Mit Stefanie Stappenbeck, Josefine Preuß, Sonja Gerhardt : Sat 1 setzt auf Unterhaltung mit Haltung

K.-o.-Tropfen, Stalking, Zivilcourage: Sat 1 setzt Akzente im TV-Programm - und auf Filme mit starken Frauen.

Betäubt und vergewaltigt: Franziska (Stefanie Stappenbeck, links) wehrt sich gegen die Opferrolle, sie will ihren Peiniger stellen.
Betäubt und vergewaltigt: Franziska (Stefanie Stappenbeck, links) wehrt sich gegen die Opferrolle, sie will ihren Peiniger...Foto: Maor Waisburd/Sat1

Zunächst denkt selbst Franziska (Stefanie Stappenbeck), dass ihr Filmriss nach dem Abi-Treffen im Hotel am See dem Alkohol zuzuschreiben sei. Denn als sie am nächsten Tag aufwacht, kann sie sich an nichts mehr erinnern. Erst auf der Rückfahrt erzählt sie ihrer Freundin, dass sich ihr Unterleib anfühle, als habe sie Sex gehabt – ohne ihr Wissen und ihre Einwilligung. Der Verdacht der Vergewaltigung bestätigt sich bei einer ärztlichen Untersuchung, offenbar wurde sie mit K.-o-Tropfen betäubt. Doch beweisen lässt sich das nicht mehr, schon nach kurzer Zeit ist das Mittel nicht mehr nachzuweisen. Und weil es keine verwertbaren Spuren gibt, kann die Polizei nichts unternehmen. „Lautlose Tropfen“, so heißt der intensive Film, den der Privatsender Sat 1 am Montagabend zeigt.

Der Sender wolle „mit bewegenden Geschichten starker Frauen auf wichtige Themen in der Gesellschaft“ hinweisen und Missstände ins öffentliche Bewusstsein rücken, sagt Sat-1-Geschäftsführer Kaspar Pflüger. Unterhaltung mit Haltung ist das gemeinsame Motto von drei Filmen, die Sat 1 im Frühjahr zeigt. Auf „Lautlose Tropfen“ folgt am kommenden Montag der Stalking-Film „Dein Leben gehört mir“ mit Josefine Preuß und eine Woche später „Ein ganz normaler Tag“ mit Sonja Gerhardt, in dem es um das Thema Zivilcourage geht. Die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes hat den Sender beraten.

Sat 1 hat sich bereits in den Vorjahren in eigenproduzierten Filmen mit gesellschaftlich relevanten Themen wie Organspenden, häuslicher Gewalt oder Cybermobbing beschäftigt. Doch eben nicht so geballt wie jetzt. „In den vergangenen anderthalb Jahren wurden so viele spannende Themen an uns herangetragen, die wir unbedingt machen wollten. Indem wir nun drei Wochen hintereinander solche Themen behandeln, wollen wir auch eine Verabredung mit dem Publikum am Montagabend erreichen. Zum fiktionalen Umgang mit dem Thema kommt der journalistische durch die anschließenden ,Akte‘-Spezialsendungen“, sagt Pflüger weiter. Solche Akzente könne man jedoch nur vereinzelt setzen, schließlich wolle man das Publikum nicht belehren. „In den Wochen und Monaten darauf werden wir wieder klar Unterhaltungsfilme zeigen. Aber wir sind in Entwicklung und Produktion für ähnliche Filme zu ganz anderen Themen für das nächste Jahr in Planung“, kündigte der Sat-1-Geschäftsführer an.

Keine Überdramatisierung

Der Film „Lautlose Tropfen – das Buch stammt von den beiden Produzenten Jochen Ketschau und Mirko Schulze, Regie führte Holger Haase – ist dankenswerterweise nicht der Versuchung erlegen, die Handlung zu überdramatisieren, wenn dies bei einem solchen Thema überhaupt möglich ist. Um den Fokus nicht zu verlieren, bleibt der Rahmen stabil: So kann sich Franziska keine bessere Freundin als Suse (Mira Bartuschek) wünschen. Sie stellt Franziskas Schrecken in keiner Weise in Frage und unterstützt sie bedingungslos. Franziskas Ehemann Freddy (Max von Pufendorf) ist überaus verständnisvoll, ohne mit seinen eigenen Emotionen hinterm Berg zu halten. Und auch die Polizei in Person von Kommissarin Nesbö (Theresa Henning) wird keineswegs klischeehaft als unwillig und unfähig dargestellt oder als Institution, die es einer vergewaltigten Frau in dieser Situation noch schwerer macht. Stattdessen wird herausgestellt, wie heimtückisch K.-o-Tropfen sind, weil sie frei erhältlich sind und dem Opfer unbemerkt bei nahezu jeder Gelegenheit verabreicht werden können. Kurzum: Man merkt allen, die an diesem Film beteiligt sind, an, dass es ihnen um das Thema, nicht den Effekt geht.

Der Film stellt jedoch nicht nur dar, wie gefährlich K.-o.-Tropfen sind, er will zugleich Mut machen. Franziska reicht es nicht, das Geschehene in Therapiesitzungen zu verarbeiten. Sie will ihren Peiniger stellen. Dafür ist sie zu großen Risiken bereit – sodass aus dem Drama zum Schluss zugleich ein Thriller wird. Allerdings wäre dem Film ein besserer Titel zu wünschen gewesen. „Lautlose Tropfen“ gibt nicht annähernd die Dramatik dieses Themas wieder.

„Lautlose Tropfen“, Sat 1, Montag, 20 Uhr 15

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