Newseum in Washington : Schlechte Neuigkeiten

Symbol für die Medienbranche? Dem Newseum in Washington droht die Schließung.

Maren Hennemuth
Ungewisse Zukunft: Das Gebäude des Newseums an der Pennsylvania Avenue in Washington wurde aus Finanznot verkauft, eine neue Unterkunft muss her.
Ungewisse Zukunft: Das Gebäude des Newseums an der Pennsylvania Avenue in Washington wurde aus Finanznot verkauft, eine neue...Foto: Maren Hennemuth/dpa

Im Keller eines Glasbaus mitten im Washingtoner Regierungsviertel steht ein Stück der Berliner Mauer. Es gehört zu einer Dauerausstellung im Newseum, einem Medienmuseum in der US-Hauptstadt, und es soll den Besuchern verdeutlichen, was es heißt, in einer Diktatur zu leben, in der Meinungs- und Pressefreiheit eingeschränkt sind. Aber wie es aussieht, wird es nicht mehr lange dort stehen – die Zukunft des Newseums ist ungewiss.

Seit elf Jahren ist der mächtige Bau ein Denkmal für den Journalismus, prominent gelegen zwischen Weißem Haus und Kapitol. Aber das Museum ist laut US-Medienberichten hoch verschuldet. Im Januar verkaufte die dahinterstehende Stiftung das Gebäude für 372,5 Millionen US-Dollar (331,72 Millionen Euro) an eine private Universität. Es sei eine schwierige Entscheidung gewesen, aber man habe Verantwortung übernehmen müssen, erklärte die Stiftungsdirektorin Jan Neuharth. Bis Ende des Jahres soll das Museum offen bleiben. Die Stiftung sucht nach einer neuen Unterkunft, danach könnte das Ende drohen.

Man kann das als Sinnbild sehen für die Lage der Medienbranche, die seit Jahren mit wirtschaftlichen Problemen kämpft. Als düsteres Symbol für eine Zeit, in der US-Präsident Donald Trump Journalisten als „Feinde des Volkes“ beschimpft und nicht wenige Menschen das Vertrauen in die Medien verloren haben.

Zu wenig Publikum

Das Newseum habe seit Längerem Schwierigkeiten gehabt, sich ein Publikum aufzubauen, meint der Journalistikprofessor Edward Alwood von der Universität Maryland. Problematisch sei auch, dass gar nicht mehr klar sei, was heutzutage eigentlich Nachrichten seien.

Der Wissenschaftler verweist zudem auf die hohen Eintrittspreise. Erwachsene müssen fast 25 US-Dollar (rund 22 Euro) zahlen, um die Ausstellungen sehen zu können. Die umliegenden Museen des Smithsonian-Instituts dagegen sind kostenlos – darunter das renommierte Luft- und Raumfahrtmuseum und die nationale Kunstgalerie. Nach eigenen Angaben zieht das Newseum jährlich rund 800 000 Besucher an. Wie die Stiftung erklärte, ist es schwierig, mit den Eintrittspreisen die Betriebskosten zu decken.

Wenn man vom Weißen Haus über die Pennsylvania Avenue zum Kongress läuft, kann man das Museum kaum übersehen. An der Fassade prangt der erste Zusatzartikel der Verfassung. Jene Worte, die es dem Kongress verbieten, Gesetze zu verabschieden, die die Meinungs- und Pressefreiheit einschränken. Drinnen findet sich so manches Zeugnis der Zeitgeschichte. Wie der Notizblock, auf den der Reporter Michael Isikoff seine Aufzeichnungen über Bill Clintons Affäre mit Monica Lewinsky kritzelte. Oder der Anzug, den O. J. Simpson vor Gericht trug.

Zuviel Unterhaltung und Heldentum

An einer Wand im dritten Stock stehen die Namen von mehr als 2000 Reportern, die während ihrer Arbeit getötet wurden. Eine riesige Karte zeigt den Stand der Pressefreiheit weltweit. Kerzen erinnern an die fünf Journalisten, die im vergangenen Juni in der Redaktion der „Capital Gazette“ in Annapolis erschossen wurden. Aber manches am Newseum wirkt zu sehr auf Unterhaltung und Heldengeschichte getrimmt. Etwa die Ausstellung über die Hunde der US-Präsidenten. Oder die Schau über den Kampf des FBI gegen Terroristen, die etwas schrill und überladen daherkommt. Journalistikprofessor Alwood meint, die Einrichtung vereinfache die harte und oft gefährliche Arbeit von Journalisten zu sehr. Oder sie wird schlicht verherrlicht, wie in der Sektion über den Vietnamkrieg, wo behelmte Korrespondenten in den ersten „Fernsehkrieg“ ziehen. Das Newseum sucht lieber die Attraktion als die Analyse.

Im fünften Stock schließlich hängt eine Schautafel, die wie eine Botschaft an Trump klingt: „Kann man der Presse trauen?“, heißt es dort mit Blick auf Vorwürfe gegenüber Journalisten, sie seien voreingenommen in ihrer Berichterstattung. Jeder Mensch filtere Nachrichten unterschiedlich, deswegen gebe es auch verschiedene Ansichten über die Art und Weise, wie Nachrichten berichtet würden, heißt es in der Erklärung. Falsch ist das nicht und zugleich ein Fragezeichen für den Kerngedanken des Newseums, dass ernsthafter Journalismus immer der Wahrheit verpflichtet war, ist und sein wird. Mit allen Abstrichen und Einschränkungen, wie es auf einem T-Shirt im Shop zum Ausdruck kommt: „Trust me – I am reporter.“ (mit dpa)

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