Presserat rügt Bild.de : "Zum Werkzeug des Täters gemacht"

Der Presserat hat Bild.de wegen Veröffentlichung von Videosequenzen des Christchurch-Attentäters gerügt, der die Morde live übertragen hatte

Brenton Tarrant steht wegen der Morde in einer Moschee in Christchurch/Neuseland vor Gericht.
Brenton Tarrant steht wegen der Morde in einer Moschee in Christchurch/Neuseland vor Gericht.Foto: REUTERS

Der Redaktion von Bild.de wurde vom Deutschen Presserat eine Rüge ausgesprochen, weil die Plattform Video-Sequenzen des Attentäters in einer Moschee in Christchurch/Neuseeland veröffentlicht hat. Der Mann hatte im März die Tötung von über 50 Menschen live ins Internet übertragen. Beim Presserat waren wegen der Verbreitung mindestens 35 Beschwerden eingegangen. Mit der Veröffentlichung seiner Video-Ausschnitte habe die Redaktion "dem Täter genau die öffentliche Bühne, die er haben wollte", heißt es in einer Mitteilung des Presserates vom Freitag. "Bild.de verstieß damit gegen Richtlinie 11.2 des Pressekodex, wonach die Presse sich nicht zum Werkzeug von Verbrechern machen darf". Zwar veröffentlichte die Redaktion laut Presserat unter der Schlagzeile „17 Minuten Mordfeldzug“ nicht die Taten selbst, sondern zeigte den mutmaßlichen Mörder auf dem Weg zu den Moscheen und beim Laden seiner Waffen". Diese Bilder hätten jedoch gereicht, um Assoziationen zu erzeugen, die weit über das berechtigte öffentliche Interesse an dem Geschehen hinausgingen. Auch die detaillierte, dramatisierende Schilderung und drastische Bebilderung im Begleittext zum Video bedienten nach Ansicht des Beschwerdeausschusses überwiegend Sensationsinteressen.

"Bild"-Chef verteidigte Verbreitung

“Bild”-Chef Julian Reichelt hatte die Veröffentlichung damals  verteidigt: “Durch Journalismus wird aus einem Ego-Shooter-Video ein Dokument, das Hass demaskiert und aufzeigt, was der Terrorist von Christchurch ist: kein Kämpfer, kein Soldat.” Man dürfe das Video nicht den sozialen Netzwerken überlassen, argumentierte. Auch Facebook hatte laut meedia.de das Video verbreitet. Nach scharfer Kritik wurden die Regeln für Live-Streaming auf der Plattform verschärft.

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