Studie zur Twitterkommunikation : Trump, Twitter und die Europäer

Twitterkommunikation unter der Lupe: Ungewollt tragen die Trump-Tweets zu einer stärkeren Identitätsbildung der überzeugten Europäer bei.

Schreibt gerne Kurzbotschaften: Donald Trump
Schreibt gerne Kurzbotschaften: Donald TrumpFoto: AFP

Kaum ein Tag ohne Tweet von Donald Trump. Schon ist auch die Rede von der „Twitter Diplomacy“, der Außen- und Sicherheitspolitik in Zeiten von Social Media – so der Titel einer Studie des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM).

Ihr Untertitel: „Eine explorative Studie zur Reaktion von EU-Politikern auf die Twitterkommunikation des US-Präsidenten Donald J. Trump“. Weit entfernt davon, einfach „verrückt“ zu sein, wie es Kommentare manchmal andeuten, nutze der US-Präsident das Medium durchaus strategisch und hinsichtlich des Agenda-Settings mit einigem Erfolg, heißt es in der Studie.

„Wissen über transatlantische Diplomatie und ihre Themen war lange Zeit eingeweihten politischen Playern und Journalisten vorbehalten.“ Das ändere sich, indem relevante Themen für alle Mitlesenden sichtbar werden.

Trumps Twitter-Kommunikation sei nicht „verrückt“, erratisch oder in sich unlogisch. Gemäß der Idee „America first“ und der politischen Polarisierung richte sich die Kommunikation des US-Präsidenten in erster Linie an eigene Gefolgschaft.

Die Reaktion von Playern aus der Europäischen Union auf die Trump-Tweets sei unterschiedlich. Während es die Mehrheit der untersuchten Accounts (unter anderem von Boris Johnson, Manfred Weber) vermeide, den US-Präsidenten direkt zu adressieren, und im Ton diplomatisch ist , formulieren andere kämpferische Kritik.

Gerade bei der ersten Gruppe fänden sich indirekte Kommentare, die für Kenner der transatlantischen Beziehungen als Kommentar zu Trumps Tweets gelesen werden könnten. Diese triggern demnach positive Erzählungen der EU und des Zusammenhalts. Als eine Art nicht beabsichtigter Folge der Trump-Tweets zeige sich, wie unterschiedliche Akteure in der EU durch Angriffe zusammenrücken und Angriffen und Kritiken positive Erzählungen Europas entgegensetzen.

Ungewollt tragen die Trump-Tweets, so die Conclusio, zu einer stärkeren Identitätsbildung der überzeugten Europäer bei. Die komplette Studie soll Mitte Dezember veröffentlicht werden. meh

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