Stefanie Schneider und Kai Gniffke : Kandidatin und Kandidat für SWR-Intendanz

Das Wahlverfahren und die Bewerber für die SWR-Intendanz stehen fest. Wobei sich Kai Gniffke gegen anonyme Kritik wehren muss

Stefanie Schneider ist die SWR Landessenderdirektorin Baden-Württemberg
Stefanie Schneider ist die SWR Landessenderdirektorin Baden-WürttembergFoto: SWR

Die aufgekommene Kritik am geplanten Wahlverfahren zur Neubesetzung des Intendantenpostens hat die Aufsichtsgremien des Südwestrundfunks (SWR) nicht aufhalten können. Sie wollen sich am 23. Mai zwischen Kai Gniffke und Stefanie Schneider entscheiden, wie der Sender am Freitag nach einer gemeinsamen Sitzung von Rundfunk- und Verwaltungsrat in Stuttgart mitteilte. Über das Verfahren war ein öffentlicher Streit entbrannt, weil eine Findungskommission der beiden Gremien unter mehreren als aussichtsreich geltenden Bewerbern nur den Chefredakteur ARD-aktuell und die SWR-Landessenderdirektorin Baden-Württemberg zur Wahl vorgeschlagen hatte.
Dieses Verfahren bestätigten Rundfunk- und Verwaltungsrat nun mit deutlicher Mehrheit: 70 Ja-Stimmen standen den Angaben zufolge lediglich eine Gegenstimme und vier Enthaltungen entgegen. Gottfried Müller, Vorsitzender des SWR-Rundfunkrates, sagte nach der Entscheidung, das Wahlgremium von Rundfunk- und Verwaltungsrat habe nicht nur eine sehr klare Entscheidung getroffen, es habe ausdrücklich auch die vorbereitende Arbeit der AG Intendantenwahl gewürdigt und „keinen Zweifel daran gelassen, dass es bei dieser Arbeit einzig und allein darum ging, den SWR in Zeiten des digitalen Wandels mit neuer Führung bestmöglich aufzustellen“.
Insgesamt hatte es für die öffentlich ausgeschriebene Stelle 15 Bewerber gegeben, darunter NDR-Fernsehchefredakteur Andreas Cichowicz, SWR-Verwaltungsdirektor Jan Büttner und Clemens Bratzler, Leiter der SWR-Abteilung Multimediale Aktualität. Büttner hatte seine Kandidatur in einem Brief an die Gremienvorsitzenden zurückgezogen. Er habe nach der öffentlichen Debatte über den Vorschlag, nur zwei Kandidaten zur Wahl zur stellen, den Eindruck, „dass wir jetzt alles tun müssen, um weiteren Schaden von unserem Sender abzuwenden“.

Ursprünglich 15 Bewerber

Für ein alternatives Wahlverfahren hatte sich unter anderem der Vorsitzende des SWR-Landesrundfunkrats Baden-Württemberg, Volker Stich, ausgesprochen. Demnach sollte jedes Gremienmitglied bis zu drei Namen aus allen 15 Bewerbern nennen, von denen dann die drei Kandidaten mit der höchsten Stimmzahl zur Wahl gestellt würden.
Nun also die Entscheidung zwischen Gniffke und Schneider am 23. Mai. Beide haben in der öffentlichen Sitzung von Rundfunkrat und Verwaltungsrat Gelegenheit, sich dem Wahlgremium zu präsentieren. Liegt die SWR-Mitarbeiterin vielleicht schon vorne? Am Donnerstag hatten sich die Gleichstellungsbeauftragten der ARD-Anstalten sowie von ZDF, Deutschlandradio, Deutscher Welle und ORF für die Wahl einer Frau an die SWR-Spitze ausgesprochen.

Kai Gniffke arbeitet als Chefredakteur ARD aktuell, wo unter anderem "Tagesschau" und "Tagesthemen" produziert werden.
Kai Gniffke arbeitet als Chefredakteur ARD aktuell, wo unter anderem "Tagesschau" und "Tagesthemen" produziert werden.Foto: NDR/SWR


Kai Gniffke sieht sich gerade mit einem anonymen Schreiben aus der ARD-aktuell-Redaktion konfrontiert, das der Medienjournalist Kai-Hinrich Renner öffentlich gemacht hat. Gniffke soll demnach Beitragsgelder „zweckentfremdet“ haben, sprich die Nachtschicht bei ARD-aktuell gestrichen haben. Als Folge davon würde die Ausgabe der „Tagesschau“ um 4 Uhr 40 morgens ausfallen, die frei gewordenen Mittel hätte Chefredakteur Gniffke tagesschau.de zugeschlagen. Der verantwortliche NDR sagte dem Tagesspiegel auf Anfrage, ARD-aktuell sei rund um die Uhr besetzt. „Die Redaktion trägt Sorge dafür, dass jede gesendete Ausgabe den journalistischen Standards von ARD-aktuell entspricht.“ Dies gelte selbstverständlich auch für die knapp zweiminütige Kurzausgabe in der späten Nacht, die im Ausnahmefall auch mal entfallen könne. „Sollte etwas Gravierendes passieren, wird es dazu immer eine ,Tagesschau‘ geben. Die Verwendung der Mittel von ARD-aktuell erfolgt laut NDR transparent und werde von der ARD geprüft. Bei den Gniffke-Sympathisanten kursiert die Vermutung, dass Schreiben und der Zeitpunkt der Veröffentlichung kein Zufall seien, sondern im Kontext der SWR-Intendantenwahl stünden. Jetzt ist Gniffke erst mal Kandidat. Joachim Huber