Milan Peschel spielt ZDF-Kommissar : "Columbo"-like

Das ZDF hat einen neuen, sehr sensiblen Kommissar: Adam Danowski, Gespielt von Milan Peschel.

Hamburg Exploring. Kommissar Adam Danowski (Milan Peschel, links) sieht sich den Tatort im Elbtunnel an.
Hamburg Exploring. Kommissar Adam Danowski (Milan Peschel, links) sieht sich den Tatort im Elbtunnel an.Foto: ZDF und Georges Pauly

Das muss das ZDF deutlich geschickter anstellen. Wer die Kriminalromane von Till Raether fürs Programm gewinnbringend übersetzen will, der muss mit überlegter Ökonomie agieren. Raethers mittlerweile fünf Bücher haben ein Ermittlungstrio an den Tatorten. Im Kern findet sich Hauptkommissar Adam Danowski (Milan Peschel) sein langjähriger Kollege heißt Andreas „Finzi“ Findel (Andreas Döhler), dazu kommt die junge Ermittlerin Meta Jurkschat (Emily Cox). Danowski wandelt stets auf dem schmalen Grat zwischen Überforderung und Hypersensibilität, er muss mit seinen Kräften haushalten. Finzi befindet sich auf Alkoholentziehungskur, Rückfälle sind möglich. Meta Jurkschat zeigt Züge einer Streberin, weiß aber damit umzugehen, wenn Danowski seine Angstanfälle hat, sie ist im Team eine Art Polly Patent, sie ist mutiger, sie ist ehrgeizig.

So eine Figurenkonstellation braucht Sorgfalt beim Etablieren, beim Entfalten, bei Konstruktion und Dekonstruktion. Da begehen die ZDF-Redaktion wie auch Drehbuchautorin Anna Tebbe nicht nur Nachlässigkeiten, sie begehen Fehler. Die Romane von Till Raether sind keine leichte Kost, sie sind verwinkelt, von ambitionierter Falldramaturgie. „Blutapfel“ ist der zweite Krimi in der Danowski-Reihe. Zur eigentlichen Ermittlertruppe kommen noch BND und amerikanischer Geheimdienst. Ein vielköpfiges Polizeiteam zu etablieren, den Mord am IT-Berater Oliver Wiebusch (Peter Schneider) aufzuklären, der so viel in die Hamburger Urba-Explorer-Szene weist wie in die Reihenhaussiedlung, in der er lebte, schließlich die CIA-Agentin Tracy Harris (Isabella Parkinson) vom Rand in die Mitte agieren zu lassen – das wird die Zuschauerkonzentration fordern, wenn nicht überfordern.

Der Verzicht auf diesen Nebenstrang wäre kein Versäumnis gewesen, durch diesen ZDF-Krimi eilen, ja hetzen zu viele Personen, damit wird den Figuren viel Eigenleben genommen, die Story wird zur labyrinthischen Schnitzeljagd. Der Zuschauer wird alleingelassen, statt an die Hand genommen. Dabei ist vom Reichtum zu berichten: Es gibt Anklänge von Witz und Melancholie, es zeigen sich Zuversicht und das Düstere, zwischen den Reihenhäusern nisten Spießigkeit, unerfüllte Lebensträume und Nachbar Wiebusch, der als immer nett galt und dabei doch ein Überraschungsregime zu seinen Gunsten errichtet hat. Das jeweilige Leben hat Risse, ja tiefe Spalten, in die die Kamera von Martin Farkas so spektakulär wie spekulativ hinunterschaut – die Spannung liegt nicht nur im Fall, sondern in den davon betroffenen Figuren.

Introspektion in der Inspektion

Regisseur Markus Imboden orientiert sich zwangsläufig an den Ermittlungen, die Färbung bekommt der Krimi allerdings über die Personenzeichnung. Kommissar Danowski hat eine Frau und zwei Kinder. Leslie Danowski steht auf dem Karrieresprung zur Schulrektorin, sie interessiert sich zudem für eine Immobilie in der besagten Reihenhausagglomeration (das Drehbuch lässt wirklich nichts aus), Bettina Stucky scheut sich nicht, ihre Leslie mit Beth-Ditto-Attitüde zu versehen. Imboden wie auch das Ensemble, das zum Grundbestand auch weiterer Danowski-Fälle – da zielt der Ergeiz des ZDF bestimmt hin – gehören wird, wollen die Figuren aus ihrem Inneren heraus entwickeln, es geht um Introspektion in der Mordinspektion.

In diesem Allerlei und Jederzeit und Überall der Fernsehkrimis braucht es Leuchttürme. Die Danowsi-Premiere „Blutapfel“ hat diese in den Polizisten Adam Danowski und Andreas „Finzi“ Finzel. Das sind keine verlorenen Hard-Boiled-Typen, das sind Menschen mit einer hellen und einer dunklen Seite. Finzel kämpft – warum eigentlich? – mit dem Alkohol, Danowski mit seinem eigenen Radar, das ihn sehr empfindlich gegenüber der Umwelt und ihren Einflüssen, andererseits sensibel für Dinge und Ereignisse macht, die andere gar nicht erst wahrnehmen. Danowski ist anders als andere Kommissare, nicht derart glatt, gerne unterschätzt wie einst „Columbo“.

Andreas Döhler spielt Finzi, Milan Peschel spielt Danowski. Zwei Polizisten, die sich immer wieder ihren Halt im Leben suchen, in ihrer Ambivalenz sehr interessierende Figuren. Den Peschel muss man gesehen haben, stets von der Frage getrieben, ob Danowski unter der Fahndung zusammenbricht oder auf seine verquere Art die Oberhand behält.

Wenn das ZDF künftig besser aufpasst bei Dramaturgie und Drehbuch, dann sind die weiteren Danowski-Krimis herzlich willkommen. Joachim Huber

„Danowski: Blutapfel“, ZDF, Montag, 20 Uhr 15