Porträt von Horst-Krause-Erfinder Bernd Böhlich : Die Welt ist schön – in Schönhorst

Kein Horst-Krause-Film ohne Bernd Böhlich: Begegnung mit dem Erfinder, Autor und Regisseur. Mit dem Schauspieler Horst Krause hat er schon vor der Wende gearbeitet.

Nicht ohne seinen Dackel. Horst Krause muss auch in seinem neuen Horst-Krause-Film die Familie wieder zusammenbringen und Brandenburg am Laufen halten.
Nicht ohne seinen Dackel. Horst Krause muss auch in seinem neuen Horst-Krause-Film die Familie wieder zusammenbringen und...Foto: rbb/Arnim Thomaß

Es war an einem Sommertag, als Bernd Böhlich sich mit seiner Frau auf den Weg nach Brandenburg machte. Die DDR war noch längst nicht Geschichte, die Mauer stand sicher und die Häuser im Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg versprühten noch den Charme der Nachkriegsjahre. Dort, in der Lychener Straße, unweit des Helmholtzplatzes, lebte er. Und wie viele Bewohner dieser Straße stellte er sich irgendwann auch die Frage: Woher stammt eigentlich ihr Name?

Lychen, Uckermark, Brandenburg. Schon bei seinem ersten Besuch gefiel ihm dieser Landstrich, kurz danach erwarb er dort ein Haus. Rückzugsort, Familientreff, Arbeitsplatz. Weite, Stille, Leere. Auf dem Dorf ticken die Uhren langsam. Manchmal hört man in der Ferne einen Mähdrescher. Manchmal klingelt ein Nachbar mit frischen Eiern. Manchmal feiert die Gemeinschaft im Gasthof ein Fest. Das Dorf ist ein ruhiges Feld, auf dem Ideen wachsen. Hier entstehen Geschichten, Drehbücher und Filme. Hier entstand Krause.

Zum siebten Mal sendet die ARD eine Folge aus der gleichnamigen Fernsehreihe. Auch in „Krauses Umzug“ am Freitag dreht sich wieder alles um den Gasthofbesitzer Horst „Hotti“ Krause und seine Schwestern Elsa und Meta. [„Krauses Umzug“ läuft am Freitag um 20 Uhr 15 im Ersten]

Unaufgeregt, nicht aufgesetzt und mit Humor zeichnet der Autor und Regisseur ein Familien- und Zusammenleben im fiktiven Ort „Schönhorst“. In dem kleinen Brandenburger Provinzdorf vereinen sich Probleme und Befindlichkeiten aus der ganz großen Welt: Es geht um Liebe, Enttäuschung und Hoffnung, um Güte, Großherzigkeit und Solidarität. Fünf Millionen Zuschauer lieben die Reihe. Bernd Böhlich sagt: „Ich bin glücklich, diese Krause-Filme machen zu können, und ich hoffe, dass es auch in Zukunft noch ein paar Leute geben wird, die sie sehen wollen.“

Die achte Folge schon in Arbeit

Im Moment schreibt er schon an der neuen, achten Folge. In seiner Wohnung in Berlin-Pankow steht der Laptop aufgeklappt auf dem Küchentisch, jederzeit bereit, mit neuen Gedanken, Sätzen oder Dialogen gefüttert zu werden. An Geschichten scheint es ihm nicht zu mangeln. Schnell kommt er ins Erzählen, oft folgen einer Frage mehrere Antworten, eine Anekdote liefert die nächste. Sie handeln von Filmen, die er gedreht hat oder drehen wollte, von Schauspielern und Weggefährten, von Schwierigkeiten in der Film- und Fernsehförderung, von früher und heute. Mitunter wirkt es so, als sei er in seinen Erzählrhythmus eingetaucht wie ein Komponist in seine Melodie.

