MEDIA Lab : Den Tellerrand im Auge behalten

Studie zeigt: Nutzung vornehmlich nicht-journalistischer Quellen führt zu einem eingeschränkten Themenrepertoire

Joachim Trebbe
Ein Teller ist ein Teller und weit mehr als Teller!
Ein Teller ist ein Teller und weit mehr als Teller!Foto: dpa

Die Zahl der Informationsquellen hat sich für jeden von uns vervielfacht. Neben die klassischen Massenmedien Presse und Rundfunk ist in der Onlinewelt eine Vielzahl von Kommunikatoren in den sozialen Netzwerken getreten, die uns mit News, Erzählungen und Meinungen aus nicht-journalistischer, privater und interessengeleiteter Perspektive versorgen.

Auf den ersten Blick sollte man annehmen, dass diese Vervielfachung zu einer Ausweitung der Themen- und Problemwahrnehmung der Nutzer führt. Auf der gesellschaftlichen Ebene bedeutet das mehr Meinungsvielfalt und einen breiteren öffentlichen Diskurs. Die pessimistische Gegenhypothese besagt, dass die Quellenexplosion zu einer verstärkten selektiven Nutzung und Wahrnehmung übereinstimmender, die eigene Sichtweise bestätigender Inhalte und Meinungen führt. Gemeinsame, von allen als relevant wahrgenommene Themen kommen dann insgesamt seltener vor.

Selektivität bei Quellen führt zu geringerem Themenrepertoire

In einer Tagebuchstudie mit 645 Teilnehmern im Alter zwischen 18 und 50 Jahren haben Pablo Porten Cheé (Weizenbaum-Institut, Berlin) und Christiane Eilders (Universität Düsseldorf) untersucht, ob eine stärkere Nutzung nicht-journalistischer Informationsquellen zu mehr oder weniger Selektivität der Nutzer führt. Ihre Ergebnisse stützen eher die pessimistische Sicht auf die Folgen der Angebotsvervielfachung durch nicht-journalistische Inhalte im Internet. Befragte mit vielen derartigen Informationsquellen zeigten eine größere Selektivität. Sie hatten in der Folge eher ein eingeschränktes und unausgewogenes Themenrepertoire. Für die Autoren ist das ein klares Indiz für eine Störung der öffentlichen Kommunikation und des gesellschaftlichen Diskurses.

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Das vollständigste und ausgewogenste Themenrepertoire hatten Probanden mit hoher Nutzung journalistischer wie nicht-journalistischer Quellen. Wer den Überblick behalten will, muss den Tellerrand an beiden Seiten im Auge behalten.

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