MEDIA Lab : Deutschland hört sich zu

Joachim Trebbe schöpft aus der "Kontakthypothese" Hoffnung für die gegenseitige Wahrnehmung und Akzeptanz

Joachim Trebbe
Geht doch: Anja Blanke und Andreas Pfeiffer stritten im Rahmen von "Deutschland spricht", wie mit Flüchtlingen in Seenot umzugehen ist.
Geht doch: Anja Blanke und Andreas Pfeiffer stritten im Rahmen von "Deutschland spricht", wie mit Flüchtlingen in Seenot umzugehen...Foto: Michele Galassi

Nicht nur in den Vereinigten Staaten stehen sich die politischen Lager zunehmend kompromisslos und mit scharfer Sprache gegenüber. Auch in Deutschland sehen viele einen Niedergang der Debattenkultur und eine wachsende Unnachgiebigkeit gegenüber dem politisch Andersdenkenden. Deshalb werden vermehrt Forderungen laut, sich wieder auf politische Diskussionen einzulassen, um einer gesellschaftlichen Zerklüftung entgegenzuwirken. Dem persönlichen Gespräch wird dabei meist intuitiv eine emphatische und demokratisierende Wirkung auf die gegenseitige Wahrnehmung der politischen Lager zugeschrieben.

Robert Bond, Hillary Shulman und Michael Gilbert von der Ohio State University haben diese Effekte in einer experimentellen Studie genauer unter die Lupe genommen. Der Ausgangspunkt waren zwei konkurrierende Hypothesen über die Folgen politischer Diskussionen zwischen Vertretern gegensätzlicher politischer Lager. Die „Kontakthypothese“ sagt mehr Verständnis und eine positivere Beurteilung der anderen Gruppe voraus. Die These der „sozialen Identitätsbildung“ postuliert den gegenteiligen Effekt: Die eigene Position wird geschärft und die Abgrenzung zwischen den Lagern verstärkt sich.

Persönlicher Kontakt hilft Vorurteile abbauen

Die Ergebnisse des Experiments mit insgesamt 238 Personen aus dem republikanischen und dem demokratischen Lager zeigten schließlich, dass der persönliche Kontakt häufig eher zum Abbau pauschaler Zuschreibungen und negativer Bewertungen führte. Die Gesprächssituation wurde zwar in der Mehrzahl als unangenehmer beschrieben als Gespräche unter Gleichgesinnten. Dies hatte jedoch keine negativen Effekte auf die Wahrnehmung des anderen Lagers. Die positivere Bewertung des Gesprächspartners und seines politischen Standpunktes wurde nicht getrübt oder gemindert durch die konfrontative Gesprächssituation. Ein Aufwand also, der sich offenbar lohnt.

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