Medien-Barometer Berlin-Brandenburg : Diverse Region

Die Medienbranche in Berlin und Brandenburg ist bereits jetzt sehr vielfältig. Warum das noch nicht ausreicht.

Gemischtes Team. Das Podium mit Hannes Seifert (Riot Games), Ulrike Teschke (Tagesspiegel), Claudia Pohlink (Deutsche Telekom) und Katja Bäuerle (UFA, v.l.n.r.).
Gemischtes Team. Das Podium mit Hannes Seifert (Riot Games), Ulrike Teschke (Tagesspiegel), Claudia Pohlink (Deutsche Telekom) und...Foto: André Wunstorf/Promo

Flexiblere Arbeitszeiten, Stellenanzeigen, die in Hinblick auf Geschlecht, Alter oder Herkunft offener formuliert werden, aber vor allem das eigene gute Vorbild als Motivation für andere, damit lässt sich mehr Diversität in Unternehmen herstellen. Zu diesem Ergebnis kam am Dienstag eine Podiumsdiskussion in der brandenburgischen Landesvertretung in Berlin. Anlass war die Vorstellung des „Medien.Barometer 2019/2020“.

Eines der Ergebnisse der repräsentativen Erhebung: Die Medienbranche in Berlin und Brandenburg ist insgesamt gesehen bereits jetzt sehr weiblich. In 81 Prozent der befragten Firmen sind Frauen im mittleren Management tätig, erläuterte Andrea Peters, Vorstandsvorsitzende des media:net berlinbrandenburg. In der Chefetage gibt es allerdings Nachholbedarf; hier befinden sich in gut einem Drittel der Firmen keine Frauen. In der Medien-, Kultur und Kreativwirtschaft beschäftigen rund 40.000 Unternehmen fast 170.000 Mitarbeiter.

[Medien.Barometer 2019/2020]

Ebenfalls sehr hoch (76 Prozent) ist der Anteil von Unternehmen der Branche – zu der Presseverlage ebenso gehören wie Filmwirtschaft, Games-Industrie oder IT- und Telekomfirmen – mit Mitarbeitern ausländischer Staatsangehörigkeit. Wobei die Zahlen im mittleren und oberen Management stark zurückgehen.

Eine Sonderrolle nimmt dabei die stark wachsende Software- und Games-Wirtschaft ein. Ein Drittel der Firmen beschäftigt zwischen 26 und 56 Prozent Mitarbeiter mit ausländischem Pass. Das ist mehr als in jedem anderen Zweig der Branche. Zugleich arbeitet in einem Sechstel der Games-Firmen keine einzige Frau – ein Negativ-Rekord, der mit der technik-orientierten Historie erklärt werden kann.

Positive Rollenbilder helfen

Hannes Seifert, Country Manager Central Europe bei Riot Games, setzt auf positive Rollenbilder, um die Branche für Frauen attraktiver zu machen. Wann immer möglich repräsentieren weibliche Mitarbeiter sein Unternehmen auf Konferenzen.

Das ist längst kein Selbstzweck mehr, schließlich spielen Frauen genauso gern und häufig Games wie Männer, wie Katja Bäuerle vom Film- und Fernsehproduzenten Ufa hinzufügte. Bei fiktionalen Formaten und besonders bei Soaps sind Frauen vor der Kamera und im kreativen Bereich ebenso stark repräsentiert wie Männer. Eine Charta der audiovisuellen Diversität soll bei der Ufa sicherstellen, das die Vielfalt stimmt.

Bei der Auswahl der Mitarbeiter kommt es neben der fachlichen Qualifikation genauso auf Soft Skills an. „Am besten bewähren sich gemischte Teams, in denen Mitarbeiter mit verschiedenen Fähigkeiten zusammenarbeiten“, sagte Tagesspiegel-Geschäftsführerin Ulrike Teschke. Sie appellierte zudem, bei der Debatte die Inklusion nicht zu vergessen.

„Die USA sind in dieser Frage zehn Jahre weiter als wir“, sagte Claudia Pohlink von der Deutschen Telekom. Dass ihr Team für Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen in Berlin und nicht in Bonn oder Darmstadt sitzt, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass es in der Hauptstadtregion eine so große Vielfalt gibt.

Positives Geschäftsklima

Rückendeckung bekommen die Firmen in der Region auch von der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Lage der Medienunternehmen ist weiterhin stabil: Zwei Drittel der Befragten sind zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit dem Geschäftsverlauf im zurückliegenden Jahr - ein Plus von acht Prozentpunkten gegenüber 2018.

Für das neue Jahr rechnen 41 Prozent mit steigenden und 43 Prozent mit stabil bleibenden Umsätzen. Ein Jahr zuvor waren es allerdings noch etwas mehr (86 Prozent). Insgesamt hat sich der Geschäftsklimaindex sogar verbessert. Mit 139 Punkten liegt er sogar um 21 Punkte über dem Wert für die gesamte Berliner Wirtschaft.

Das Bewusstsein von Diversität als unternehmerischer Erfolgsfaktor ist dabei allerdings wenig ausgeprägt, heißt es in der Untersuchung. Nur 12 Prozent der befragten Unternehmen zählen Diversität zu den Top drei in der Firmen-Agenda der nächsten zwölf Monate. Im Fokus stehen vor allem technologische Innovationen, Finanzierungsfragen, Wachstumsziele und die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle.