Moskau, Washington, Köln : Fritz Pleitgen wird 80

Anfang der 1970er Jahre war Fritz Pleitgen der erste westliche Journalist, der Leonid Breschnew interviewte. Jetzt wird der ehemalige Auslandskorrespondent und WDR-Intendant 80.

Der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen wird 80.
Der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen wird 80.Foto: Arne Dedert/dpa

Das Bild hat Mediengeschichte gemacht. Es zeigt zwei Männer mit Pelzmütze Anfang der 1970er Jahre. Der eine war Leonid Breschnew, der Staatschef der Sowjetunion, der andere Fritz Pleitgen, ARD-Korrespondent in Moskau. West und Ost befanden sich mitten im Kalten Krieg, die Entspannungspolitik von Willy Brandt war noch eine frühlingshafte Hoffnung, die Pleitgen aber nachhaltig prägte. Bei einem Arbeitsbesuch des französischen Staatspräsidenten Georges Pompidou in Minsk gelang Pleitgen das Husarenstück. Er drang an den Sicherheitskräften vorbei zu Breschnew, stellte ihm auf Russisch einige Fragen.

Es war das erste Interview, das der KPdSU-Chef einem westlichen Journalisten gab. Breschnew war von seinem Gegenüber so fasziniert, dass er bei einem späteren Deutschlandbesuch darauf bestand, erneut von Pleitgen interviewt zu werden.

Der Entspannungspolitik von Willy Brandt zugetan

An diesem Mittwoch wird der gebürtige Duisburger Pleitgen 80 Jahre alt. Sieben Jahre arbeitete Pleitgen als Auslandskorrespondent in Moskau, danach ging es nach Ost-Berlin  und 1982 nach Washington. Es war die Ära Ronald Reagans – der anders als Trump immerhin ein politisches Programm hatte, wie Pleitgen unlängst sagte.

Sein Interesse am Ausland blieb. Selbst während seiner Zeit als WDR-Intendant zwischen 1995 und 2007 und als Präsident der Europäischen Rundfunkunion EBU bereiste er für Reportagen unter anderem den Kaukasus und die Rocky Mountains. Pleitgen war und ist ein beherzter Vertreter eines starken öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Er gehörte zu den entscheidenden Befürwortern des Ereignis- und Informationskanals Phoenix.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Pleitgen in einem Glückwunschbrief als „bedeutenden Journalisten und scharfsinnigen Beobachter“. Es gebe „nur wenige Journalisten, die sich die Anerkennung sowohl von Politikern über Parteigrenzen hinweg als auch von Kollegen in so hohem Maße erworben“ hätten wie Pleitgen. Pleitgen engagiert sich vielfach ehrenamtlich, unter anderem seit 2011 als Präsident der Deutschen Krebshilfe.
Für Entspannungspolitik setzt sich Pleitgen noch immer ein. Um die Spannungen abzubauen, sollte der Westen auf Moskau zugehen, rät er und empfiehlt, ein gleichberechtigtes Verhältnis mit Russland herzustellen. Kurt Sagatz

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