JIM-Studie : Wie Jugendliche Medien nutzen

Spotify überholt unter den Teenagern das Radio und WhatsApp schlägt Facebook. Eine Studie zeigt, wie junge Menschen mit Internet, Büchern und Fernsehen umgehen.

Besucher der Elektronikmesse IFA erkunden mit 360-Grad-Brillen virtuelle Welten.
Besucher der Elektronikmesse IFA erkunden mit 360-Grad-Brillen virtuelle Welten.Foto: picture alliance/Maurizio Gambarini

Nur noch 15 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren in Deutschland nutzen aktuell Facebook. Im Vergleich zu 2017 sank die Nutzung noch einmal um zehn Prozentpunkte, heißt es in der Studie „Jugend, Information, Medien“ (JIM) des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (MPFS). Spitzenreiter bei der Internetkommunikation ist mit 95 Prozent weiter WhatsApp – im Schnitt erhalten die Jugendlichen 36 Nachrichten pro Tag. Der Anteil der Jugendlichen, die Instagram regelmäßig nutzen, stieg auf 67 Prozent – ein Plus um zehn Prozentpunkte, Snapchat legte von 49 auf 54 Prozent zu.

Bei der Information setzen die Jugendlichen der Umfrage zufolge auf traditionelle Angebote. Ganz oben im Ranking vertrauenswürdiger Medien finden sich „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ der ARD. Es folgen regionale Tageszeitungen und öffentlich-rechtliches Radio. „Bild“ bildet mit 15 Prozent sowohl im Print- als auch im Online-Sektor das Schlusslicht.

Etwas – und überraschend – zurückgegangen ist die Internet-Nutzung: An einem durchschnittlichen Wochentag sind Jugendliche nach eigenen Angaben 214 Minuten online – 2017 waren es 221 Minuten. Kommunikation nimmt mit 35 Prozent den größten Teil der Onlinenutzung in Anspruch, Unterhaltung folgt mit 31 Prozent knapp dahinter.

Hassbotschaften aus dem Netz

Ein knappes Viertel der Nutzungszeit entfällt auf Spiele und zehn Prozent werden auf den Bereich Informationen verwendet. Während Jungen ein Drittel der Nutzungszeit spielen, beträgt dieser Anteil bei Mädchen nur zehn Prozent. Mädchen verbringen dafür einen deutlich größeren Teil ihrer Online-Nutzung mit Kommunikation (41 Prozent) als Jungen (30 Prozent). Auch bei der Unterhaltung – Musik, Videos, Bilder – liegen die Mädchen mit 37 Prozent versus 27 Prozent vorne.

Jeder fünfte Befragte sagt, dass ihm oder ihr schon „häufig“ Hassbotschaften begegnet sind. 17 Prozent sagen, sie erlebten gelegentlich Feindseligkeiten im Netz, 28 Prozent passiert dies selten. Nur gut ein Drittel ist bisher noch nie mit Hass im Netz konfrontiert worden. Jungen kommen damit tendenziell eher in Kontakt, zudem steigt mit dem Alter der Jugendlichen die Wahrscheinlichkeit an, mit Hasskommentaren konfrontiert zu werden.

Der Siegeszug der Streamingdienste setzt sich bei den Jugendlichen fort. Die Hälfte der Zwölf- bis 19-Jährigen schaut regelmäßig Sendungen, Serien und Filme bei Netflix (47 Prozent), jeder Fünfte nutzt Amazon Prime Video (22 Prozent). Damit hat sich der Anteil regelmäßiger Netflix-Nutzer im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt (2017: 26 Prozent). Weiterer Gewinner bei den Jugendlichen ist Spotify, erstmals verzeichnet der Streamingdienst einen höheren Anteil regelmäßiger Nutzer als das Musikhören live im Radio.

Das Buch bleibt

Ähnlich wie 2017 liegt der Anteil der Bücher-Leser bei 39 Prozent. Jedes zweite Mädchen, aber nur jeder dritte Junge nutzt das Medium regelmäßig. Mit 16 Prozent ist jeder Sechste unter den Zwölf- bis 19-Jährigen ein Nichtleser. E-Books haben sich mit sieben Prozent nach wie vor nicht durchgesetzt.

97 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen haben laut aktueller JIM-Studie ein Smartphone, gut zwei Drittel besitzen einen eigenen Computer oder Laptop, jeder Vierte ein eigenes Tablet. Auch 2018 hat die Hälfte der Zwölf- bis 19-Jährigen ein eigenes Fernsehgerät. Allerdings haben sich die Nutzungsformen dieses Mediums weiter ausdifferenziert, passiert die Fernsehnutzung doch stärker denn je per Online-Stream. Knapp die Hälfte der Jugendlichen nutzt Fernsehsendungen noch zum Zeitpunkt ihrer Ausstrahlung. 60 Prozent sehen mindestens mehrmals pro Woche Videos bei YouTube.

Die Studie illustriert, wie sich Jugendliche einerseits neue Techniken und Angebote schnell aneignen und in ihren Alltag integrieren, andererseits gewisse Nutzungsmuster sehr stabil bleiben. Sehr deutlich wird dies beim Lesen von Büchern, was sich über die 20 Jahre kaum geändert hat. Auch die Fernsehnutzung ist über die vergangenen beiden Jahrzehnte enorm stabil. Obwohl das Internet sehr schnell an Relevanz und Alltäglichkeit bei Jugendlichen gewonnen hat, werden Fernsehinhalte weiter zu 90 Prozent genutzt.

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