Tiere, bizarrer Sex, schweres Schicksal

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Jürgen Domian : Diese nimmermüde Nachtgestalt

Domian erklärt, er könne schon nach fünf bis zehn Sekunden, allein aufgrund der Stimme, einschätzen, ob das Gespräch funktionieren werde. Hat er sich auch den Tod beim Schreiben vorgestellt? „Nein“, sagt er, „das war ein tiefer innerer Monolog.“ Das Schreiben sei ihm leicht gefallen, „weil ich mich auf meiner spirituellen Suche sehr viel mit interreligiöser Mystik beschäftigt habe, mit Meister Eckhart, Teresa von Avila, auch mit islamischer Mystik und immer wieder mit ZenBuddhismus“. Die Haltung des Todes sei eine Zusammenfassung dessen. Der Tod, wie ihn sich Jürgen Domian vorstellt, spricht eine einfache, klare Sprache, kein Esoterik-Gestammel. „Weißt du wirklich alles?“, fragt ihn Domian. „Oh nein, ich bin doch nur der Tod“, sagt der. Dabei hat er schon knapp 100 Seiten zuvor klargestellt: „Ich zweifele nie – und ich irre nie.“

1:12 Uhr: Zur Abwechslung mal was Leichtes. Jörg, 33, von der Rehkitz-Hilfe päppelt eine Ricke auf und ist bereits das zweite Mal auf Sendung. Die Hörer haben eine Liste mit Namensvorschlägen zusammengestellt. Leider hat Jörg mit „Marlene“ dann doch einen eigenen Namen ausgewählt, sehr zur Enttäuschung von Realisator Christian Barth, der „Rehhagel“ sehr schön findet. Hier, im Schutz von Nacht und Anonymität, prallen Extreme aufeinander. Tiere, bizarrer Sex, schweres Schicksal, ein Mann, der sich aus Lust wie ein Hund halten lässt, und eine Mutter, deren Kind stirbt – alles in einer Sendung. Dass das Publikum das akzeptiert, findet sogar Domian „sonderbar“.

In seinem Buch berichtet er auch von seinen eigenen Erfahrungen mit dem Tod. Als der Vater starb, waren Jürgen Domian und seine Mutter dabei. Domian schreibt: „Es war die existenziellste Erfahrung meines bisherigen Lebens.“ Er befürwortet die Legalisierung der Sterbehilfe – und trat mit dieser Forderung auch in verschiedenen Talkshows auf. „Weil ich so viele Dinge für mich ausformuliert habe“, sei die Angst vor dem Tod geringer geworden, sagt Domian. Aber die Angst vor dem Sterben ist geblieben. „Alles, was ich sage, ist ein Plädoyer für das Selbstbestimmungsrecht des mündigen Patienten.“ Plant er auch das eigene Begräbnis? „Nein, das ist mir fremd“, sagt Domian.

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