Nachrichten aus der Isolation : So stellen die TV-Sender ihre Arbeit sicher

Der ORF isoliert seine Mitarbeiter. So sichern ARD, ZDF, RTL und ProSiebenSat1 die Arbeit ihrer Nachrichtenredaktionen.

TV-News sind während der Corona-Krise stärker gefragt denn je. Auch Moderatoren wie Peter Kloeppel, Ulrike von der Groeben (im Bild) oder ihre Kollegen von ARD aktuell und ZDFheute können erkranken.
TV-News sind während der Corona-Krise stärker gefragt denn je. Auch Moderatoren wie Peter Kloeppel, Ulrike von der Groeben (im...Foto: RTL

Dienstagabend, 20 Uhr, Susanne Daubner moderiert die „Tagesschau“. Wie hoch ist die Zahl der Corona-Infizierten? Welche Maßnahmen sind zu erwarten? Was passiert gerade in China? Millionen Zuschauer verfolgen täglich die Online-News-Ticker der Zeitungen und Sender und versammeln sich abends vor den TV-Bildschirmen, um mit „Tagesschau“, „heute-journal“ oder „RTL aktuell“ ihr Wissen zur Pandemie abzugleichen.

Nur: Was ist, wenn Daubner, Ingo Zamperoni, Marietta Slomka oder Peter Kloeppel das Coronavirus ereilt? Oder ihre Kollegen im Hintergrund, die Redakteure? Wer stemmt die Sendungen, wo das Informationsbedürfnis so hoch ist wie nie?

Der ORF hat eine drastische Lösung gewählt und seine Mitarbeiter in isolierte Bereiche des Senders gebracht. Um in der Coronavirus-Krise weiter Nachrichten für den österreichischen Sender produzieren zu können, ziehen Armin Wolf und Moderationskollegen sowie zahlreiche Mitarbeiter in isolierte Areale an Senderstandorten ein. 180 Mitarbeiter sollen sich nach vorheriger medizinischer Untersuchung rund um die Uhr in den Isolationsbereichen aufhalten, dort übernachten und verpflegt werden.

"Wir teilen die Teams"

Ganz so dramatisch sieht es bei „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ in Hamburg nicht aus. „Um die Arbeit von ,ARD aktuell’ nicht zu gefährden, teilen wir die Teams“, sagt Marcus Bornheim, Erster Chefredakteur ARD-aktuell. „Unsere Frühschicht und unsere Spätschicht dürfen nicht mehr gleichzeitig im Newsroom sein.“

Auch die Bewegungsfreiheit in den Pausenräumen sei eingeschränkt: Nur noch vier Mitarbeiter dürfen gleichzeitig darin sein. „Die Zahl der Anwesenden haben wir um über 50 Prozent reduziert. Unsere Homepage, unsere Social-Kanäle und unsere Themenplanung kann man gut im mobilen Arbeiten machen.“

Schwierig, so Bornheim, sei das klassisch lineare Fernsehen. Dafür brauche man immer eine Mannschaft im Newsroom und eine Sprecherin und Sprecher vor der Kamera. „Die ,Tagesthemen’ haben sich sehr intelligent aufgestellt: Viele Redakteursaufgaben werden zu Hause erledigt, zwei Chefs vom Dienst sind zur Sendeabwicklung hier und die Moderatoren halten sich getrennt von der Redaktion auf.“

Um den Schutz von Reporterteams, die für die ARD im Einsatz sind, kümmern sich die Landesrundfunkanstalten. Das Sichtbarste sei der Mikrofonschutz mit Plastiküberzug.

Pläne für den Notfall

Ähnlich das ZDF. „In den aktuellen Nachrichtenredaktionen wurden bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Sendesicherheit zu gewährleisten“, sagt ein Sprecher des Mainzer Senders. Dort werde in verkleinerten, rotierenden und räumlich getrennten Teams gearbeitet. „Im Online-Bereich arbeiten viele Kollegen im Homeoffice. Sitzungen und unmittelbare Kontakte werden so weit wie möglich reduziert und durch Schaltkonferenzen ersetzt.“

Die unterschiedlichen Produktionsstandorte des ZDF (Mainz, Berlin, Düsseldorf, München und Landesstudios) leisten bereits gegenseitige Unterstützung und können bei Bedarf Aufgaben wechselseitig übernehmen. Darüber hinaus gebe es Notfallpläne, die bei Bedarf aktiviert werden können.

