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"Spex" wird digital : Popkultur ohne Ende

Das letzte Heft ist da, aber die „Spex“ macht ab Februar weiter - online. Ein Abomodell soll die Marke und den Pop-Journalismus retten.

Dennis Pohl, Musikkritiker
Dennis Pohl, MusikkritikerFoto: Privat



Bedeutungsverlust, gar Untergang des Pop-Journalismus, heftiger Wandel in der Branche durch das alles beherrschende Internet – die Abgesänge waren schnell geschrieben, als im Oktober die Nachricht herauskam, dass die Musik-Zeitschrift „Spex“ nach 38 Jahren eingestellt wird. Am Donnerstag erscheint die letzte Ausgabe des gedruckten Popkultur-Magazins. Ganz sterben wird die Marke allerdings nicht. Ab Februar soll es online weitergehen, teilte die „Spex“ auf ihrer Website mit.


Letztlich habe es zwei Möglichkeiten gegeben, auf den jüngsten Einschnitt zu reagieren. „Wir hätten uns bequem darüber beschweren können, dass das vermaledeite Internet uns die schönen Jobs wegfrisst, mit seiner Gleichzeitigkeit jegliche Pop-Kritik obsolet macht und überhaupt alles beschissen ist. Oder eben den neuen Vorzeichen entgegen zu treten, zum beherzten Sprung ins Ungewisse anzusetzen und einen Vorschlag zu formulieren, wie relevanter, unabhängiger Journalismus in Zeiten des Glasfaserkabels aussehen kann.“


Der „Spex“ habe sich für die zweite Variante entschieden, da es „weiterhin eine Stimme braucht, die abseitigen, marginalisierten, diskriminierten und aufrührerischen Positionen in Pop und Gesellschaft zu Gehör verhilft“. Kopf des digitalen „Spex“ ist Dennis Pohl. Man arbeite bereits mit allen verfügbaren Köpfen an einer neuen Gestaltung, an frischen Audioinhalten, an mehr Raum für Tiefe und jeder Menge anderen Formaten, die die besten Seiten des Printmagazins ins Internet übertragen und erweitern werden. Finanziert wird mit Abomodell: Ein Jahresabo kostet 24 Euro, ein Halbjahresabo 15 Euro. Damit können die Nutzer alles lesen und hören (Podcasts), inklusive aller Heft-Inhalte der vergangenen 38 Jahre.

Das letzte Print-Heft, die Ausgabe 384, nennt sich vorne auf dem Cover ein „Heft über die Zukunft“. Drin noch einmal mehr oder weniger abseitige gesellschaftliche Themen („Loblied der Frustration“, „Ein Rest an Zukunft – Fehlendes und kommendes Volk im Science-Fiction-Film“, „Pop und Geld – Tod des Musikautors“), Autoren und viele Gründe dafür, warum dieses Musik-Magazin bei allen Personal- und Verlagswirren der vergangenen Jahrzehnte so unverwechselbar interessant geblieben ist.

Dabei Texte der „Spex“–Autoren-Granden Diedrich Diederichsen, Georg Seeßlen und Clara Drechsler sowie ein Kritiken-Rückblick 1980 bis 2018.

Und 2018 soll eben nicht das Ende sein, dank Internet. Man glaube weiter daran, so Dennis Pohl, dass Pop-Journalismus mehr sei als eine halbe Feuilletonseite. "Daran, dass in der Popkultur weiterhin der verlässlichste Seismograf gesellschaftlicher Tektonik liegt. Und daran, dass wir in diesen Zeiten weniger Angst brauchen – und mehr Lärm."

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