Telekom-Serie "Deutsch-Les-Landes" : Stromberg macht’s französisch

Die erste von der Telekom-Plattform MagentaTV eigenproduzierte Serie „Deutsch-Les-Landes“ bietet amüsante Völkerverständigung.

Comme vous voulez. „Deutsch-Les-Landes“ mit Christoph Maria Herbst (rechts) ist die erste Eigenproduktion der Telekom-Videoplattform MagentaTV.
Comme vous voulez. „Deutsch-Les-Landes“ mit Christoph Maria Herbst (rechts) ist die erste Eigenproduktion der...Foto: MagentaTV

Das südfranzösische Örtchen Jiscalosse ist in Aufruhr: Die Deutschen kommen! Denn Bürgermeisterin Martine (Marie-Anne Chazel) hat kurzerhand Teile des Dorfes inklusive Schloss an einen Münchner Autozulieferer verkauft, um die drohende Pleite der Gemeinde abzuwenden. Firmenchef Gerhard Jäger (Rufus Beck) überantwortet nun seinem Abteilungsleiter Manfred (Christoph Maria Herbst) die Aufgabe, mit der Belegschaft nach Jiscalosse zu ziehen. Doch Kollegen und Dorfbewohner sind wenig begeistert – der Ärger lässt nicht auf sich warten. Zwischen den Fronten steht die junge Französin Chloé (Roxane Duran), die ausgerechnet in ihr Heimatdorf zurückkehrt.

Mit der deutsch-französischen Serie „Deutsch-Les-Landes“ bringt die Telekom gemeinsam mit Amazon Prime Video ihre erste Eigenproduktion heraus. In Deutschland erscheint das erste „Original“ am 1. November beim TV-Angebot MagentaTV, das zuvor unter dem Label EntertainTV firmierte und neuerdings auch von Nicht-Telekom-Kunden abonniert werden kann. Noch in diesem Jahr soll die Serie in Frankreich und Belgien bei Amazon Prime Video starten.

Als Autoren wurden neben Peter Güde („Stromberg“) und Thomas Rogel („heute-show“) auch Alexandre Charlot und Franck Magnier eingespannt, die das Drehbuch der Komödie „Willkommen bei den Sch'tis“ schrieben. Christoph Maria Herbst bringt neben „Stromberg“- auch „Sch'ti“-Erfahrung mit: Er synchronisierte den Postboten Antoine.

In der neuen Culture-Clash-Komödie gibt Herbst nun den Abteilungsleiter, der das Chaos in Jiscalosse bändigen soll und um keinen Spruch verlegen ist. Überspitzte Klischees, Vorurteile und gespielte Freundlichkeit zwischen Deutschen und Franzosen treffen vor pittoresker Küstenkulisse aufeinander. Denn anfangs sind die neuen Nachbarn einander nicht gewogen, doch schon bald kommt es zu ersten Annäherungen.

Mit Ressentiments habe man am „Deutsch-Les-Landes“-Set in Bordeaux nichts zu tun gehabt, sagt Christoph Maria Herbst, manche Klischees seien aber doch bedient worden. „Als zum Beispiel mittags um halb zwölf die ersten Rotweine entkorkt wurden und es nachmittags keine Häppchen gab, sondern große Holzkisten mit Austern.“ Diese Dinge würde man zwar klischeehaft nennen, „aber wir haben oft festgestellt, dass die Realität klischierter ist als jede Fiktion“.

Französische Schauspieler bringen mehr Emotion in ihre Figuren

Beim Dreh hätten deutsche und französische Darsteller sogar voneinander gelernt. „Wir deutschen Schauspieler neigen oft dazu, Szenen erst mal zu durchdenken und dramaturgisch zu erfassen. Die französischen Kollegen spielen einfach los, sie emotionalisieren stärker und erzählen die Geschichte mit ihrem ganzen Körper.“

In „Deutsch-LesLandes" gehe es natürlich auch um Klischees, sagt Annette Ernst, die mit Denis Dercourt Regie führte. „Die Serie will unterhalten, es geht aber auch um Völkerverständigung: Wie gut verstehen sich Deutsche und Franzosen wirklich?“ Dazu gehöre, dass man sich aufeinander einlasse und auch Späße übereinander mache. „Ich finde, gerade in Zeiten des Brexit braucht es so etwas in Europa.“

Die Serie handle von Deutschland, Frankreich und damit auch von Europa, erklärt Ernst. „Wir haben uns über die Küchenpsychologie hinaus mit dem Verhältnis beider Nationen zueinander beschäftigt. Schließlich ist zwischen Deutschland und Frankreich politisch ein neues Zeitalter angebrochen. Davon erzählt diese Serie.“

Die Komödie macht den Auftakt für weitere Produktionen der Telekom: Zwei bis vier Eigenproduktionen pro Jahr habe man sich als Ziel gesetzt, sagt Unternehmenssprecher Dirk Wende, noch bis Ende des Jahres sollen weitere Inhalte genannt werden. Zukünftig wolle man dem Format der Serie treu bleiben, „perspektivisch kann es auch mal eine Doku sein, Spielfilme eher weniger“. Zudem liege der Fokus auf deutschen Inhalten und Schauspielern, die bei den Kunden sehr gefragt seien. Auch ernstere Stoffe seien vorstellbar, so Wende, wie etwa bei den eingekauften Serien „The Handmaid's Tale“ und „Arthurs Gesetz“.

Als Angriff auf die Streaming-Riesen will die Telekom das neue Angebot nicht verstanden wissen. „Wir wollen unseren Kunden mit unseren Eigenproduktionen etwas Besonderes bieten, aber nicht in einen Wettbewerb einsteigen. Wir sehen Amazon, Netflix und Co. als unsere Partner“, sagt Wende. Man sei für Kooperationen in alle Richtungen offen, für die Streaming-Anbieter wie für die öffentlichrechtlichen und privaten Sender.
„Deutsch-Les-Landes“, erste Staffel, zehn Episoden à 30 Minuten, ab 1. November bei MagentaTV

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