Neue TV-Serie „Dunkelstadt“ : Verkaterte Detektivin

Alina Levshin und ihr Talent für starke, lässige Frauenrollen. In „Dunkelstadt“ spielt sie eine Privatdetektivin in Antwerpen.

Zu viel Whiskygenuss. Ihre Fälle löst Doro (Alina Levshin) meist im Undercover-Modus, als Journalistin, Kellnerin oder Obdachlose.
Zu viel Whiskygenuss. Ihre Fälle löst Doro (Alina Levshin) meist im Undercover-Modus, als Journalistin, Kellnerin oder Obdachlose.Foto: ZDF und Sofie Silbermann

Vor ziemlich genau zehn Jahren hinterließ eine junge Schauspielerin das erste Mal großen Eindruck: Alina Levshin spielte in Dominik Grafs Krimiserie „Im Angesicht des Verbrechens“ eine junge Ukrainerin, die in einem mafiösen Berlin ihren Träumen nachjagt. Eine schmale, zarte Person mit festem Willen. Wenig später feierte sie mit einer weniger zarten Rollenfigur ihren größten Erfolg. Für die Darstellung eines Neonazi-Mädchens in „Kriegerin“ regnete es 2012 Preise.

2014 stieg sie gemeinsam mit Friedrich Mücke nach zwei Folgen aus dem Erfurter „Tatort“-Team aus. Danach wurde es ruhiger um die 1984 in Odessa geborene Levshin, die im Alter von sechs Jahren mit ihren Eltern nach Berlin kam. Nun folgt die Hauptrolle in einer in Antwerpen gedrehten ZDFneo-Serie. Als Privatdetektivin in „Dunkelstadt“ beweist Alina Levshin ihr Talent für komische Szenen und starke, lässige Frauenrollen – auch wenn das Rauchen bei ihr irgendwie angelernt wirkt. „Es hat einen Hauch von einem Comic“, sagte sie im Interview mit der „Teleschau“ über die deutsch-belgische Produktion. Ihre Figur wirke „erst mal nicht so heldenhaft, das finde ich toll“.

[„Dunkelstadt“, sechs Folgen, ZDFneo, mittwochs, 21 Uhr 45 Uhr; ZDF, ab 28. Februar, freitags, 0 Uhr Uhr; ab 26. Februar komplett in der Mediathek]

Häufig in Lebensgefahr, meistens verkatert, aber immer die Ruhe weg: Das ist Privatdetektivin Doro Decker, die neben allerlei Fällen den Tod ihres Polizisten-Vaters aufzuklären hat. Dunkel wie manche Ecken in der belgischen Hafenstadt ist manchmal auch ihr Gemütszustand, was man deshalb weiß, weil sie aus dem Off zum Publikum spricht. Sie beschwört das einsame Leben in der im Film namenlosen Stadt herauf, „die von allem zuviel hat, nur nichts für dich“. Sie lästert über sich selbst („Ich bin schwierig in Beziehungen jeder Art“) und wird gerne mal ironisch: „Der macht's ja richtig spannend. Hat er wohl in einem Krimi gesehen.“

Es ist nicht ganz klar, ob sie die Ausbildung an der Polizeischule abbrach oder gefeuert wurde. Jedenfalls wehrte sie sich dort gegen übergriffige Ausbilder. Polizist Chris (Artjom Gilz) hat ein Auge auf sie geworfen, sie bleibt auf Distanz. Wenn es denn sein muss, um etwa an Polizeiakten zu kommen, lässt sie sich auf ein Rendezvous ein – und kotzt ihrem Verehrer dann nach zuviel Whiskygenuss auf die neuen Sneakers. So ungerührt, wie Alina Levshin diese Szene spielt, wird sie erst wirklich komisch.

Den ganz großen Sprung gescheut

Leider ist „Dunkelstadt“ ansonsten nicht sehr dunkel, die Fälle (meistens) nicht originell und der Humor nicht schwarz genug. So sieht „Dunkelstadt“ aus wie eine Produktion, die die klassische Detektivserie aufmöbeln will, aber den ganz großen Sprung scheut. Der knittrige männliche Haudegen wird immerhin durch eine coole Frau abgelöst.

Doro Decker haust allein in einem unordentlichen Büro in einer tristen Hafengegend, im Kühlschrank steht eine Flasche Schnaps, und ohne ihren größten Fan, den schwulen Adnan (Rauand Taleb), der den Laden am Laufen hält, wäre sie vermutlich aufgeschmissen. Dennoch geht die Detektivin bemerkenswert aufrecht durchs Leben. Sie stoppt ein Komplott gieriger Parteipolitiker und rettet verschwundene Obdachlose.

Neben Whisky, Wodka, Rum verträgt sie auch sonst einiges: Jede Folge beginnt mit der aussichtslosen Lage, in die sie sich am Ende gebracht haben wird – in einem Keller gefesselt finsteren Gestalten ausgeliefert; auf der Rutsche in Richtung eines Verbrennungsofens geschubst; bewusstlos in einen Pool gekippt. Erst in Folge vier ist die Detektivin mal auf der sicheren Seite. Da hält sie einen Mann fest, der aus einem Fenster baumelt. Allerdings gibt es gute Gründe, den Serienmörder lieber nicht wieder ins Haus zu ziehen.

Ihre Fälle löst sie meist im Undercover-Modus, als Journalistin, Kellnerin oder Obdachlose. So wechselt Alina Levshin häufiger Outfit und Frisur, nur der alte Mercedes bleibt. Dem armen Rauand Taleb wurden schreiend bunte Hemden und eine groteske Staubwedel-Frisur verpasst. Dank Taleb wird Doros rechte Hand nicht zur Karikatur. Mit diesem ungleichen Duo kann man schnell warm werden.

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Und in Folge drei ist dann auch der Fall mal packender, was nicht zuletzt an Schauspieler Maximilian Mundt („How to sell drugs online (fast)“) liegt. Er spielt in dieser Episode einen seltsamen, reichen jungen Mann, der nach dem gewaltsamen Tod seines älteren Bruders allein in einer großen Villa lebt.

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