Wie Sony seinen Nutzern Spionagesoftware auf die Computer schmuggelte

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Kampf um das Urheberrecht : Computer werden zu Haushaltsgeräten degradiert
Cory Doctorow

Ich habe einen Freund, der einmal als leitender Manager bei einem großen Konsumgüterkonzern gearbeitet hat. Die Ingenieure wollten ein Waschmittel herstellen, das die Kleidung jedes Mal ein bisschen neuer aussehen ließe. Nachdem sie vergeblich versucht hatten, diese Idee der Marketingabteilung zu verklickern, fanden sie eine andere „Lösung“. Sie entwickelten ein Waschmittel, das Enzyme enthielt, so dass die Kleidung nach jedem Waschen älter aussah. Am Ende muss man sich neue Kleidung kaufen, weil die alte auseinanderfällt.

Heute ist es ähnlich. Die Marketingabteilungen sagen den Ingenieuren: Wir brauchen keine Computer, wir brauchen eher so etwas wie Haushaltsgeräte. Macht uns einen Computer, der jedes Programm blockiert, das nicht dem einen, speziellen Anwendungszweck des Geräts dient, zum Beispiel Musik abspielen, Datenpakete verschicken oder Spiele spielen. Und stellt sicher, dass das Gerät auf keine Fall Programme abspielt, die unsere Profite schmälern könnten. Die Hersteller nehmen also einen normalen Computer und beschränken ihn so, dass er ein Haushaltsgerät wird. Man packt eine Kombination aus Rootkits, Spionagesoftware und Verschlüsselung darauf, die es dem Nutzer unmöglich machen, zu wissen, was er eigentlich gerade abspielt, welche Prozesse laufen und wie er sie beendet. Sony zum Beispiel versteckte eine Spionagesoftware auf sechs Millionen Audio-CDs. Die Software überwachte heimlich, ob der Nutzer versuchte, die Songs mit einem Programm auszulesen. Wenn er das tat, beendete das eingeschmuggelte Rootkit die Lesesoftware einfach.

2. Denken Sie nun mal einen Moment lang über das Radio nach. Die geringe Regulierung des Gebrauchs der Radiotechnik basiert darauf, dass man ein Radio nicht so schnell umfunktionieren kann. Es reicht nicht, einfach nur einen Schalter umzulegen, und schon kann man mit einem Babyphone den Luftverkehr managen. Mit guten softwaregesteuerten Radios hingegen ist das möglich. Deshalb beginnt die amerikanische Telekommunikationsbehörde bereits, darüber nachzudenken, was passiert, wenn diese Technik sich verbreitet – und ob man zulassen darf, dass sie sich verbreitet.

Und das ist nur der Anfang. Letztes Jahr ist eine Open-Source-Hardware zur Gensequenzierung auf den Markt gekommen. Wir erleben außerdem gerade den Beginn des 3-D-Druckens. Wir werden noch sehen, wie Richter in den Südstaaten der USA und die Mullahs im Iran verrückt spielen, weil die Leute sich darauf Sexspielzeug ausdrucken. Scherz beiseite. Was, wenn die Leute anfangen, Drogen oder Keramikmesser damit zu drucken? Es braucht keinen Science-Fiction-Autor um zu verstehen, dass die Behörden auch nervös werden bei dem Gedanken an sich selbst steuernde Autos.

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