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Passwort-Panne : Das Daten-Desaster

Währenddessen habe sich die Information, dass das Passwort nach dem Gespräch zwischen Assange und Leigh unverändert gültig war, weiter verbreitet, erklärte Wikileaks jetzt in einer Darstellung der Panne. Dieser Kreis habe „in der vergangenen Woche eine kritische Masse erreicht.“

Die Wochenzeitung „Freitag“, ein Medienpartner von DomscheitBergs neuem Projekt Openleaks, hatte über die Verfügbarkeit der Original-Botschaftsdepeschen berichtet. Die Folge war eine neuerliche Eskalation im Krach zwischen Domscheit-Berg und Assange. Der Wikileaks-Gründer, der in London wegen strafrechtlicher Ermittlungen zu einem Sexualdelikt festsitzt und bei dem Medienkongress in Berlin deshalb nur per Video zugeschaltet wird, warf seinem früheren Mitarbeiter über einen Anwalt den Bruch von Absprachen und Selbstverpflichtungen sowie „ein gesteigertes Maß an Niedertracht“ vor.

Domscheit-Berg hält dagegen. „Die Personen, denen dieser Fehler bekannt war, haben dazu viele Monate geschwiegen und auch darauf gebaut, dass Herr Assange, dem der Fehler ja auch lange bekannt ist, verantwortlich reagiert und die betroffenen Personen mit einer öffentlichen Stellungnahme warnt“, schreibt er in einer Mail an die Deutsche Presse-Agentur. „Dies wäre der einzig richtige Schritt gewesen. Man hat allerdings entschieden, das Thema zu ignorieren und totzuschweigen. Dies kann nicht im Interesse von potenziell gefährdeten Menschen sein.“

Keiner Schuld bewusst ist sich auch der „Guardian“. Zwar habe Leigh in seinem Buch ein Passwort genannt. „Aber uns wurde gesagt, dass es ein zeitlich begrenztes Passwort sei, das verfallen und binnen Stunden gelöscht werde“, teilte die Londoner Zeitung am Donnerstag mit. Seit Mittwoch verbreitete sich das Passwort über den Internet-Dienst Twitter. Benötigt wird es nicht mehr. Auch die bereits entschlüsselten Daten sind nun im Internet verbreitet.

Es würde alles getan, um „denen beizustehen, die durch diese illegalen Enthüllungen zu Schaden kommen könnten“, sagte Victoria Nuland, eine Sprecherin des Außenministeriums, der „New York Times“. Wikileaks ist mit dem Desaster bereits beschädigt. Daten dürften der Enthüllungsplattform vorerst nicht mehr anvertraut werden. (mit dpa)