Peter Rüchel gestorben : Rock im Palast, Rock im Reihenhaus

Live und groß und laut. Peter Rüchel war Miterfinder des "Rockpalastes". Ein Nachruf auf den Musikjournalisten

Einmal Rocker, immer Rocker. Peter Rüchel, Erfinder des "Rockpalasts".
Einmal Rocker, immer Rocker. Peter Rüchel, Erfinder des "Rockpalasts".Foto: WDR

Musik ist nur gut, wenn sie laut ist. Und wenn sie dann noch richtig gut ist, dann ist sie Erlebnis, Spektakel, Festtag. Wie im "Rockpalast", den der Westdeutsche Rundfunk 1976 aufschloss. Aufschloss, weil sich der Leiter des Jugendprogramms, Peter Rüchel, mit Gleichgesinnten wie dem Regisseur Christian Wagner zusammentat. Live-Musik sollte es sein, groß aufgezogen wie in der Essener Gruga-Halle, mit Größen und Talenten im Rock-Business. Start der ersten regulären Rocknacht war vom 23. auf den 24. Juli, sechsstündig von der Eurovision übertragen. Rory Gallagher und Little Feat und nicht nur sie ließen es ordentlich krachen. Und Rüchels Initiative hatte Bestand, nicht wenige in Westdeutschland wuchsen mit dem "Rockpalast" auf, Abende und Nächte mit diesem Musikfernsehen ließen manches Reihenhaus beben.

Mehr Musikjournalist als Jugendprogrammleiter

Der Erfinder des "Rockpalasts" war beim Start schon 40 Jahre alt. Peter Rüchel wurde am 9. März 1937 in Berlin geboren. Nach Stationen beim Sender Freies Berlin und beim ZDF kam er 1974 zum Westdeutschen Rundfunk in Köln und übernahm die Leitung des Jugendprogramms, zwei Jahre später startete der Sender ein entsprechendes wöchentliches, halbstündiges Programm, aus dem wiederum der "Rockpalast" erwuchs. Rüchel war mehr Musikjournalist als Jugendprogrammbereichsleiter. Das zeigte sich rasch beim Line up im "Rockpalast". Auftritte wie die von The Who, The Police, Patti Smith oder Mother‘s Finest gehören zu den Meilensteinen im „Rockpalast“. Gleichzeitig bedeuteten die Engagements für viele Künstler den Durchbruch in Europa. Zu den großen Verdiensten Peter Rüchels gehörte es, nicht nur etablierten Größen, sondern auch kommenden Weltstars ein Forum gegeben zu haben, so etwa U2 im Jahr 1981 und R.E.M. vier Jahre später. 2003 ging Peter Rüchel in Rente, blieb dem Rockpalast, der im Juli 2017 sein 40. Jubiläum feierte, aber verbunden – als Berater und Editor der Rockpalast-DVD-Reihe. Und das Haar trug er weiter lang. Am Mittwoch ist Peter Rüchel in Leverkusen mit 81 Jahren gestorben. 

Keep on rocking

WDR-Intendant Tom Buhrow war und ist bekennender "Rockpalast"-Fan. „Der Tod von Peter Rüchel erfüllt uns mit Trauer", sagte er. Mit dem "Rockpalast" habe er vor mehr als 40 Jahren etwas Neues, Aufregendes und Einzigartiges geschaffen. "Dass Rüchels Werk weiterleben, um nicht zu sagen weiterrocken und seine Gültigkeit behalten wird, ist ein tröstlicher Gedanke.“

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