Neue Serie auf Sky: „Run“ : Ruby rennt

Sollte man alte Lieben aufwärmen und alles stehen und liegen lassen, wenn der Ex anruft? Die Sky-Serie „Run“ weiß Rat.

„Ich hoffe, du hast gute Gründe.“ Bill (Domhnall Gleeson) hat Ruby (Merritt Wever) mit einem Codewort in den Zug gelockt.
„Ich hoffe, du hast gute Gründe.“ Bill (Domhnall Gleeson) hat Ruby (Merritt Wever) mit einem Codewort in den Zug gelockt.Foto: Sky

Preisfrage: Welche Schauspielerin/Autorin/Produzentin steckt dahinter, wenn einem gleich zu Beginn einer Serie sieben, acht Mal das „F...“-Wort entgegengeschleudert wird? Nein, Antwort B, Katrin Bauerfeind, ist falsch.

Richtig ist: Phoebe Waller-Bridge, berühmt-berüchtigt wegen der von ihr geschriebenen und gespielten preisgekrönten Serie „Fleabag“ über die Lieben und Nöte eine der tollsten weiblichen Figuren der jüngeren Seriengeschichte. In „Run“, dem neuen Werk aus dem Hause Waller-Bridge, hat sich die britische Golden-Globe-Gewinnerin zurückgenommen.

Als Produzentin schickt sie ein junges Paar auf wilde, romantische Reise, eine wiederum atemberaubende siebenteilige Serie, deren einziger Makel es vielleicht ist, ständig mit „Fleabag“ verglichen zu werden.

Waller-Bridge taucht denn auch nur in einer Nebenrolle auf. In „Run“ geht es um Ruby, eine Architektin (Merritt Wever, „Unbelievable“), und Bill (Domhnall Gleeson, „Star Wars“), einen Sachbuchautor für praktische Lebenskunde, und die Frage, was man tun sollte, wenn sich urplötzlich die Jugendliebe wieder bei einem meldet, um es noch mal miteinander zu versuchen.

Guter Stoff: Das will doch jeder mal in irgendeiner Phase seines Lebens wissen. Die von ihrer Ehe gelangweilte Ruby bekommt das Codewort „Run“ auf ihr Handy gesimst. Mit ihrem Collegefreund Bill hatte sie sich vor Jahren abgesprochen, auf diese Kurznachricht hin alles stehen und liegen zu lassen, um sich in New York in der Central Station zu treffen und gemeinsam loszufahren. Irgendwohin, Hauptsache weg, egal, wer oder was zurückbleibt.

Wer mehr von Phoebe Waller-Bridge sehen will, dem sei „Crashing“ ans Herz gelegt

Doof nur, wenn dem Verbündeten auf die Frage, was ihn denn nun zu diesem Aufruf – dem Breakout-Szenario – veranlasst hätte, einfällt, er sei betrunken gewesen. Da muss frau schon mal mehrmals „F.....!“ brüllen dürfen, zumal der Ehemann ständig im Zug anruft und Ruby droht, die Polizei zu verständigen.

Ist diese alte, neue Liebe besser? Eine romantische Serie? Nicht nur. Das Ganze entwickelt sich natürlich noch ganz anders, ähnlich wie bei „Fleabag“ (in Deutschland bei Amazon Prime) mit seinen dreidimensionalen Charakteren, die eine Sache sagen und in der nächsten Folge etwas anderes meinen.

Es braucht etwas Zeit, bis „Run“ in dieser Richtung Interesse weckt und Fahrt aufnimmt „Run“ (sieben Folgen, jeden Montag eine neue Episode, auf Sky). Bis aus dem Gefühlschaos sogar eine Art romantischer Thriller mit Gruselelementen wird, ohne hier zu viel zu spoilern.

Ausgedacht hat sich das HBO-Format Vicky Jones, die auch schon bei „Fleabag“ und bei „Killing Eve“, einem weiteren Waller-Bridge-Projekt, ihre Hände im Spiel hatte.

Wer mehr von Phoebe Waller-Bridge sehen will, dem sei die sechsteilige Comedydramaserie „Crashing“ ans Herz gelegt, auf Netflix. Da geht es gleich mal mit einem Orgasmus-Liedchen los.

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