Komödie im Ersten : Cool Boccia

Hommage an fünf Frauen, die sich einen Traum erfüllen: Die Komödie „Curling für Eisenstadt“ erinnert an einen Hollywoodfilm.

Die Liebe trifft den Eisenstädter Hendl-Kaiser (Christoph Krutzler, mit Maria Simon-Lade).
Die Liebe trifft den Eisenstädter Hendl-Kaiser (Christoph Krutzler, mit Maria Simon-Lade).Foto: MDR/ORF/Hubert Mican

Eigentlich gehört diese Koproduktion zwischen ORF und MDR auf den Freitagstermin im Ersten, was keineswegs abschätzig gemeint ist, denn der Stoff ist ebenso originell wie amüsant. PR-Frau Vicky (Katharina Strasser) soll sich für ihren Heimatort im österreichischen Burgenland eine Werbekampagne ausdenken, die den Wintertourismus ankurbelt.

Mit ihrem Entwurf liegt sie derart daneben, dass ihr Chef sie umgehend vor die Tür setzt. Also macht sie sich kurzerhand selbstständig. Als sie erfährt, dass Österreich zum ersten Mal die Curling-WM der Damen veranstalten wird, hat sie die Lösung: Eisenstadt soll sich als Austragungsort bewerben! Dummerweise befindet sich die einzige Curlinghalle des Landes in Kitzbühel.

Der Präsident des Curlingverbands lässt sich trotzdem auf einen Deal ein: Wenn es dem Curlingteam von Eisenstadt gelingen sollte, die Frauen aus Kitzbühel zu schlagen, bekommt Eisenstadt den Zuschlag. Allerdings gibt es in Eisenstadt gar kein Curlingteam.

Die Handlung erinnert an „Cool Runnings“ (1993). Der Hollywoodfilm erzählt die Geschichte des jamaikanischen Bobteams, das sich 1988 gegen jede Wahrscheinlichkeit für die Olympischen Winterspiele qualifizierte.

Vicky muss hier nun auf die Schnelle eine Curlingmannschaft auf die Beine stellen. Von Curling hat ihr Team keine Ahnung, aber auch da ergibt sich eine unverhoffte Rettung: Petra Glewitz (Maria Simon-Lade), einst das größte Curlingtalent der DDR, ist nach der Wiedervereinigung Opfer einer Intrige ihrer westdeutschen Konkurrentin Silke von Starenberg (Esther Schweins) geworden, und die trainiert die Frauen aus Kitzbühel.

Natürlich ist das sportliche Ziel der Motor der Handlung. Trotzdem ist „Curling für Eisenstadt“ [Mittwoch, ARD, 20 Uhr 15] kein typischer Sportfilm, sondern eine kurzweilige, einfallsreiche, flott montierte und dank der spielfreudigen Hauptdarstellerinnen sehr vergnügliche Komödie, zumal das Drehbuch (Marc Schlegel, Peter Hengl) für eine Vielzahl zwischenmenschlicher Konflikte sorgt.

Sportkitsch à la „Elf Freunde müsst ihr sein“?

Anfangs ist das Quintett bloß eine Zweckgemeinschaft, in der jede ihr eigenes Ding macht. Erfolg haben die Frauen erst, als sie erkennen, dass sie ihr Ziel nur als Team erreichen können.

Das klingt zwar nach Sportkitsch à la „Elf Freunde müsst ihr sein“, aber Andreas Schmied und die munteren Dialoge bewahren den Film davor, ins oftmals unvermeidliche Pathos solcher Geschichten abzugleiten. Mit viel Geschick hat der Regisseur zudem einige Elemente auf die Spitze getrieben, ohne sie klamottig wirken zu lassen.

Maria Simon-Lade zum Beispiel verkörpert den Coach wie das Klischee einer ostdeutschen Eiskunstlauftrainerin und versieht die verbitterte Frau zudem mit passendem Dialekt (Simon-Lade ist gebürtige Leipzigerin). Davon abgesehen wirkt Glewitz auch optisch derart verhärmt, dass die Schauspielerin kaum wiederzuerkennen ist. Außerdem sorgt das Drehbuch mithilfe dieser Figur für eine echte Überraschung.

Zu so einem Film gehört schließlich auch eine Romanze. Die Liebe trifft den Eisenstädter Hendl-Kaiser (Christoph Krutzler), einen Unternehmer von eindrucksvoller Korpulenz, der dem Curlingteam eine Kühlhalle zur Verfügung stellt und die Frauen mit passender Kleidung ausstattet. Im Gegenzug müssen sie für ihn Reklame machen, weshalb Vicky während eines Interviews mit Todesverachtung den peinlichen Werbespruch des Unternehmens aufsagt.

Dieser Kaiser hat ausgerechnet die unterkühlte Glewitz zu seiner Königin erkoren. Am Ende steht trotzdem der sportliche Wettkampf im Mittelpunkt, und selbstredend ist Silke von Starenberg immer noch so intrigant wie vor dreißig Jahren.

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