Eine brisante Story

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RBB-Beitrag zum Skandal-Flughafen : Die etwas andere Lücke im BER-System

Zu einer brisanten Story wurde die Recherche dennoch. Die „Bild“-Zeitung griff den Vorfall wenige Tage später auf: „Hat der RBB einen Reporter am BER einbrechen lassen?“, fragte das Blatt und berichtete ohne Angabe von Quellen, dass der Reporter „die Absperrungen der BER-Baustelle“ überwunden hatte. Eine Falschmeldung, wie das Video belegt. Doch der Sender widersprach der „Bild“-Darstellung nicht, der RBB-Sprecher sagte damals: „Sollten die Vorwürfe zutreffen, entspricht das nicht unseren journalistischen Standards“. Dabei hätte ein Anruf bei der Produktionsfirma für ein Dementi ausgereicht. Doch dazu kam es nicht. Unterdessen betont der RBB, dass man auch vor heißen Eisen nicht zurückschrecke: „Investigative Recherchen zum Beispiel der ,Kontraste‘-Redaktion zu illegalen Waffengeschäften gehören zum Kern der journalistischen Arbeit eines öffentlich-rechtlichen Senders“, sagte Justus Demmer.

Der Umstand, dass ein getarnter Journalist eine halbe Stunde auf dem Baustellengelände herumlaufen konnte, war für den RBB jedoch keine Story mehr: Die Geschichte habe nicht funktioniert, weil der Reporter enttarnt worden sei. Es habe somit keine Beweis für eine Sicherheitslücke gegeben. Zudem habe „Brandenburg aktuell“ noch andere Berichte zum Flughafen gehabt, unter anderem über ein Gutachten, dass BER zu klein sei.

Der Flughafen GmbH konnte das recht sein, zumal aus Sicht des Unternehmen weder aus dem Salafisten-Fall noch aus der TV-Recherche eine Sicherheitslücke geschlossen werden konnte. Die Kontrolle des enttarnten Islamisten habe „außerhalb des Baustellengeländes (und damit außerhalb des zukünftigen BER-Luftsicherheitsbereiches) und außerhalb des Luftsicherheitsbereiches des bestehenden Flughafens Schönefeld“ stattgefunden, stellte das Unternehmen fest. Die Pressemitteilung zur TV-Reportage gipfelte in der Feststellung: „Eine Baustelle ist eine Baustelle und kein Luftsicherheitsbereich.“ Doch das erfuhren die Zuschauer von „Brandenburg aktuell“ nicht.

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