1957 wurde er im sächsischen Löbau geboren. Schon als Junge liebte er Geschichten, das Erzählen und Rezitieren. Regelmäßig nahm er an Talentwettbewerben teil, auf denen er den gesamten Bezirk Dresden vertrat. Die Bühne, die Sprache und er: Natürlich lag es nahe, dass er einmal Schauspieler werden wollte. In der 11. Klasse ließ sich Bernd Böhlich einen Prospekt der Schauspielschule in Leipzig zusenden. „Als ich dann aber las, dass im Studium ein Fach ,Akrobatik’ zu absolvieren ist, habe ich Muffensausen bekommen“, gesteht er. „Ich war ein absolut schlechter Sportler, hatte sogar Angst vor dem Stufenbarren.“ Deshalb folgte er lieber dem Rat seiner Mutter: „Wenn das mit der Schauspielerei nichts wird, dann studiere doch Regie.“

Bernd Böhlich schreibt schon am neuen, achten Film mit Horst Krause.
Bernd Böhlich schreibt schon am neuen, achten Film mit Horst Krause.Foto: Manfred Thomas Tsp

Seine Erzählungen lassen erahnen, dass er ein inniges Verhältnis zu seinen Eltern hat. Oft kommen sie ihn in seinem Haus in der Uckermark besuchen, an den Wänden in seiner Pankower Wohnung hängen die Werke seines Vaters, des Malers Adolf Böhlich, der in Sachsens Hauptstadt Professor für Bildende Kunst war. Sie zeigen die Landschaft Brandenburgs in all ihren Farben: Das leuchtende Gelb des Rapses, das Grün der Bäume und den blauen Himmel. Bernd Böhlich ist von schönen Bildern umgeben.

Nach seinem Regie-Studium an der Hochschule für Film- und Fernsehen in Potsdam wurde er der jüngste Regisseur im DDR-Fernsehen. Sein Film „Eifersucht“, der 1988 in der Filmreihe „Polizeiruf 110“ lief, versammelte mit Uwe Kockisch, Hermann Beyer, Michael Gwisdek und Dagmar Manzel die DDR-Schauspielerprominenz und erhielt den Preis des Deutschen Fernsehfunks „Goldener Lorbeer“.

Ein Spielfilm über die Opfer stalinistischer Verfolgung

Schon damals standen mit Horst Krause und Carmen-Maja Antoni zwei Darsteller aus der jetzigen Krause-Reihe für ihn vor der Kamera. Schon damals kam ihm auch die Idee für einen Spielfilm, der von den Opfern stalinistischer Verfolgung erzählt.

Einst waren deutsche Kommunisten vor den Nazis geflüchtet und in die Sowjetunion emigriert. Nach dem Krieg wurden sie in den Gulag verbannt und durften erst Anfang der 50er Jahre in die neu gegründete DDR zurückkehren. „Und der Zukunft zugewandt“ heißt der Kinofilm, der im vergangenen Jahr in die deutschen Kinos kam. 30 Jahre lang hat Bernd Böhlich an dessen Umsetzung gearbeitet. Er hat Klinken von potenziellen Geldgebern geputzt, er hat auf seinem Weg Mitstreiter verloren und neue gefunden, er hat um jeden Drehtag gekämpft. Heute sagt er: „Ich hätte mir selber nie verziehen, wenn ich diesen Film nicht gemacht hätte.“

Vor Kurzem war er in die Kreuzkirche in Dresden eingeladen. Dort gab die DDR-Rockgruppe „Lift“ zusammen mit dem Dresdner Kreuzchor ein Konzert mit ihren größten Hits. Bernd Böhlich hatte früher einige Texte für die Band verfasst, nun stand er in der Kirche und hörte sie nach vielen Jahren wieder. Er habe dabei Gänsehaut bekommen, sagt er. In einem Lied, das er schrieb, heißt es: „Manche Nacht liegst du im Dunkeln, siehst die fremden Sterne funkeln, Bruder. Welche Reise sollst du wagen, welche Hoffnung kann dich tragen, Bruder.“ Das Lied ist von 1987. Es trägt den Titel „Leb’ deinen Traum“.

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