Wie stellt man heute noch ein Printmagazin auf die Beine?

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Neues Magazin : Hipster, der Berg ruft!
Sechs Euro kostet das vierteljährlich erscheinende Heft, gedruckt auf hochwertigem Naturpapier.
Sechs Euro kostet das vierteljährlich erscheinende Heft, gedruckt auf hochwertigem Naturpapier.Foto: promo

Mithilfe eines staatlichen Gründungszuschusses, von Anzeigenkunden und der spendenfreudigen Netzgemeinde erstellte Götz dann innerhalb eines Jahres ein Magazin, das sich irgendwo zwischen „Neon“, „Dummy“ und der „Landlust“ in Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen sowie ausgewählten Szeneläden wiederfinden und alle drei Monate in einer Auflage von 12 000 Heften erscheinen soll. Angesichts der Entschleunigungsthematik und einer an grobkörniger Analogfotografie angelehnten Bildästhetik erscheint der Name „Päng!“ wenig passend gewählt. „Wir haben ewig gesucht, bis jemandem ein Stift runterfiel und es eben Peng machte“, erklärt Götz. Dass es vor 35 Jahren ein Anarchoblatt mit dem gleichen Titel gegeben hatte, störte dabei nicht. Auf die Leser wartet die erste Ausgabe mit viel Praktischem, beispielsweise einer Reparaturanleitung für das eigene Fahrrad, einem Leitfaden zum Brötchenbacken und einem Bastelbogen für das „Endlich draußen spielen-Papierspielzeug“ zum Selbermachen.

Hipster-Olympiade
Wer hip sein will muss leiden: Eine Teilnehmerin der Hipster-Olympiade lässt sich "verschönern".Alle Bilder anzeigen
1 von 7Foto: Paul Zinken
21.08.2011 21:39Wer hip sein will muss leiden: Eine Teilnehmerin der Hipster-Olympiade lässt sich "verschönern".

„Da kann man Seiten einfach rausreißen“, freut sich Götz. Schließlich soll das Naturpapier, auf dem „Päng!“ gedruckt wird, nicht steril zu Hause liegen, sondern auf all die Abenteuer mitgenommen werden, die von überarbeiteten Stadtnomaden infolge des Lesekonsums angegangen werden. Deshalb kam es für Götz und die knapp 30 Mitarbeiter auch nicht infrage, auf den Druck zu verzichten und ihr Projekt online durchzuziehen. „Dies wäre kontraproduktiv, wir wollen ja auch junge Städter ansprechen und sie zu mehr ursprünglicher Freude animieren“, sagt Götz. Kein Wunder, dass unter dem Magazintitel die Botschaft „Für die Wirklichkeit gibt es keinen Ersatz“ auf die Leser wartet.

Trotz aller Andersartigkeit wartet auch „Päng!“ mit der für junge Zeitschriften fast obligatorischen „Ich bin Studentin und SM-Fetischistin“-Geschichte auf, auch eine Musikliste fehlt nicht, in der tatsächlich noch „Best of Cat Stevens“ und „Wonderwall“ von Oasis empfohlen werden. Ist die neue Zeitschrift also eine Plattform für Sehnsüchte nach dem Vergangenen, etwa nach dem Hippietum der 70er, dem Nihilismus der 80er oder dem Hedonismus der 90er? Eine Beruhigungspostille für gestresste Bacheloristen? So könnte man „Päng!“ sehen. Oder als Aufforderung an den Hipster, eine neue Balance zwischen Selbermachen und Gemachtwerden zu entwickeln.

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