TV-Doku „Die Akte Otto Warmbier“ : Was geschah wirklich in Nordkorea

Der US-Student Otto Warmbier wurde zum Spielball zwischen den USA und Nordkorea. Ein ARD-Film rekonstruiert, was mit ihm wirklich geschah.

In einem Schauprozess wurde der US-Student Otto Warmbier in Nordkorea zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.
In einem Schauprozess wurde der US-Student Otto Warmbier in Nordkorea zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Sein Vergehen: er...Foto: pa/dpa

Die Silvesterreise nach Pjöngjang sollte Ende 2015 das große Abenteuer vor seinem Auslandssemester in Hongkong werden, anderthalb Jahre später kann der US-Student Otto Warmbier mit einem schweren Gehirnschaden nur noch per Rettungsflugzeug in die Vereinigten Staaten zurückgeflogen werden. Eine Woche später ist der 22-Jährige tot.

Warmbier hatte bei seinem Nordkorea-Trip ein politisches Plakat entfernt, wurde dafür in einem Schauprozess zu 15 Jahren Haft verurteilt, fiel dort ins Wachkoma. Vor allem aber wurde er zu einem Bauernopfer im Streit zwischen Nordkoreas Machthaber Kim und US-Präsident Donald Trump, der dem asiatischen Land wegen seiner nuklearen Aufrüstung mit „Zorn und Feuer, wie es die Welt noch nicht gesehen hat“ drohte.

[Der Film „Die Akte Otto Warmbier“ läuft am Montag um 22 Uhr 45 im Ersten]

Klaus Scherer, der langjährige Asien- und Amerika-Korrespondent der ARD, versucht mit seiner Dokumentation „Die Akte Otto Warmbier“ herauszufinden, was Nordkorea wirklich geschah. Starb der Student an den Folgen von Folter während seiner Haftzeit, wie es die Eltern des jungen Mannes nach wie vor glauben – und wie US-Präsident Trump es sagte, bevor er sich mit seinem „Kumpel Kim“ zu Gesprächen traf, und ihm attestierte, dass der Diktator von Warmbiers Schicksals nichts gewusst hatte.

Ein anderes Bild der Geschehnisse

Was tatsächlich geschah, das kann auch Scheres Film am Ende nicht aufklären. Seine Gespräche mit Notarzt Mike Flueckiger, der Warmbier nach Cincinnati zurückbrachte, mit der US-Gerichtsmedizinerin Lakshmi Sammarco und mit dem ehemaligen US-Diplomat Bill Richardson ergeben allerdings ein gänzliches anderes Bild als es der wichtigste Gutachter in dem Verfahren gegen Nordkorea vor einem Gericht in Washington machte.

Ein Verfahren, in dem weder Nordkorea noch Flueckiger, Sammarco oder andere Zeugen zu Wort kamen.

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