RBB-Tandem für ARD-"Mittagsmagazin" : Im Doppel doppelt gut?

Jessy Wellmer und Sascha Hingst moderieren das ARD-Mittagsmagazin aus der Hauptstadt. Start ist am 2. Januar 2018 - im ZDF-Hauptstadtstudio

Jessy Wellmer, 37, ist dem bundesweiten Fernsehpublikum als "Sportschau"-Moderatorin bekannt.
Jessy Wellmer, 37, ist dem bundesweiten Fernsehpublikum als "Sportschau"-Moderatorin bekannt.Foto: RBB/Markus Nass

Das „Mittagsmagazin“ steckt in der Wahrnehmungslücke, egal, ob es die ARD ausstrahlt oder das ZDF. Morgens will jeder wissen, was sich in der Nacht ereignet hat, und abends, was den Nachrichtentag ausmacht. Aber mittags um eins? Da macht jeder seins. Muss so nicht bleiben, zumal es ja ein Publikumspotenzial gibt. Überraschende 3,5 Millionen Zuschauer im Schnitt, meldet der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Es wird nun Aufgabe des Senders sein, Aufmerksamkeit und Nachfrage für das „Mima“ zu steigern.

Die Weichen sind ja gestellt. Zwar werden sich ARD und ZDF weiterhin von Woche zu Woche abwechseln, aber das geschieht nur noch bis Jahresende aus Mainz (ZDF) und München (Bayerischer Rundfunk). Vom 2. Januar 2018 wird gemeinsam im ZDF-Hauptstadtstudio Unter den Linden produziert. Das ZDF stellt die Geräte, RBB-Personal wird sie bedienen, Redaktion macht jeder für sich.

Und wenn die ARD-Variante startet, soll der Zuschauer staunen, mit welcher Verve der RBB ans Werk geht. Es wird eine Doppelmoderation geben. Mit Jahreswechsel übernehmen Jessy Wellmer und Sascha Hingst die Moderation der Sendung, teilte der Sender am Sonntag mit. RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein sagte, Wellmer und Hingst „zählen zu den besten Fernsehjournalisten in Berlin und Deutschland, deshalb freuen wir uns, dass sie künftig gemeinsam das Mittagsmagazin präsentieren.“

Die künftige Doppelmoderation zeigt an, dass sich an Statik und Statur der Sendung einiges ändern soll. Bisher war die „Mima“-Stunde eine feste Abfolge von Sendeblöcken, von Fixpunkten zwischen Information und Zuschauermassage, zwischen Hart und Weich.

Regional goes national. Sascha Hingst, 46, moderiert bisher die RBB-"Abendschau"
Regional goes national. Sascha Hingst, 46, moderiert bisher die RBB-"Abendschau"Foto: Markus Nass/RBB

Da kann mehr passieren, mehr Dynamik, mehr Aktualität, jetzt ist Berlin Schau- und Sendeplatz. Da hilft die Doppelmoderation, gerade, wenn Livegespräche anstehen. Jessy Wellmer kündigte an: „Unser Studio liegt zwischen Bundestag, Kanzleramt, Ministerien und Parteizentralen, wir sind mittendrin, setzen Themen, konfrontieren Politiker mit den Fragen, Problemen und Sorgen der Menschen. Studiogäste erläutern die bundespolitischen Themen des Tages schon mittags live.“ Sascha Hingst freut sich besonders auf das Doppel mit Jessy Wellmer. „Aber wir erfinden das Fernsehen nicht neu, sondern übernehmen ein sehr erfolgreiches Format. Jetzt ist es an der Redaktion und uns, es von Januar 2018 an weiterzuentwickeln.“

Jessy Wellmer ist als Moderatorin der ARD-„Sportschau“ dem bundesweiten Publikum schon bekannter als Sascha Hingst, der vor allem die RBB-„Abendschau“ präsentiert. Beide sollen ihre bisherigen Aufgaben behalten, das „Mittagsmagazin“ kommt hinzu. Das bedeutet rund zwei Wochen Mehrarbeit pro Monat, aber auch mehr Einkommen: Wellmer und Hingst sind freie RBB-Mitarbeiter, sie werden je Sendung bezahlt. Möglich, dass Wellmer ihr Portfolio überdenkt, aktuell arbeitet sie für Radio Eins („Arena Liga Live“) und moderiert die „rbb aktuell“-Nachrichten. Dass Wellmer und Hingst das ARD-Mittagsmagazin übernehmen, entspricht einem Wunsch der Senderspitze. Joachim Huber

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