Das gestiegene Informationsbedürfnis spüren auch die Privatsender, besonders die jüngeren Zielgruppen informieren sich dort eher als bei den Öffentlich-Rechtlichen. Das gilt unter anderem für „RTL aktuell“ und die kurzfristig zum Coronavirus ins Programm genommenen „RTL Aktuell“-Spezials, die unter den 14 bis 49-Jährigen auf Marktanteile von bis zu 23,5 Prozent kommen.

Coronafälle in Köln

Doch der in Köln beheimatete Sender berichtet nicht nur von der Pandemie, sondern ist auch selbst betroffen. „Leider sind seit vergangener Woche auch in der Mediengruppe RTL vereinzelt positive Corona-Fälle aufgetreten. Alle erkrankten Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne beziehungsweise sind nach einem Urlaub direkt in häuslicher Quarantäne geblieben“, sagte ein Sendersprecher dem Tagesspiegel. Alle Kontaktpersonen aus dem Kollegenkreis wurden informiert und in häusliche Quarantäne und Homeoffice geschickt.

Eine interne Arbeitsgruppe bewertet aktuelle Entwicklungen von Tag zu Tag und ergreift entsprechende Maßnahmen. Zum Schutz der Belegschaft wurde die Präsenz am Standort Deutz und in den Außenstudios und Büros vor anderthalb Wochen auf diejenigen Mitarbeiter reduziert, die für die Sicherstellung zentraler Tätigkeiten wie des Produktions- und Sendebetriebs erforderlich sind.

Alle anderen arbeiten bis auf weiteres im Mobile Office. Kritische Abteilungen wie unter anderem die Sendeabwicklung wurden räumlich geteilt, um immer auf ein gesundes Team zugreifen können. Zudem besteht die Möglichkeit, aus dem Hauptstadtstudio oder den Studios in Köln-Ossendorf zu senden.

Soweit möglich im Homeoffice

Auch ProSieben ist in ähnlicher Weise aufgestellt. Auch bei dem Münchner Sender liegen die Spezial-Sendungen zur Corona-Krise immer über de Durchschnitt der jeweiligen Programmstunde. Beim Schwestersender Sat1 gilt das gleichermaßen für die "Sat1-Nachrichten, die an einigen Tagen auf über 2,7 Millionen Zuschauer kamen.

„Alle aktuellen Redaktionen arbeiten so weit wie möglich im Homeoffice. Schnittplätze können von zuhause bedient werden und auch Regisseure und Sende-CvDs können Sendungen aus dem Homeoffice ‚fahren'“, sagt ProSiebenSat1-Chefredakteur Sven Pietsch. Die Zahl der in den Redaktionen anwesenden Mitarbeiter wurde auf ein Minimum reduziert. Sie halten strikte Regeln ein und arbeiten in Einzelbüros. Einige Teams sind zweigeteilt, in Homeoffice und Redaktion, und rotieren im wöchentlichen Wechsel.

Es scheint also das Menschenmögliche getan, um den systemrelevanten Rundfunkbereich am Laufen zu halten, wie auch ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz sagte: „Der ORF hat gerade jetzt den Auftrag, die Österreicher unter allen Umständen mit umfassender Information zu versorgen.“

Isolationspläne wie im Nachbarland gibt es aber auch bei ProSieben nicht. Corona-Verdachtsfälle werden sofort isoliert, ebenso alle Kontaktpersonen in der zweiten Reihe. „Mit den genannten Maßnahmen gewährleisten wir nicht nur reibungslose Sendeabläufe und damit die Versorgung unserer Zuschauer mit Informationen, sondern auch die Sicherheit unserer Mitarbeiter“, hofft Pietsch.