Medien nehmen Brexit vorweg : Discovery beantragt EU-Lizenzen für 19 Sender

Nach Turner, NBC, DAZN: Discovery beantragt Lizenzen für gleich 19 Sender bei der Bayerischen Medienanstalt. Die Kosten für den Exodus sind hoch.

Ex-Fußball-Star Matthias Sammer (rechts) gehört zu den Experten des Sportsenders Eurosport. Dessen Mutterkonzern Discovery hat nun für 19 seiner Programme Lizenzen bei der BLM in München beantragt.
Ex-Fußball-Star Matthias Sammer (rechts) gehört zu den Experten des Sportsenders Eurosport. Dessen Mutterkonzern Discovery hat nun...Foto: Nadine Nupp/Eurosport

Noch ist nicht sicher, ob es tatsächlich zum harten No-Deal-Brexit kommt. Viele große Medienunternehmen wollen jedoch nicht mehr darauf warten, ob sich Großbritannien doch noch mit der EU auf eine gemeinsame Austrittslinie einigen kann. Am Mittwoch wurde bekannt, dass nun auch Discovery Communications den Brexit vorwegnimmt. Über das Tochterunternehmen Discovery Communications Deutschland hat der Konzern bei der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) in München Lizenzen für 19 Sender beantragt.

Konkret handelt es sich um Programme, die in den skandinavischen Ländern Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland ausgestrahlt werden. Zu ihnen gehört der Discovery Channel für diese vier Länder, TLC in Dänemark, Schweden und Norwegen und Eurosport in Norwegen sowie Eurosport 2 in Dänemark. Auf der Antragsliste stehen ferner Channel 4, Channel 5, Channel 9 sowie Max, Fem und Vox. Zuerst hatte darüber der britische Mediendienst Broadband TV News berichtet.

Zwölf Sender im Dezember

Den Weg nach Kontinentaleuropa sind bereits Turner Broadcasting und NBC Universal gegangen. Im Dezember 2018 genehmigte die BLM den beiden Medienhäusern Lizenzen für insgesamt zwölf Sender, darunter die Turner-Programme TNT in Polen und Rumänien sowie die NBC-Programme Syfy und Scifi. Neben der BLM muss noch die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) die Lizenzen genehmigen.

Dass die Programme nicht in Deutschland zu sehen sind, sondern in anderen EU-Mitgliedsstaaten verbreitet werden, spielt dabei keine Rolle. Die Landeszentrale sei zuständig, weil die Hauptverwaltung beider Antragsteller in München beheimatet ist und die redaktionellen Entscheidungen über deren Programme ebenfalls hier getroffen werden, erläuterte die BLM. Zudem haben die beiden Unternehmen zugesagt, mit Aufnahme des Betriebs unter deutscher Lizenz auch neue Stellen in München zu schaffen.

In welchem EU-Land die Lizenz erteilt wird, ist nicht entscheidend, da die Lizenz dann für die ganze Gemeinschaft gilt. In München ansässig ist auch Discovery. Mit dem Ende der britischen EU-Mitgliedschaft entfällt für die Sender die Geschäftsgrundlage für den Weiterbetrieb in der EU. Notwendig wird die Beantragung von Lizenzen nach EU-Recht dann, wenn die Unternehmen zuvor bei der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom gelistet waren.

Der Sportsender DAZN hat seine neue Lizenz bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg beantragt. Das Unternehmen wird zwar in Deutschland vor allem aus dem bayerischen Ismaning geführt, allerdings existiert in Berlin eine Dependance mit 15 Mitarbeitern. Mit einer Entscheidung über die DAZN-Lizenz wird Mitte Februar gerechnet. Am 14. Februar fällt in München bei der nächsten Sitzung des BLM-Medienrates die Entscheidung über den Antrag von Discovery. Für die in Deutschland zu empfangenden Programme Discovery Channel, TLC, Eurosport 1 und den Pay-TV-Kanal Eurosport 2 verfügt die deutsche Tochter von Discovery bereits über die nötigen Lizenzen, wie die BLM auf Anfrage mitteilte. Ebenfalls genehmigt ist demnach die bundesweite Verbreitung der Programme Animal Planet und Eurosport 2 HD Xtra.

Auch Amazon Prime betroffen

Welche Bedeutung der Brexit für die Medienwirtschaft hat, zeigt sich mit Blick auf die Zahlen. Demnach hatte fast jedes dritte Fernsehunternehmen der Europäischen Union bis vor kurzem seinen Sitz in Großbritannien beziehungsweise in London. Produziert wurde allerdings nicht allein für den britischen Markt sondern für ganz Europa. Das gilt selbst für neue Medienunternehmen wie Amazon Prime. Dort wartet man bislang noch mit einer Entscheidung ab. „Amazon beobachtet die Entwicklungen genau, um bestens für mögliche Veränderungen für unsere Kunden, Angestellten und Gewerbetreibende, die auf Amazon verkaufen, vorbereitet zu sein“, hatte ein Amazon-Sprecher erst kürzlich zur Brexit-Frage mitgeteilt. Daran habe sich nichts geändert.

Die Beantragung der Lizenzen hat auch einen finanziellen Aspekt: „Die Genehmigung zur Veranstaltung und bundesweiten Verbreitung eines Fernsehprogramms wird unbefristet erteilt und ist mit Kosten verbunden“, klärt die BLM auf ihrer Webseite auf. Wird die Lizenz für die bundesweite Ausstrahlung eines TV-Programms beantragt, so können sich die Kosten auf bis zu 100 000 Euro belaufen. Billiger wird es, wenn das Programm ausschließlich im Internet übertragen wird. Dann werden bis zu 10 000 Euro je Lizenz fällig. Für die Brexit-Lizenzen werden die gleichen Summen angesetzt, somit können sich allein die Kosten für die Anträge im Fall von Discovery Communications auf bis zu zwei Millionen Euro belaufen.

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