Matt Drudge vs. Donald Trump : Der Renegat

„Die Leute verlassen ihn in Scharen.“ Das Zerwürfnis von Matt Drudge und Donald Trump könnte dessen Präsidentschaft gefährden.

Klickstärkste Zeiten für den Drudgereport in seiner Geschichte.
Klickstärkste Zeiten für den Drudgereport in seiner Geschichte.Screenshot: Tsp

Er war der erste, härteste und skrupelloseste. Matt Drudge gründete vor 25 Jahren den nach ihm benannten Drudgereport, eine Webseite, die aus Klatsch und Tratsch, Aktuellem und Exklusivem, Schlüpfrigem und Exotischem besteht. Sie verlinkt im Wesentlichen auf Artikel in konservativen, reaktionären, mitunter auch verschwörungstheoretischen Plattformen.

Der Drudgereport funktioniert nach dem Aufmerksamkeitsgenerierungsprinzip. Was geklickt wird, bringt Geld. Im Drudgereport bahnte sich jenes brachial-populistische Erfolgsrezept an, durch das Donald Trump ins Amt gelangte.

Drudge war einer der frühesten Unterstützer der Präsidentschaftskampagne von Trump. Nun wurde die Verbindung gekappt. „Ich habe Drudge (ein wirklich netter Kerl) schon vor langer Zeit aufgegeben, ebenso wie viele andere“, schrieb US-Präsident Donald Trump am Samstag in einem Tweet.

„Die Leute verlassen ihn in Scharen.“ Das lockte den Angegriffenen aus der Reserve. Die vergangenen 30 Tage seien die klickstärksten Zeiten für den Drudgereport in seiner Geschichte gewesen, schrieb er in einer Mail an CNN.

Angedeutet hatte sich das Zerwürfnis seit etwa einem Jahr. Im Streit um den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko warf Drudge dem Präsidenten Halbherzigkeit vor – und überholte ihn auf der rechten Spur. Die „Illegalen“ seien drogensüchtig, kriminell und gewalttätig, hieß es in Schlagzeilen auf dem Drudgereport. Auf einem Plakat stand höhnisch, Trump würde „no new wall at all“ bauen.

Vorsicht bleibt angesagt

Die Mauer war Trumps zentrales Wahlkampfversprechen, entsprechend verwundbar ist er durch jene, die ihn beim Wort nehmen. Im vergangenen Sommer legte Drudge nach. Trump würde den Regierungsapparat aufblähen, Bauern mit Handelskriegen ruinieren und Frauen, die in Vororten leben, mit „dreckiger Demagogie“ vergraulen.

Plötzlich unterscheidet sich der konservativ-reaktionäre Populist in vielen Punkten kaum noch von den einst so verhassten liberalen „Mainstream-Medien“.

Vorsicht bleibt angesagt. Ob Drudge sich wirklich wandelt oder bloß den Wind des Wandels im Rücken spüren will, ist offen. Er setzt nach wie vor Links auf die verschwörungstheoretische Seite „InfoWars“, hat Andrew Breitbart ausgebildet, den Gründer von „Breitbart News“, wettert gegen das Recht auf Abtreibung. Drudge war derjenige, der 1998 den Lewinsky-Skandal ins Rollen brachte, weil er die „Newsweek“-Recherchen dazu veröffentlichte.

Das begründete sein Renommee unter Konservativen. Nun sind sie geschockt über mutmaßliches Renegatentum. Gerade in der Gegnerschaft zu Trump könnte der Einfluss von Drudge größer werden.Sollte es Drudge gelingen, das konservative „Clickbaiting“ gegen Trump erfolgreich zu machen, wären dessen Tage im Weißen Haus gezählt.

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