Letzter "Tatort" mit Mario Kopper : Die Sizilianer tun es

Beim „Tatort“ Ludwigshafen scheidet Mario Kopper nach 21 Jahren Mördersuche aus. Hätte es nicht Platz für ein Fahndertrio gegeben?

Sein letzter Schuss. Mario Kopper (Andreas Hoppe) muss zur Waffe greifen, wenn er sich und seinen Freund retten will.
Sein letzter Schuss. Mario Kopper (Andreas Hoppe) muss zur Waffe greifen, wenn er sich und seinen Freund retten will.Foto: SWR/Roland Suso Richter

Der Titel des „Tatorts“ ist Programm: „Kopper“. Mario Kopper geht, nach 21 gemeinsamen Fahndungsjahren mit Lena Odenthal. Was im Oktober 1996 mit dem Ludwigshafener Krimi „Der kalte Tod“ begann, findet jetzt, im 57. „Tatort“ sein Finale. Das weiß Andreas Hoppe, sein Mario Kopper weiß es noch nicht. Vielleicht ahnt er es, vielleicht spürt er es, er hat eine Verlobte auf Sizilien.

Von dort kam er her, nach Ludwigshafen, jener BASF-Stadt am Rhein frei von Reizen, aber mit einer reizvollen Aufgabe: Kommissar in der Mordkommission. Später im Film wird Kopper mal sagen, „ich wäre gern ein bisschen mehr Italiener geblieben“.

Kann er ja noch werden, mehr Italiener als Ludwigshafener. Ist ja ein wenig eng geworden im Kommissariat: Die unverbrüchliche Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), der neue Stern am Fahnderhimmel, die LKA-Ermittlerin Johanna Stern (Lisa Bitter), seit 2014 im Einsatz und Kopper mehr und mehr an den Rand (ver-)drängend. Andreas Hoppe hat dann im März 2017 gesagt, dass er sein Engagement als „Tatort“-Kommissar beenden werde. Nobel verabschiedet sich der gebürtige Berliner Hoppe mit und von seiner Figur, hoffentlich mit Perspektive auf weitere, tragende Rollen.

Einer besten "Tatorte" aus Ludwigshafen

Denn wie der Kopper geht! Der Krimi seines Namens gehört zu den besten der Krimis aus Ludwigshafen mit Odenthal und Kopper, und so, wie Patrick Brunken das Drehbuch geschrieben hat, wird sich das Publikum die drängende Frage stellen, ob nicht doch ausreichend Platz für ein Fahndungstrio gewesen wäre. Ich behaupte mal: Ja, da wäre Platz gewesen, mehr Phantasie mal diese, mal jene Figur stärker in den Vordergrund schieben zu können. Alles ein bisschen unberechenbarer, überraschender. Der Krimi hätte die Pfade verlassen können, die Odenthal und Kopper tief ausgetreten haben. Und ist die Folkerts-Figur so überragend, in jedem Fall überragender als Mario Kopper? Künftig ermitteln zwei Frauen, das ist wohl dem Zeitgeist geschuldet. Die Männer sind dann die Mörder.

Der Fall bearbeitet die italienischen Wurzeln Mario Koppers, dessen Kindheits- und Jugendfreund Sandro Giangreco (Michele Cuciuffo) ins Visier der Stidda, des sizilianischen Mafia-Zweigs gerät. Das Wiedersehen der beiden in Ludwigshafen soll zufällig aussehen, tatsächlich ist es von Sandro herbeigeführt worden. Er will raus aus seiner kriminellen Vergangenheit, rein ins Zeugenschutzprogramm. Dafür will er den Ludwigshafener Paten, tief verstrickt in illegale Giftmüll-Beseitigung, ans Messer liefern. Da sind schon Mitglieder der Organisation tot. Einer hat sich nach seiner die Organisation belastenden Aussage in der JVA Frankenthal selbst getötet, den zweiten hat Kopper erschossen. Es war eindeutig Notwehr, der Angreifer wollte Sandro und Kopper töten.

Jetzt hängt Kopper richtig mit drin. Er macht sich für Odenthal unsichtbar, damit Sandro an einem sicheren Ort seine Aussage ablegen kann. Alle sind sie unter Druck, weil die Stidda dieses Geständnis um jeden Fall verhindern will. Sie setzt auf massive Einschüchterung: Odenthal findet eine Kugel in ihrem Auto, Johanna Stern wird klargemacht, dass ihre beiden Kinder in höchster Gefahr sind. Und Kopper und Sandro, sie stehen sowieso ganz oben auf der Liste.

Wo gehört der Kopper eigentlich hin?

„Kopper“ ist ein klarer Spannungskrimi, alle Figuren sind getrieben, entsprechend ist lange unklar, welche Seite an ihr Ziel kommen wird. Und „Kopper“ ist mehr. Autor Brunken intoniert eine immanente Diskussion über Werte, über Freundschaft und Loyalität, Vertrauen und Entscheidung. Was darf man sich gegenseitig zumuten, was ist tolerabel, was Missbrauch? Und wo gehört einer wie Kopper hin? In seine sizilianische Vergangenheit, seine deutsche Gegenwart, seine XY-Zukunft? „Kopper“ bietet einen Fall und behandelt auf Krimi-Art ein Thema.

Kopper ist Zentrum. Andreas Hoppe bleibt seiner Figur treu. Er kennt ihn nach 21 Jahren am besten, da wäre ein Zuviel wie ein Zuwenig, ein Charakterwechsel fehl am Platz. Vielleicht betont er das Italienische ein bisschen mehr, zugleich zeigt sich Kopper/Hoppe als ein Mensch mit Maxime: A man has to do what a man has to do. Selbst im Beichtstuhl siegt der Selbstzweifel nicht über die Selbstgewissheit. Ulrike Folkerts, Lisa Bitter und das übrige Ensemble spielen Hoppe/Kopper quasi zu, was die Frage, ob hier eine Figur zu Recht aus dem „Tatort“ ausscheidet, verschärft.

Alles ist angerichtet für das große Finale, auch, weil der Regisseur Roland Suso Richter heißt. Er gehört zu den Könnern im Fokus-Fernsehen, er weiß das Personal genau zu positionieren und zu inszenieren. Regie wird dann das, was ohne Eitelkeit und Mätzchen den Fall, das Spannungsverhältnis und die Binnenspannung der wesentlichen Paare Sandro/Kopper, Kopper/Odenthal akzentuiert. Der „Tatort“ aus Ludwigshafen wird sehr zusehen müssen, dass der nächste Krimi nicht hinter „Kopper“ zurückfällt.

Zum Schluss ist Mario Kopper raus. Wie raus, das zeigt sich in den Szenen, in denen sein hinreißender Wagen, ein Fiat 130 aus den 70er Jahren geschrottet wird.

„Tatort: Kopper“, ARD, Sonntag, um 20 Uhr 15

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