Werbeeffekt in den Hauptnachrichten

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"Panama Papers" : Wer steckt hinter den Rechercheverbünden?

Das hänge auch damit zusammen, dass die mit den Anstalten kooperierenden Partner Vorteile aus der Zusammenarbeit ziehen, die sich eben nicht unbedingt in Geld ausdrücken. "Die Erwähnung in den Hauptnachrichten des Ersten hat durchaus einen gewissen Werbeeffekt." Dass dieser aber zumindest teilweise aus Mitteln aus den Rundfunkbeiträgen finanziert wird, lasse bei entsprechender Verfestigung zumindest eine gefühlt unberechtigte Bevorteilung einzelner Marktteilnehmer entstehen.

Der Begriff Kooperation gebe den Charakter der Zusammenarbeit besser wieder als der Terminus Verbund, sagt NDR-Sprecher Martin Gartzke. „Eine förmliche Vereinbarung über die Kooperation haben NDR, WDR und ,SZ' nicht geschlossen, und sie haben dies auch weiterhin nicht vor.“ Vielmehr sei es ein themenbezogener Zusammenschluss investigativer Redaktionen des NDR, des WDR und der "SZ". Sie stellen auch - projektbezogen - die Mitarbeiter. Insofern wechsle auch deren Anzahl.

Auch eine Weisungsbefugnis gebe es unter den drei Partnern nicht. so Gartzke weiter. "Die Verantwortung für eine Veröffentlichung bleibt bei dem jeweiligen Medium." Im Vordergrund der gemeinsamen Arbeit stünde das Bestreben, den Qualitätsjournalismus durch Vernetzung bei bedeutenden Recherchen zu stärken. "Alle Seiten profitieren, wenn eine Vernetzung Ergebnisse ermöglicht, die man allein so nicht erzielt hätte."

2015 erhielt "Correktiv" den Grimme Online Award

„Der größte Unterschied zu anderen Recherchebüros ist, dass wir unabhängig und nicht gewinnorientiert sind“, sagt David Schraven. Er ist Geschäftsführer von „Correctiv“, dem „ersten gemeinnützigen Recherchezentrum“, wie sich der Verband selbst bezeichnet. 2014 hatte der ehemalige Recherche-Chef der WAZ-Mediengruppe „Correctiv“ gegründet und seitdem mit einem Team aus renommierten Journalisten diverse Skandale aufgedeckt.

Dazu zählt eine Untersuchung zum Abschuss des Flugs MH17 der Malaysia Airlines über der Ostukraine. Diese ergab: Das Auswärtige Amt hat bereits Tage zuvor die Gefahren für Passagierflugzeuge über dem Konfliktgebiet gekannt. Dennoch sei keine Warnung ausgesprochen worden.

Die Geschichte wurde später vom „Spiegel“ veröffentlicht und von Medien in Europa, den USA und Asien aufgegriffen. 2015 erhielt das mehrfach ausgezeichnete Recherchebüro dafür den Grimme Online Award. Zu Schravens Team gehören Journalisten unter anderem vom „Spiegel“, der „Zeit“ und der „FAZ“. Dazu kommen ein Aufsichts- und ein Ethikrat.

Ihre Arbeit finanziert sich ausschließlich durch Spenden und Mitgliederbeiträge. Die erste große Geldspritze zum Start des Projekts kam mit rund drei Millionen Euro von der Essener Brost-Stiftung, die unabhängigen Journalismus unterstützt. Auch die Bundeszentrale für politische Bildung gehört zu den Geldgebern.

„Wir sind nicht darauf aus, riesige Geschichten zu machen“

„Wir gehen nicht danach: Wie kann ich eine Story am besten verkaufen?“, sagt Schraven. Wer den Marktgesetzen unterliege, suche sich bestimmte Geschichten aus: „Nicht aufwendig, risikobehaftet, sondern: Geringer Aufwand, möglichst hoher Ertrag.“ Das wolle man anders machen. Durch die Geldgeber, zu denen auch private Mitglieder zählen, sei man finanziell stabil.

Als Effekthascherei wollen die Journalisten ihre Arbeit deshalb nicht verstanden wissen. „Wir sind nicht darauf aus, riesige Geschichten zu machen“, sagt Schraven. „Wir wollen Geschichten vor allem für Regionalzeitungen machen.“ Diese seien „die wichtigsten Medien, die es gibt“, könnten sich aber oft eine tiefergehende Recherche nicht leisten.

Also übernehme „Correctiv“ die Arbeit für sie – kostenlos. In einer aktuellen Geschichte geht es um einen ehemaligen Stasi-Spitzel, der maßgeblich beim Aufbau des Pegida-Vereins geholfen hatte. Die Story kam der „Sächsischen Zeitung“ zugute. Man arbeite lieber mit einzelnen Partnern zusammen, statt Informationen breit zu streuen, sagt Schraven. So erziele man eine höhere Wirkung.

Welche Publikationen von „Correctiv“ profitieren, werde im Gespräch mit den jeweiligen Medien entschieden. „Correctiv“ hat ein umfangreiches Informanten-Netzwerk und arbeitet mit Journalisten auf der ganzen Welt zusammen. Die Recherchewege werden, soweit es der Quellenschutz zulässt, transparent gemacht.

Für die Tiefe der Offshore-Finanzwirtschaft, für geleakte Unternehmen hat es dann aber doch eines größeren Rechercheverbundes bedurft.