Stalker-Krimi mit Heino Ferch im ZDF : Terror beginnt im Kopf

Zunehmende Hilflosigkeit, wachsende Wut: Eine spannende Verfilmung des autobiografischen Stalker-Romans von „Spiegel“-Redakteur Dirk Kurbjuweit.

Was plant unser Nachbar als Nächstes? Randolph Tiefenthaler (Heino Ferch) und Rebecca (Anja Kling) warten angespannt auf die Eröffnung der Gerichtsverhandlung.
Was plant unser Nachbar als Nächstes? Randolph Tiefenthaler (Heino Ferch) und Rebecca (Anja Kling) warten angespannt auf die...Foto: ZDF und Simon Vogler

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt: Dieses Schiller-Zitat ist die denkbar treffende Zusammenfassung des Romans „Angst“ von „Spiegel“-Redakteur Dirk Kurbjuweit. Die Geschichte basiert auf eigenen Erlebnissen, selbst wenn der Schluss vermutlich Fiktion sein dürfte – Kurbjuweit hat auch das Drehbuch zum ZDF-Montagsfilm verfasst.

Der Titel-Zusatz „Der Feind in meinem Haus" dürfte der Tatsache zu verdanken sein, dass es bereits Dutzende Thriller mit dem Titel „Angst“ gibt, bringt die Situation von Familie Tiefenthaler aber auf den Punkt. Das Ehepaar (Anja Kling, Heino Ferch) ist mit zwei Kindern in eine Eigentumswohnung im Herzen Berlins gezogen, mit viel Garten, Licht und Luft – und einem Nachbarn. Herr Tiberius (Udo Samel) entpuppt sich als der personifizierte Albtraum für Randolph und Rebecca. Weil sie seine Freundschaftsversuche zurückweisen, bezichtigt er sie schließlich des sexuellen Missbrauchs ihrer eigenen Kinder. Für das Ehepaar beginnt ein Nachtmahr, das wie im Hollywood-Thriller nur auf denkbar drastische Weise beendet werden kann. Aber das ist noch nicht der Schluss der Geschichte.

Natürlich hinterlässt der subtile Terror seine Spuren in den Köpfen

Auch ohne den autobiografischen Hintergrund wäre „Angst“ ein fesselnder Film, selbst wenn Regisseur Thomas Berger auf handelsübliche Thrillereffekte verzichtet. Es beginnt mit der Fahrt der Tiefenthalers zu einer Gerichtsverhandlung. Wem der Prozess gemacht wird, stellt sich erst zu Beginn des letzten Aktes heraus, als die Rückblende den Auftakt eingeholt hat. Bis dahin sorgen Kurbjuweit und Berger dafür, dass sich sowohl die zunehmende Hilflosigkeit wie auch die wachsende Wut des Paars gut nachvollziehen lässt, zumal ihnen niemand helfen kann.

Dass der alte Mann Rebecca per Brief gesteht, er sei in sie verliebt, ist ebenso wenig verboten wie das Gedicht, das er ihr widmet. Natürlich hinterlässt der subtile Terror seine Spuren in den Köpfen. Randolph beklagt das Versagen des Staates, was wohl auch Kurbjuweits Anliegen ist. Die Bürger überlassen dem Staat das Gewaltmonopol, dürfen im Gegenzug aber erwarten, dass sie vor Menschen wie Tiberius beschützt werden.

Zwischendurch liefert das Drehbuch mehrere Motive für das Verhalten des Nachbarn, der im Souterrain bereits seine Kindheit verbracht hat, ehe er in ein Heim kam. Viel überzeugender sind die Auftritte von Udo Samel. Er verkörpert Tiberius nicht als Monster, sondern als etwas sonderbaren, aber freundlichen Herrn, der Anschluss sucht. Nicht ungeschickt auch die Idee, die Situation des Paars durch eine Ehekrise zu dramatisieren. Randolph nimmt sich abends lieber Arbeit mit ins Restaurant, anstatt nach Hause zu fahren, weshalb in erster Linie Rebecca das Opfer der Nachstellungen wird. Als der Terror im Kopf schließlich auch für Randolph beginnt, ist die anfängliche Idylle endgültig zerstört – weil fortan ein unbefangener Umgang mit den Kindern kaum noch möglich ist.

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„Angst – Der Feind in meinem Haus“, Montag, ZDF, 20 Uhr 15

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