Journalistenverband : Medien nennen ausländische Tatverdächtige sehr viel häufiger als deutsche

Der Thüringer DJV-Verband widerspricht dem Vorwurf von Rechtspopulisten, Medien würden die Nationalität systematisch verschweigen.

Ist ein Tatverdächtiger nichtdeutscher Herkunft, wird sein Namen in deutschen Medien häufiger genannt.
Ist ein Tatverdächtiger nichtdeutscher Herkunft, wird sein Namen in deutschen Medien häufiger genannt.Foto: dpa

Einen sorgsamen Umgang mit der Nationalität mutmaßlicher Gewalttäter hat der Thüringer Landesverband des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) angemahnt. Der von Rechtspopulisten erhobene Vorwurf, die Medien würden die Nationalität systematisch verschweigen, sei völlig haltlos, sagte Landesgeschäftsführer Sebastian Scholz am Mittwoch in Erfurt.

Er bezog sich auf die Ergebnisse einer Studie des Hamburger Medienwissenschaftlers Thomas Hestermann. Danach werde die Herkunft von mutmaßlichen Tätern in deutschen Medien meist nur in den Fällen hervorgehoben, wenn sie Ausländer sind.

Ausländische Tatverdächtige sehr viel häufiger erwähnt

Laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2018 seien rund 69 Prozent der Tatverdächtigen bei Gewaltdelikten Deutsche und etwa 31 Prozent Nichtdeutsche gewesen. Bei einer Untersuchung von Fernsehberichten 2019 habe Hestermann analysiert, dass nur drei Prozent aller Tatverdächtigen als Deutsche erkennbar gewesen seien, hingegen 28 Prozent als Nichtdeutsche.

In den Zeitungen stellte sich das Missverhältnis laut DJV-Geschäftsführer Scholz noch deutlicher dar. Nur 2,9 Prozent der Tatverdächtigen hätten als Deutsche erkannt werden können, dagegen über 41 Prozent als Nichtdeutsche.

Damit würden ausländische Tatverdächtige 2019 sehr viel häufiger erwähnt, als es ihrem statistischen Anteil entsprechen würde.

Auch die Nennung der Nationalität etwa durch die Polizei entbinde die Journalisten nicht von ihrer Verantwortung. Die Studie zeige: „Egal, wie sehr man meint, den Forderungen von Populisten entgegenkommen zu müssen - letztendlich werden diese dennoch nicht von ihren ungerechtfertigten Vorwürfen abrücken.“ (mit epd)

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