Warum veröffentlicht er ein Buch?

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Samuel Koch : Der öffentliche Mutmacher

Dabei hatte Samuel Koch eigentlich nie vor, sein Leben auf diese Weise breitzutreten. Bloß nicht noch ein Werk von jemandem, der plötzlich in der Öffentlichkeit steht. Und überhaupt: „Was sollte ein 23-jähriger Typ, der noch nichts erreicht hat außer den Tiefpunkt seines Lebens, in einem Buch schreiben?“, steht in seinem Buch. Dann aber wurde der junge Mann mit Zuschriften, „mit ehrlicher aufrichtiger Anteilnahme“ überhäuft. „Das Buch soll die meisten Fragen klären“, sagt Samuel Koch. „Ich konnte ja nie einen Kugelschreiber in die Hand nehmen, um zu antworten.“

Das Schreiben hat Journalist Christoph Fasel für ihn übernommen, er tauschte sich in zahllosen Gesprächen per Telefon oder Skype mit Koch aus. Doch auch andere waren beteiligt. Während Gottschalk das Vorwort textete, schreibt seine frühere Ko-Moderatorin Michelle Hunziker im Nachwort unter anderem, dass „Samuel ein Mensch ist, dessen positive Energie einfach ansteckend ist“. Wie Gottschalk hat auch Hunziker den Kontakt seit dem Unfall in der Show gehalten und den gelähmten Koch in der Reha besucht. „Von ihm kann sogar ein hoffnungsloser Optimist noch viel lernen“, schreibt Hunziker. Und ähnlich versteht Koch seine Geschichte auch – als Mutmacher nämlich: „Es lohnt sich, an einem Leben festzuhalten, auch wenn Perspektiven und Wünsche zerstört wurden.“

Im Jeanshemd und mit zerzaustem Haar berichtet Koch vom Kampf mit sich selbst und der Suche nach dem neuen Ich. Er wirkt dabei gefasst, aber ist er auch gefestigt? Jedenfalls erträgt er die kaum enden wollenden Klicks der Fotografen und die vielen Fragen offensichtlich gut. „Er hat eine gewisse Lässigkeit, die aber nur ein Teil der Wahrheit ist. Es ist ein Bild, das nicht immer seinem Innersten entspricht“, sagt Gottschalk. Wenn andere zum Beispiel über ihn erzählen, wenn sie seinen Mut und seinen Willen bewundern, scheint es beinahe, als wäre Samuel Koch peinlich berührt. Dann schaut er nach unten, wo er vielleicht das Loch sucht, in dem er verschwinden kann.

Früher, als er noch durch die Gegend turnte, suchte Samuel Koch den großen Auftritt, das Rampenlicht. Heute, unter den jetzigen Umständen, sind ihm andere Dinge wie ein halbwegs geordnetes Leben wichtiger. Und so soll auch das Buch die Episode um die öffentliche Person Samuel Koch, der eine schlimme Geschichte erlebt, seinen (Lebens-)Mut und den Humor aber trotzdem nicht verloren hat, auf gewisse Weise beenden.

Samuel Koch hat sein Studium in Hannover wieder aufgenommen und möchte nun ganz privat leben, nachdem er alle Fragen zu seinem öffentlichen Auftritt und dessen Folgen beantwortet hat. Wenn er mit der Öffentlichkeit etwas Produktives unterstützen kann, soziale Einrichtungen zum Beispiel, werde er es auch weiterhin tun, sagt Samuel Koch. „Aber im Großen und Ganzen will ich mich zurückziehen.“ In Ruhe möchte er den nächsten Teil seines Lebens, das nach dem 4. Dezember 2010, bestreiten.

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