Moderator von „Frontal und „Auslandsjournal“ : TV-Journalist Ulrich Kienzle gestorben

Als Korrespondent in arabischen Ländern machte sich Ulrich Kienzle einen Namen. Mit Bodo Hauser stritt er sich im ZDF. Nun ist der Journalist gestorben.

TV-Legende: Journalist Ulrich Kienzle.
TV-Legende: Journalist Ulrich Kienzle.Foto: imago images/Müller-Stauffenberg

Man kann nicht gerade sagen, dass Ulrich Kienzle ein bequemer Journalist und Mitarbeiter von ARD und ZDF war. Und das ist positiv gemeint.

Mit dem Abstand von rund vier Jahrzehnten berichtete Kienzle im Gespräch mit dem Medienwissenschaftler Lutz Mükke über zwei kontroverse politische Interventionen in seine Berufsausübung. 1974 lehnt er als ARD-Korrespondenten für die Arabische Welt die persönliche Aufforderung des BND-Präsidenten ab, dem deutschen Auslandsgeheimdienst Informationen zukommen zu lassen. Nachdem der Journalist dann 1977 über geheime Unterstützung Israels für die südlibanesischen Maroniten im Bürgerkrieg berichtet hatte, beschuldigte ihn der israelische Botschafter in einem Protestanruf beim SDR-Intendanten Hans Bausch der Lüge. Bausch übernahm diese Bewertung und veranlasste Kienzles Wechsel nach Südafrika. Israels Regierungschef Begin bestätigte die von Kienzle berichtete israelische Unterstützung ein halbes Jahr später öffentlich.

Das und die legendären Auftritte an der Seite von Bodo Hauser später in den 1990er Jahren sind die Bilder, die man bei der Nachricht im Kopf hat, dass der bekannte Fernsehjournalist und Nahost-Experte Ulrich Kienzle tot ist. Das teilte das ZDF am Freitag in Mainz mit. Er starb am Donnerstag in Wiesbaden.

„Ulrich Kienzle war ein Top-Journalist“, würdigte ihn ZDF-Chefredakteur Peter Frey. „Er hat die Welt vor Ort in Augenschein genommen, um die Konflikte wirklich zu verstehen, über die er dann berichtet hat. Mit seiner Lust, Kante zu zeigen, und mit seinem verschmitzten Humor hat er an der Seite von Bodo Hauser ZDF- und Fernsehgeschichte geschrieben.“ Kienzle wurde 83 Jahre alt.

„Einer meiner peinlichsten Momente"


Mit dem 2004 gestorbenen Hauser hatte Kienzle von 1993 bis 2000 das ZDF-Politikmagazin „Frontal“ moderiert und sich Wortduelle geliefert.

Kienzle wurde am 9. Mai 1936 im baden-württembergischen Neckargröningen geboren. Er studierte Politische Wissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte an den Universitäten München und Tübingen.
Seine Karriere begann Kienzle in den 1960er Jahren beim Süddeutschen Rundfunk, als ARD-Korrespondent berichtete er aus mehreren arabischen Ländern. 1990 wechselte er zum ZDF und leitete dort unter anderem die Hauptredaktion Außenpolitik.

Zunächst moderierte er das "Auslandsjournal". 1993 übernahm er dann zusammen mit Bodo Hauser Moderation und Redaktionsleitung des Politmagazins "Frontal", in dem er als Gegenpart Hausers die „linke“ Seite des politischen Spektrums vertrat. Sie prägten damit eine ganz eigene Art der bi-polaren Moderation eines politischen TV-Magazins. Legendär ist bis heute der „Reißwolf“, ein Aktenvernichter, dem die beiden die seltsamsten Tickermeldungen der Woche zum Fraß vorwarfen.

Später präsentierten die beiden im Zweiten die Sendung "Hauser & Kienzle und die Meinungsmacher". Immer etwas knorrig, stets kundig und humorvoll - so trat Kienzle als Nahost-Experte in diversen Talkshows auf.

Nicht alles war lupenrein in Sachen Berufsehre. Während und nach seiner Zeit als Auslandskorrespondent traf Kienzle zahlreiche Staatschefs. 1975 interviewte er den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi in einem Wüstenzelt, dreieinhalb Wochen musste er darauf warten. Besonders bemerkenswert, aber auch umstritten war sein Interview mit dem irakischen Diktator Saddam Hussein 1990 während dessen Besetzung Kuwaits, die Monate später zum Zweiten Golfkrieg führte. Kienzle selbst nannte das vertraute Händeschütteln mit Saddam nach dem Gespräch in der Rückschau „einen meiner peinlichsten Momente.“

Das kann jedoch nichts an der Einschätzung ändern: Der Mann mit dem markanten Schnauzer war ein exzellenter, ein Ausnahme-Journalist.

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