Nach dem Ende von iTunes : Wo, bitte, geht's zum Store?

Apple verabschiedet sich von iTunes. So kann man Sarah Connors „Vincent“ auch weiterhin einzeln oder andere Alben komplett kaufen.

Zwei Fragen, eine Antwort: Wo kann man den Song „Vincent“ komplett hören und wie kauft man künftig Musik, statt sie nur im Abo zu streamen?
Zwei Fragen, eine Antwort: Wo kann man den Song „Vincent“ komplett hören und wie kauft man künftig Musik, statt sie nur im Abo zu...Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Das Angebot klingt verlockend: Über 40 Millionen Songs bei Spotify kostenlos mit Werbeunterbrechungen oder für 9,99 Euro werbefrei hören. Konkurrent Deezer bietet zu gleichen Konditionen sogar 53 Millionen Songs. Einen Kostenlos-Zugang bietet Amazon zwar nicht, aber ab 7,99 Euro können Prime-Mitglieder auf einen Katalog von über 50 Millionen Songs zugreifen.

Wer will angesichts solcher Zahlen bei vergleichsweise niedrigen Kosten noch Songs oder Alben kaufen? Diese Frage stellt sich umso mehr, nachdem Apple das Ende von iTunes angekündigt hat. Auf Mac-Computern wird das Verwaltungsprogramm mit dem neuen Betriebssystem Catalina im Herbst verschwinden.

Wie bereits jetzt auf iPhones und iPads wird das Verwaltungsprogramm durch drei Apps für Musik, Podcasts und Videos abgelöst. Streamen statt eigene Musikbibliothek, wenn es nach Spotify, Deezer, Amazon, Apple und Google geht, löst das Abo-Modell das Prinzip des Besitzens bald komplett ab. Können doch auf diese Weise die Internet-Giganten den Musik-Verlagen noch besser die Preise diktieren.

Doch längst nicht jeder Musikliebhaber lässt sich von der schieren Größe der Abo-Kataloge blenden. Die eigene Sammlung, die auch dann noch uneingeschränkt genutzt werden kann, wenn man sein Spotify- oder Apple-Music-Abo nicht verlängern möchte, hat einen Wert an sich. Nur der Weg dorthin wird immer beschwerlicher. In der Musik-App von Apple kann nichts gekauft werden. Selbst in Apples iTunes-Software für Windows – dies es auch dem Aus von iTunes auf Mac-Computern zumindest vorübergehend weiter geben wird - sind inzwischen ein paar Klicks mehr nötig, um in den Store zu gelangen. Genau wie bei Amazon Music oder Google Play wird man bei der Suche nach neuen Alben oder ausgewählten Songs unweigerlich Richtung Abo-Abschluss gedrängt.

Versteckt, aber möglich: die Kauf-Funktion

Die entscheidende App für den Kauf von Songs und Alben ist auf iPhones und iPads der „iTunes Store“ – zu erkennen an einem weißen fünfzackigen Stern auf violettem Hintergrund. In diesem Programm wird freilich ebenfalls für das Apple-Music-Abo geworben, aber direkt daneben schon das neue Sarah-Connor- Album „Herz Kraft Werke“ angeboten. Einzelne Songs wie „Vincent“ kosten 1,29 Euro, das gesamte Album 12,99 Euro. Der Song ist deswegen in der Diskussion, weil er von einigen Radiosendern nicht oder nur gekürzt gespielt wird. In „Vincent“ wird das Coming-out eines Schwulen thematisiert.

Der iTunes-Store wird die Musikverwaltung iTunes überdauern, und zwar auf den Plattformen MacOS (Apple Computer), iOS (iPhones/iPads), AppleTV und Windows-PCs/Notebooks. Die dort erworbenen Musikstücke landen auf Mac-Computern in der Music-App (sobald das neue Betriebssystems Catalina veröffentlicht wird). Podcasts wandern in die Podcast-App. Hinzu kommt noch die überarbeitete Bücher-App, in die dann auch Hörbücher landen.

Auf Windows-Computer bleibt dagegen alles beim Alten. Die Nutzer werden zwar über die Menüpunkte „Für dich“, „Entdecken“ und „Radio“ in Richtung Abo gedrängt, doch der Store befindet sich nur eine kleine Mausbewegung rechts daneben. Und natürlich kann auch weiterhin Musik auf einer CD gekauft werden, um sie entweder direkt in einem Player abzuspielen oder mit einem geeigneten Computer in ein Format wie MP3 umzuwandeln.

Mehr zum Thema

Selbst wenn es künftig nicht mehr möglich sein sollte, Songs in iTunes hochzuladen, um sie dann wie online gekaufte Musik zu streamen, lässt sie sich doch auf iPhones, iPads und anderen Smartphones oder Tablets transferieren – in Windows über iTunes, auf Macs dann über den Finder. Das mag umständlicher sein als bislang, aber oftmals ist es eben eine bewusste Entscheidung, welche Musik man hören möchte und auf welchem Weg.

0 Kommentare

Neuester Kommentar