"Scheidung für Anfänger" : Ein Rosenkrieg mit Andrea Sawatzki und Christian Berkel

In der TV-Komödie „Scheidung für Anfänger“ spielt das Schauspielerpaar Andrea Sawatzki und Christian Berkel den Schrecken einer Trennung durch.

Nikolaus von Festenberg
Nahkampf. Andrea (Andrea Sawatzki) und Christoph Bremermann (Christian Berkel) sind die Argumente ausgegangen.
Nahkampf. Andrea (Andrea Sawatzki) und Christoph Bremermann (Christian Berkel) sind die Argumente ausgegangen.Foto: ARD Degeto/Christoph Assmann

Immanuel Kant, der aufgeklärte Single, hat dem Publikum schon vor Jahrhunderten das Wesen der Ehe enthüllt: ein Vertrag über den wechselseitigen Gebrauch von Vermögen und Geschlechtswerkzeugen. Wenden wir uns dem Geldhaltigen der Definition zu, dann wundern wir uns über die Naivität der Designerin Anja Bremermann (Andrea Sawatzki) und ihres Ingenieurmannes Christoph (Christian Berkel). Gut, die Komödie ist auf den Namen „Scheidung für Anfänger“ (Buch: Nina Bohlmann, Regie: Thorsten M. Schmidt) getauft, aber in welcher Welt leben Menschen, die wie die Bremermanns noch nie von den Schrecken des Vermögensausgleichs gehört haben, von dem Nattertum, zu dem Scheidungsrecht und Scheidungsanwalt ihre Opfer erniedrigen?

Ein Grund für das, was das Paar mit sich und der Welt durch den Entschluss zur Scheidung anrichtet, ist nicht erkennbar. Der Zuschauer rätselt, weil ihm nichts dergleichen nahegebracht wird. Da scheint Übermut am Werk zu sein, eine möglicherweise modern-marode Lust an Veränderung um ihrer selbst willen. Sie nölen sich an, sie rechnen sich für den anderen geopferte Lebenschancen vor, sie wollen trotzdem eine einvernehmliche Trennung. Oh, je.

Selbstverschuldeter Irrsinn

Von nun an geht's bergab. Selbstverschuldeter Irrsinn greift um sich. Die Welt spaltet sich mit. Da ist zunächst die Anwältin Dr. Schirmer (Doris Schretzmayer), von der Ingenieur und Designerin glauben, sie könnten von der Juristin gemeinsam vertreten werden, bis Christoph begreift, dass Schirmer nur der Frau dient. Er nimmt sich schließlich einen eigenen Rechtsvertreter (Pierre Besson). Christoph weiß nicht, dass der und Frau Schirmer liiert sind.

Die Kinder der Bremermanns, Sohn Frederik (Marcel Glauche) und Tochter Franziska (Amelie Plaas-Link), haben auf alles Lust, nur nicht auf Scheidungsprobleme der Eltern, die der Sohn als unzumutbare Belastung versteht und die der Tochter gar nicht erst zur Kenntnis gebracht werden, weil Franziska im Heiratswahn steckt und ihre Vermählungsfeier organisiert.

Bremermann bekommt nicht wirklich in seinen Kopf, dass ihm nicht mehr als die Hälfte des ehelichen Zugewinns zusteht, hat er doch immer den Hauptteil des Familienbudget finanziert. Er seinerseits macht ein unwilliges Gesicht, wenn Anja argumentiert, sie habe durch Karriereverzicht ihm beruflich den Rücken freigehalten. Ja, aber sein Projekt einer großen Brücke, die habe er doch der Familie wegen geopfert. Bremermann lernt männliches Opfersein und männliche Rachsucht.

Doch, wuff, da ist die Dogge Carlo. Sie hat nicht Kant gelesen, keinen Vermögensausgleich studiert, aber dieser bellende Geselle ist ein wahrer Doc und hat verstanden: Partnerglück hängt vom Ton der Stimme ab, nicht von deren Worten. Von Ritualen, von Umarmungen, vom Abschlecken, von Gewohnheiten, aber von keinen Argumenten. Wenn der Köter aus Protest gegen die eheliche Zankerei wertvolle Kissen zerbeißt, dann zeigt er eine große Seele und wahre Sachkenntnis. Dann zweifelt man an der Weisheit der Etymologie, die vom griechischen Wort für Hund den Zynismus ableitet. Der Filmvierbeiner ist ein so überzeugender Charakterdarsteller, dass Anja und Christoph, die zwar rechthaberisch, aber nicht herzlos sind, dahinschmelzen. Sie verstehen Dog Carlo als wahren Doc und irgendwann sich selbst.

So ist es eine Freude, die immer intelligenten Erzkomödianten Sawatzky und Berkel zu einem Ende zu begleiten, das dem Hund und also uns allen gefällt. Immanuel Kant sollte noch mal nachdenken. Nikolaus von Festenberg

„Scheidung für Anfänger“, ARD, am Samstag um 20 Uhr 15

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