ist. Dann tröstet mich mein Lieblingssatz von Woody Allen: Ich habe keine Angst vor dem Sterben, ich möchte nur nicht dabei sein, wenn's passiert. Die Vorstellung, unsterblich zu sein, ist grauenvoll. Aber klar, ich vermisse ihn, seinen Rat, auch die Möglichkeit, ihm seine Enkelkinder zu zeigen. Ich rufe jeden Tag bei meiner Mutter an, und wir reden über ihn.

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