"Leaving Neverland" auf ProSieben : Demo gegen Michael-Jackson-Doku

„Leaving Neverland“-Dokumentation auf ProSieben. Michael-Jackson-Fans wollen vor das Sendergebäude in Unterföhring ziehen.

An der Seite seines Stars: Die Schilderungen unter anderem von Wade Robson (rechts) über den sexuellen Missbrauch durch Michael Jackson sind schockierend.
An der Seite seines Stars: Die Schilderungen unter anderem von Wade Robson (rechts) über den sexuellen Missbrauch durch Michael...Foto: ProSieben.de

Das Denkmal vor dem Hotel Bayerischer Hof in München wäre sicherlich ein naheliegender Ort zum Demonstrieren für die Fans von Michael Jackson gewesen. „Innocent“ ist auf dem Sockel des Denkmals für den Renaissance-Komponisten Orlando-di-Lasso zu lesen, das von den Jackson-Anhänger für ihr Idol umgewidmet wurde. Und unschuldig wird der Sänger und Tänzer für seine Fans wohl immer bleiben – unabhängig selbst von den neuesten Missbrauchsvorwürfen in der Dokumentation „Leaving Neverland“.

Ihren Protest gegen die Ausstrahlung des Films wollen die Fans von Michael Jackson nach Unterföhring tragen, wo ProSieben seinen Sitz hat. Der Privatsender strahlt die wohl kontroverseste Dokumentation des Jahres als Free-TV-Premiere aus. Zusammen mit einer einordnenden Sondersendung hat ProSieben den kompletten Programmplatz von kurz nach 19 Uhr bis weit nach Mitternacht für das Thema freigeräumt.

Bereits zuvor hatte es Demonstrationen gegen den Film von Regisseur Dan Reed gegeben, unter anderem bei der Ausstrahlung in Großbritannien vor dem Channel-4-Sendergebäude. In dem für den US-Seriensender HBO produzierten Film erzählen der heute 41-jährige James Safechuck und der 36-jährige Wade Robson, wie sie Michael Jackson als Kinder sexuell missbraucht haben soll. In Internet werden die beiden seitdem beschimpft.

Einige Radiostationen in Kanada und den Niederlanden spielten wegen der Vorwürfe gegen den 2009 gestorbenen Jackson keine Songs mehr von ihm ab. Nach Recherchen des Tagesspiegels verzichten deutsche Sender auf einen solchen Boykott. Auch Streaming-Plattformen wie Spotify haben Michael Jackson weiter im Programm. Die Bundeskunsthalle hält an der Ausstellung „Michael Jackson: On the Wall“ fest. „Gerade jetzt nach dem Bekanntwerden neuer Missbrauchsvorwürfe ist es wichtig, sich mit dem ,King of Pop‘ auseinanderzusetzen“, begründete Intendant Rein Wolfs die Entscheidung.

Darüber spricht die ganze Welt

„Wir zeigen den Film, weil Kindesmissbrauch eins der größten gesellschaftlichen Tabu-Themen unserer Zeit ist. Kirche, Künstler und andere haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder das Schweigen ihrer Opfer erkauft“, begründet ProSieben-Chefredakteur Stefan Vaupel die Ausstrahlung der umstrittenen Dokumentation. Natürlich ist sich der Sender auch bewusst, dass ein derart polarisierender Film ein Zuschauermagnet sein dürfte: „Über ,Leaving Neverland‘ spricht die Welt“, sagt Vaupel.

In der ProSieben-Spezial-Sendung zuvor kommen nach Senderangaben Opfer, Wegbegleiter, Fans, Freunde und Kritiker Jacksons zu Wort. Zudem wird darin ein Detail thematisiert, das gerade erst bekannt geworden ist. So hat Regisseur Reed in dieser Woche eingeräumt, dass eine Aussage von James Safechuck nicht so stimmen kann, wie er sie im Film erzählt. In dem Film gab er an, dass er von Jackson in der Zeit von 1988 bis 1992 missbraucht wurde – unter anderem in einem Raum des „Neverland“-Bahnhofes. Der wurde aber erst 1993 gebaut, wie ein Jackson-Biograf in offiziellen Unterlagen herausgefunden hat.

Safechuck und Robson waren zwei der Jungs an Michael Jacksons Seite. „Er war eine lebende Legende, hat mich unglaublich weitergebracht in meiner Karriere. Und er hat mich sieben Jahre lang sexuell missbraucht“, erzählt der Australier Robson, der nach dem Sieg bei einem Michael-Jackson-Tanzwettbewerb zu einem Konzert seines Stars eingeladen wurde.

Safechuck kam durch den Dreh zu einem Pepsi-Werbevideo in Kontakt zu Jackson, tourte mit dem Mega-Star durch die Welt. „Mit der Zeit lagen unsere Zimmer in den Hotels immer weiter auseinander, doch wir haben uns dabei nichts gedacht“, erzählt Safechucks Mutter. Jackson hatte mit dem Jungen sogar trainiert, sich ganz schnell anzuziehen, wenn jemand kam. Dass Jacksons Angst vor Entdeckung groß war, ist verständlich. „Mit Küssen fing es an, überall am Köper bis zu den Genitalien“, sagt Safechuck. Beim Masturbieren habe es Jackson besonders gefallen, wenn er sich vorn übergebeugt und die Pobacken gespreizt habe. Doch warum hat er mitgemacht? „Man muss es einfach toll finden, wenn ein solches kreatives Genie einen mag.“

„Leaving Neverland“, ProSieben, Samstag, 20 Uhr 15. Zuvor um 19 Uhr 05 ein ProSieben-Spezial
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