RBB will in die erste TV-Reihe : Endlich Hauptstadtsender

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg spielt sich mit strategischen und journalistischen Entscheidungen im Ersten nach vorn

Jessy Wellmer und Sascha Hingst moderieren das "Mittagsmagazin" seit Anfang 2018 für den RBB.
Jessy Wellmer und Sascha Hingst moderieren das "Mittagsmagazin" seit Anfang 2018 für den RBB.Foto: obs

Hoppla, der RRB. Will bei der ARD-Dopinginstanz Hajo Seppelt mit ins Risiko gehen. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg wird gemeinsam mit dem WDR Seppelts Produktionsfirma unterstützen. Der WDR, das ist ein „Ansager“ im ARD-Verbund, der sich jetzt mit dem bisherigen „Katzentischler“ eine prägende Investigativaufgabe teilt.
Aber so ist der RBB, stets auf dem Quivive, wenn sich die Chance zur Profilierung bietet. Als der Bayerische Rundfunk des „Mittagsmagazins“ nach 28 ARD-Jahren müde wurde, hat der Sender gleich den Finger gehoben: Umzug an den Regierungssitz, Kostenbewusstsein durch Quartiernahme im ZDF-Hauptstadtstudio, volle journalistische Verantwortung. Gut, mit dem „Mittagsmagazin" ist so viel Staat nicht zu machen. Hat immer was von Zwischenstand mit Prognose aufs Endergebnis in der „Tagesschau“.
RBB-Intendantin Patricia Schlesinger, eine gelernte politische Journalistin, möchte mit Sender und Mitarbeitern in der Fernsehpublizistik des Ersten die Rolle ergattern, die Hauptstadt und Regierungssitz Berlin in Deutschland spielen. Wird schwer, eigentlich ist das Fell des Politbären längst verteilt. Was schwer ist, muss nicht unmöglich sein. Der RBB hat ja den Vorteil, dass er auch mit Geld überzeugen kann. Kaum ein öffentlich-rechtlicher Sender, der von der Umstellung der Rundfunkgebühr auf den Rundfunkbeitrag mehr profitiert hat.

Bei der "Abendshow" ist noch nix perfekt

Das ARD-Programm ist das Spiel-, das Fernsehen für Berlin und Brandenburg das Standbein. Der RBB muss den (Mentalitäts-)Graben zwischen Mark und Hauptstadt „übersenden“. Da war die Anstrengung klein, die Furcht vor Brandenburger Beleidigtsein stets groß. Klar, der Berliner erwartet die „Abendschau“, der Märker „Brandenburg aktuell“. Aber dazwischen, daneben, ist Platz für Drittes, was nicht nur regional gefärbt sein muss, sondern aus der Eigenart und der Vielfalt beider Länder gewonnen werden kann. Das RBB-Fernsehen zeigt jeden Freitag Talkshows von NDR, MDR und Radio Bremen. Da muss der Ehrgeiz größer werden, ist Berlin nicht Place to be?
Da muss der Sender, auf gut Berlinisch, den Hintern hochkriegen, wie er es sich bei der „Abendshow“ getraut hat. Perfekt ist da noch gar nix, zumal angezeigt ist: Das Diktum „Das haben wir noch nie so gemacht“ ist keine Maxime für Erstes und Drittes.

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