Phoenix-Korrespondent Erhard Scherfer : Einer, der sich keinen "Berliner Bären" aufbinden lässt

Erhard Scherfer hat für Phoenix während des SPD-Sonderparteitags Interviews geführt. Er weiß, wie das geht, er arbeitet als Parlamentskorrespondent in Berlin

Erhard Scherfer arbeitet in Berlin als Parlamentskorrespondent für den Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix
Erhard Scherfer arbeitet in Berlin als Parlamentskorrespondent für den Ereignis- und Dokumentationskanal PhoenixFoto: Phoenix

Gut, der „Tatort“ holte 11,52 Millionen Zuschauer. Die wahre Spannung am Sonntag aber bot nicht der ARD-Krimi, sondern die Sozialdemokratie bei ihrem außerordentlichen Bundesparteitag. Fast sieben Stunden leidenschaftliche Diskussion mit einer knappen Entscheidung im Abstimmungsfinale pro Groko.
Während die Argumente und die Stimmung wogten, bewahrte die Mannschaft von Phoenix kühles Blut. Der Ereignis- und Dokumentationskanal von ARD und ZDF übertrug die gesamte Strecke live. Mit großem Erfolg: Im Schnitt verfolgten 580 000 Zuschauer die Übertragung, der Marktanteil betrug 3,3 Prozent – diese Zahlen liegen weit über dem, was Phoenix sonst verzeichnen kann. Die Konkurrenz von n-tv und Welt war auf die Plätze verwiesen.

Akzentuiert wurde die Phoenix-Anstrengung durch die Interviews von Parlamentskorrespondent Erhard Scherfer. Wie auf einer Perlenkette reihte er die Gesprächspartner aus der SPD-Spitze aneinander: Andrea Nahles, Malu Dreyer, Stephan Weil, Kevin Kühnert und zum Abschluss Martin Schulz.

Ein Westfale behält die Ruhe

Als Westfale, geboren 1960 in Lünen, ist Scherfer so schnell bis gar nicht aus der Fassung zu bringen und in Wallung gar noch schwerer. Er fragt unaufgeregt und präzise, er fragt mit Hintersinn. Als intimer Kenner der Berliner Szene lässt er sich manches sagen, den berühmten „Berliner Bären“ lässt er sich nicht aufbinden. Mit Scherfer und seinen Kollegen Hans-Werner Fittkau und Sascha Triefenbach behielt der Phoenix-Zuschauer stets den Überblick, und er bekam den notwendigen Hintergrund für das, was er hörte und sah.

Erhard Scherfer kam nicht auf direktem Weg zu seiner Aufgabe. Auf ein Magisterstudium der Publizistik, Anglistik und Politikwissenschaften in Münster folgten Volontariat und Nachrichtenredaktion bei der „Westfälischen Rundschau“ in Dortmund. Zwischen 1992 und 1998 arbeitete Scherfer dann für den neu gegründeten Privatsender Vox, anschließend in der Redaktion Landespolitik Fernsehen des WDR, für die Produktionsfirmen Filmpool und NonFiction, die Vox und ProSieben zulieferten.

1998 war das Hin und Her vorbei, Scherfer ging zu Phoenix nach Bonn. Redakteur, Chef vom Dienst, Reporter, Moderator und stellvertretender Redaktionsleiter waren die Stationen. 2011 noch ein Wechsel, ein Ortswechsel. Nach Berlin, als Parlamentskorrespondent.

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