Neue RBB-Reprotagereihe : „Mehr als Katastrophen, Krisen und Missstände“

"Besser geht immer": Im RBB-Fernsehen gibt es von Montag konstruktiven Journalimus. Interview mit Astrid Frohloff

Astrid Frohloff startet am Montag um 21 Uhr die neue RBB-Reportagereihe „Besser geht immer“. In der ersten Ausgabe sucht sie nach kreativen Bürokraten für eine moderne Verwaltung .
Astrid Frohloff startet am Montag um 21 Uhr die neue RBB-Reportagereihe „Besser geht immer“. In der ersten Ausgabe sucht sie nach...Foto: rbb/Gundula Krause

Frau Frohloff, für die neue RBB-Reportagereihe „Besser geht immer“ haben Sie nach Vorbildern für eine innovative und bürgerfreundliche Verwaltung gesucht. Sind Sie fündig geworden?

Und ob! Fast jedes andere Land in Europa ist da besser aufgestellt als wir. Im europäischen Vergleich ist die Industrienation Deutschland in Sachen moderne digitale Verwaltung komplett abgehängt, da liegen wir blamablerweise nur auf Platz 21 von 28. Dass es auch ganz anders geht, zeige ich am Beispiel Wien, wo die Verwaltung längst durchdigitalisiert und damit bürgerfreundlicher geworden ist. Und ich reise nach Barcelona, wo die Behörden das beinahe revolutionäre Programm „Power to the People“ ausgerufen haben.

Ihre Reportagen folgen dem Trend zum konstruktiven Journalismus. Ist das nur eine Umschreibung für „Anders geht immer“ oder ein besserer Journalismus?
Nett formuliert. Aber darum geht es gar nicht. Ich bin der Überzeugung, dass sich Zuschauer von Medien abwenden, wenn sie nur noch als Aufregungsmaschine funktionieren. Kein Mensch will nur von Krisen, Katastrophen und Missständen hören. Zum anderen weiß jeder, dass das Leben nicht nur aus dramatischen Ereignissen und Sackgassen besteht. Viele Menschen arbeiten jeden Tag an inspirierenden Lösungen und suchen kreativ nach neuen Wegen. Auch diese Seite der Realität müssen die Medien abbilden. Ein vollständiges Bild darzustellen, gehört zum Qualitätsjournalismus! Das ist mir nach vielen Jahren im investigativen und Nachrichtenjournalismus klargeworden.

Keine Kampagnen für das Gute

Wo sind die Grenzen?
Journalismus hat die zentrale Aufgabe zu berichten, was ist. Wir müssen die Realität abbilden. Und zwar die ganze. Dazu gehört, auch über Vorbildliches und Gelungenes zu berichten. Aber: Wir dürfen im konstruktiven Journalismus nicht in einen Fehler verfallen, Kampagnen für das Gute machen. Der aufbauende Journalismus muss bei seiner Rolle bleiben: Vermitteln zwischen dem, was passiert und dem, der es wissen will. Wir stehen in der Mitte, deshalb heißen wir Medien.

Was war nötig, damit ein solches Format im RBB möglich wurde?
Da war nicht viel Überzeugungsarbeit nötig. Meine Formatidee fiel sofort auf fruchtbaren Boden. Ich glaube, die Zeit ist reif für mehr konstruktiven Journalismus. Es ist für einen Sender wichtig, den Zuschauern auch Formate anzubieten, die Lösungsmöglichkeiten für Probleme und Auswege aufzeigen. Und mit dem eigenständigen Constructive-Format „Besser geht immer“ nimmt der RBB jetzt eine Vorreiterrolle im Fernsehen ein.

Positives Denken fördert die Gesundheit

Die Reportagereihe wird erst im Herbst fortgesetzt. Ist zu viel positives Denken möglicherweise doch schädlich?
Auf keinen Fall, Sie wissen ja, positives Denken fördert die Gesundheit. Aber im Ernst – die Planungshoheit liegt beim Sender, da wird in der Regel langfristig gedacht. Davon abgesehen: Eine 45-Minuten-Doku mit intensiver Recherche und mehrtägigen Dreharbeiten im Ausland lässt sich auch nicht in zwei, drei Wochen runterrocken.

Und was haben Wien und Barcelona denn nun, was wir in Berlin nicht haben?
Die Verwaltung in Wien ist ein topmoderner Dienstleister. Fast sämtliche Bürgerdienste können ganz bequem online von zu Hause genutzt werden oder sogar unterwegs vom Handy. Viele Dokumente, zum Beispiel die Geburtsurkunde, bekommen die Wiener direkt nach Antragstellung in die Hand gedrückt oder schnell zugeschickt. Nur mal zum Vergleich: In Berlin wartet man nach der Geburt eines Kindes zurzeit sechs Wochen auf die Geburtsurkunde! In Barcelona wurde zugleich ein erstaunliches Gesellschaftsexperiment gestartet: Über Online-Portale können die Bürger direkt Einfluss nehmen auf politische Entscheidungen. Basisdemokratie pur ist das Ziel. Spannend.

Das Gespräch führte Kurt Sagatz.

Astrid Frohloff startet am Montag um 21 Uhr die neue RBB-Reportagereihe „Besser geht immer“. In der ersten Ausgabe sucht sie nach kreativen Bürokraten für eine moderne Verwaltung .

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