Jan Böhmermann twittert über Hitler-Attentäter : A-Note für Elser, B-Note für Stauffenberg

Wahnsinn, Böhmermann! "Stauffenberg wollte Hitler umbringen, weil er keinen Erfolg hatte". Ein Kommentar.

Georg Elser verübte am 8. November 1939 einen Sprengstoffanschlag auf Adolf Hitler. Der Anschlag scheiterte, weil Hitler wenige Minuten vor der Detonation den Bürgerbräukeller in München verließ.
Georg Elser verübte am 8. November 1939 einen Sprengstoffanschlag auf Adolf Hitler. Der Anschlag scheiterte, weil Hitler wenige...Foto: dpa

Am 8. November 1939 explodierte im Münchner Bürgerbräukeller eine Bombe, die der Schreinergeselle Georg Elser in einer Säule versteckt hatte. Die Bombe sollte Adolf Hitler töten - das Attentat misslang. Elser wurde am 9. April 1945 im KZ Dachau erschossen.

Am 20. Juli 1944 deponierte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg in der Wolfsschanze eine Bombe neben Adolf Hitler - das Attentat misslang. Stauffenberg wurde am 20. oder 21. Juli im Hof des Berliner Bendlerblocks erschossen.

Jan Böhmermann twitterte am 5. November: "Georg Elser wollte Hitler umbringen, damit er keinen Erfolg hat."

"Stauffenberg wollte Hitler umbringen, weil er keinen Erfolg hatte."

Böhmermann erstellt damit eine Rangliste der Hitler-Attentäter, vornweg der hellsichtige Elser, der den späteren Massenmörder Hitler verhindern wollte. Dahinter Stauffenberg, der erst zur Tat schritt, als der Massenmörder Hitler seinen Massenmord nicht vollendet hatte.

Ein Tweet ist ein Tweet ist ein Tweet, immer eine Verkürzung, und in seinen besten Erscheinungen der schnellste Weg zu Wahrheit. Das weiß Böhmermann, das kann er auch - aber er kann es nicht immer.

Böse Verunglimpfung

Dieser Tweet ist eine böse Verunglimpfung, eine sehr freche Unterstellung. Er macht aus einem Hitler-Attentäter einen bloßen Gefolgsmann, der seinen Chef umbringen wollte, weil der seine Geschäftsziele nicht erreichen konnte und damit auch den Ehrgeiz seines Gefolgsmanns enttäuschte. Das klingt nach einem misslungenen Vorabendkrimi, ist aber viel ernster gemeint. Böhmermann äußert - nicht zum ersten Mal - Gratismut.

Mögen die Motive der beiden Attentäter wie auch ihre Biographien unterschiedlich gewesen sein, trotzdem wollten sie beide Hitler töten und die NS-Diktatur beenden. Beide sind sie für ihre Courage und ihren Mut umgebracht worden. Mehr Einsatz von Menschen für Menschen war und ist nicht möglich.

Da kann es nur eine Reaktion geben: Respekt. Man sollte ihren Widerstand wie jeden Widerstand aller Widerständigen gegen Hitler ausnahmslos und gleich honorieren. Die A-Helden, die B-Helden, die C-Helden? Den Stauffenberg diskreditieren, um Elser zu erhöhen? Wie absurd ist das denn, einen Widerstand gegen einen anderen auszuspielen?

Natürlich kann, muss es eine differenzierte Betrachtung geben, um die Breite und die Tiefe des sehr unterschiedlichen Einsatzes des eigenen Lebens würdigen zu können. Das aber braucht Vertiefung und keinen stillosen, überflüssigen Tweet, der deutsche Geschichte zum provokativen Graffiti komprimieren will. Simplifizieren hängt eng mit Simpel/simpel zusammen.

Beide, Elser und Stauffenberg, wollten Hitler töten, damit Hitler keinen Erfolg hat. So müsste der Tweet lauten, wenn es überhaupt einen solchen Tweet überhaupt geben müsste.